Jochen malmsheimert sich im Voerder Outback durch seine dunkelsten Erinnerungen

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Kann böse kucken, der Mann. (Foto: jochenmalmsheimer.de)
Vor dem kamma Angst kriegen - und zwar zu Recht! Wer sich nicht schon durch diese Erscheinung beeindrucken lässt, der erschrickt spätestens, wenn er seine Stimmen (er hat mehrere davon) erhebt. Und wenn das wider Erwarten nicht wirken sollte, dann ist da immer noch (und das meine ich so!) diese allabendliche Einleitung.

Jochen Malmsheimer gastierte mit seinem Programm (dessen Name meine Erinnerung verlustig ging) im Schulzentrum Voerde-Nord, Ortskundigen besser bekannt als Friedrichsfeld. Wohlgefüllt hatte sich die spröde Kulturarena, als der Bochumer Lautundleisesprecher wie gewohnt seine Einschätzung der Örtlichkeit zum besten gab: Er sei froh, hier zu sein. Das sage er ja überall, aber heute meine er es wirklich so! Nachdem er mittags in Bochum abgereist sei, habe irgendwann ein Holländer ihm den Weg nach Friedrichsfeld gewiesen.

Die ZIelfindungsprobleme konnten ihm nicht wenige im Auditotium nachempfinden: Es war tasächlich nicht ganz leicht, den richtigen Eingang des Schulzentrum mitten im Kappes nahe des Rheins ausfindig zu machen.

Zurück zum Programm. Wer Malmsheimer zu zitieren sucht, hat zwei Möglichkeiten: 1) Er lässt es. 2) Er bemüht ein Aufnahmegerät (was allerdings bei den meisten Kulturveranstaltungen verboten ist) und bricht das Zitieren dann später ab. Nämlich an dem Punkt, an dem er feststellt, dass so viel Text in Schwarz auf Weiß längst nicht so knallt wie im Zuhörerkopf. Und selbst diese können sich kurz nach der Show nicht mehr daran erinnern, was der ruhrpöttische Magier der Wortgestaltung en detail absonderte.

Es ist das Alltägliche, das Jochen Malsheimer umtreibt. Der Nudelsalat, zusammen mit dem Rotwein auf dem Rückweg aus dem Magen. Die schäbigen Zehnägel schlecht gekleideter Sommerteutonen. Das krude Gespräch zwischen einem Polizisten und zwei Passanten, die nach drei Minuten nicht mehr wissen, wem der Hund gehört, über den sie sich streiten. Dunkle Erinnerungen an noch dunklere Fetenkeller. Spracheigenheiten des Ruhrgebietlers. Suchte man einen Begriff für diese Art von Vortrag, man könnte es glatt malmsheimern nennen.

Und obwohl die oben angedeutete Einleitung gefühlt zehn Jahre alt ist (wir reden von der mitgeschleppten Telefonie, dem Störerausruf "Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!" und dem skeptischen Blick ins Wasserglas), erleidet ein Teil der Zuhörer nach knapp zwei Stunden veritable Halsschmerzen. Vom Lachen, versteht sich.

Falls Sie zu denen gehören, die diesen Vertreter der kulturellen Chaostheorie nicht kennen, fahren Sie nach Ratingen (Stadttheater, 29. März), Goch (Kastell, 30. März), Iserlohn (Parktheater, 31. März) oder Bestwig (wo immer das sei/Bürgerhaus, 1. April). Lernen Sie Jochen Malmsheimer kennen und sie werden ihn mal kennenlernen! Haben Sie keine Angst, der will nur sauer sein.
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1 Kommentar
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Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 26.03.2017 | 23:55  
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