Spieltipps aus dem Rollstuhl

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Ein Fußballtrainer im Rollstuhl? Ja, das gibt es beim SuS Niederbonsfeld, und zwar bei der U13-Mädchen-Mannschaft, in der zu Zweidritteln Mädels aus dem Langenberger Ortsteil Nierenhof spielen.

Wenn Ralf Bockstedte die jungen Fußballerinnen um sich schart, herrscht eine ungewöhnliche Disziplin. Seine Schützlinge hängen ihm förmlich an den Lippen, wenn er leise und langsam seine Anweisungen gibt. Es gibt keine Hampeleien, wie sie bei übermütigen Jugendlichen vorkommen. Die Spielerinnen haben ihren Trainer voll akzeptiert. „Rolli-Ralf“ wird bei seiner Arbeit von den beiden Co-Trainern Claudia Kopinski und Jürgen Hillemacher unterstützt.
Fußball begeisterte Ralf Bockstedte seit seiner Kindheit. „Wir haben von morgens bis abends gekickt“, erinnert sich der 43-Jährige. Der Großvater, der Ehrenmitglied bei Schalke 04 war, nahm ihn mit auf die Ehrentribüne. Der Stürmer Klaus Fischer, der wegen einer Verletzung pausierte, führte den kleinen Ralf durchs Stadion und schenkte ihm sein Trikot. Das hat heute einen Ehrenplatz in der Kanzlei des viel beschäftigten Rechtsanwalts.
Bereits im Alter von drei Jahren fiel Ralf Bockstedtes Eltern auf, dass sich ihr Junge komisch bewegt. Nach zahlreichen Untersuchungen fanden die Ärzte heraus, dass das Rückenmark nicht so schnell wächst wie der übrige Körper. Mit 16 Jahren schließlich riss der Nervenstrang. Durch die „inkomplette Querschnittslähmung“ ließ sich Ralf Bockstedte aber nicht entmutigen, machte Abitur und studierte Jura. Durch seine Leidenschaft zum Fußball und seine juristischen Kenntnisse wurde er zum Spielerberater und gründete eine eigene Agentur.
Um mit den Spielern auf Augenhöhe zu sein, kam ihm die Idee mit dem Trainerschein. Der Verbandssportlehrer des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen, René Hecker, setzte sich für eine Ausnahmegenehmigung ein. So ist Ralf Bockstedte weltweit der einzige Fußballtrainer im Rollstuhl. Als er vor vier Jahren den entsprechenden Lehrgang in der Sportschule Kaiserau machte, brachte der angehende Trainer sein rollendes Hilfsmittel direkt konstruktiv mit ein. „Da waren natürlich Treppen zu überwinden. Also sagte ich zu meinen Lehrgangskameraden: ,Vier Mann, vier Ecken, packt mal an. Das war schon die erste erfolgreiche Maßnahme zur Teambildung‘.“
Das scheint auch bei seinen U13-Mädels zu funktionieren: Sie starteten mit einem 16:1-Sieg souverän in die Saison.
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