Zwerge und Riesen: Ausstellung über Körpergröße

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In diesem Winter lädt das Neanderthal-Museum in einer spannenden Ausstellung die Besucher dazu ein, ihre eigene Körpergröße und die anderer Menschen wahrzunehmen.

Sich vor der Promi-Fotowand mit Dirk Nowitzki und Lionel Messi vergleichen, im Ames-Raum optischen Täuschungen erliegen, auf dem Riesenstuhl wie ein Zwerg fühlen, Märchen an den Hörstationen lauschen oder auch gemütlich im Bett liegen und lesen: Interaktive Elemente für klein und groß lassen die Ausstellung zu einem Erlebnis für die ganze Familie werden. Archäologische Exponate und mediale Installationen informieren über die zahlreichen Facetten des Themas.
Zwerge und Riesen tummeln sich weltweit in Mythen, Sagen und Märchen. In der abendländischen Kulturgeschichte reichen sie von der griechischen Mythologie über Grimms Märchen bis zur zeitgenössischen Fantasy-Literatur mit Harry Potter und der Tolkien-Mythologie. Zwerge werden meist als listig, klug, gierig und mürrisch dargestellt, Riesen als mächtig, kriegerisch, plump und unkultiviert. Während die literarischen Figuren vor allem mit negativen stereotypen Charaktereigenschaften belegt sind, haben die kleinen und großen Menschen jenseits der Norm nichts mit diesen Kunstfiguren gemein. In der menschlichen Biologie sind Unterschiede in der Körpergröße gruppenspezifisch oder individuell angelegt. Unsere Gene legen nur zum Teil die Körperlänge fest, viele weitere Faktoren tragen dazu bei. Bereits in der menschlichen Entwicklungsgeschichte zeigen die verschiedenen Arten von Homo und dessen Vorläufern eine große Variabilität in der Körpergröße, an dessen unterem Rand der nur 1m kleine Homo floresiensis steht. Aber die Körpergröße ist innerhalb der Arten auch schon bei unseren frühen Vorfahren vor über 1,5 Millionen Jahren individuell ausgeprägt.
Kleine wie auch große Menschen werden im Laufe der Zeit unterschiedlich wahrgenommen. Die Hofzwerge zum Beispiel genießen im 16. Jahrhundert hohes Ansehen. Kleinwüchsige Menschen waren bis in die Mitte des 19. Jahrhundert hinein gesellschaftlich anerkannte und auch vermögende Persönlichkeiten. Erst seit der industriellen Revolution werden sie aus der Mitte der Gesellschaft in einen Kuriositätenzirkus gedrängt. Die Faszination für die Abweichung von der Norm wird im 19. Jahrhundert auf Jahrmärkten bedient. Während der NS-Diktatur werden Menschen mit körperlichen Abnormitäten aus der Gesellschaft aussortiert. Doch Zwerge und Riesen werden als Kleinwüchsige und Großwüchsige, als Figuren aus der deutschen Mythen- und Märchenkultur weiterhin präsentiert.
Heute findet die Zurschaustellung von klein- und großwüchsigen Menschen in den populären Medien statt: Der „größte Mann der Welt“ oder die „kleinste Frau der Welt“ sind immer noch eine Schlagzeile wert, obwohl wir heute vermeintlich politisch korrekt und inklusiv mit klein- wie großwüchsigen Menschen umgehen. Trotzdem begegnen sie im wahren Leben immer wieder Vorurteilen und müssen Barrieren meistern.
Die Sonderausstellung im Neanderthal-Museum erzählt Geschichten von mythischen Zwergen und Riesen sowie realen kleinen und großen Menschen. In der Ausstellung können die Besucher das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln erfahren und selbst in unterschiedliche Perspektiven schlüpfen.
Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Regionale Kulturförderung des LVR. Tickets sind an der Museumskasse und online zzgl. Gebühren auf www.westticket.de erhältlich.
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