Sich selbst nicht der Nächste sein - Woche des bürgerschaftlichen Engagements läuft noch bis zum 17. September

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Gemeinsam mit Ärzten aus anderen Ländern engagiert sich die 81-Jährige Dr. Romana Drabik ehrenamtlich.
 
Geheilte Kinder...
Es ist freiwillig, unbezahlt, ohne Verpflichtung und es bereichert – das Ehrenamt. Millionen Menschen in Deutschland üben eines aus. Die meisten engagieren sich dabei für Kinder und Jugendliche. Fast 70 Prozent der Engagierten wenden wöchentlich bis zu fünf Stunden dafür auf.


Von Dunja Vogel

Das Ehrenamt ist wichtig für den Erhalt der Gesellschaft. Mehr als jeder Dritte engagiert sich, wird selbst initiativ und trägt somit einen großen Teil zur Gemeinschaft bei – Tendenz steigend. In allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wird sich engagiert und tatkräftig unterstützt, beispielsweise in Sportvereinen, im Tierschutz, in Hilfsorganisationen, im Naturschutz, in der Altenpflege, bei der Freiwilligen Feuerwehr, um nur einige zu nennen.
Wer sind diese Menschen? Was treibt eine eine zweifache berufstätige Mutter dazu, am Samstagmorgen bei „der Tafel“ Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen? Warum liest eine Finanzbeamtin in ihrer Freizeit Grundschülern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche Bücher vor, obwohl das eigene Kind keinerlei schulische Probleme aufweist? Was bewegt einen selbständigen Schornsteinfeger dazu, als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr seines Wohnortes in einer Notfallsituation für seine Mitbürger Tag und Nacht bereit zu stehen?

Unterschiedliche Beweggründe - gemeinsames Ziel

Was bewegt jemanden dazu, aktiv zu werden und freiwillig unentgeltliche Tätigkeiten auszuüben – aus eigener Motivation heraus sich für das Wohlergehen anderer einzusetzen? Dafür mag es viele Gründe geben. Wer sich prosozial verhält, wird sicherlich auch über Persönlichkeitseigenschaften, wie beispielsweise Empathie verfügen. Vielleicht ist man aber auch einfach nur gut erzogen worden. Man möchte Selbsterfahrung sammeln, soziale oder politische Verantwortung übernehmen, sich sozial in die Gesellschaft einbinden, aber auch seine Kenntnisse erweitern und Erfahrungen sammeln. Der eine oder andere verfügt über nicht gebrauchte Fähigkeiten, kann sich über das Ehrenamt verwirklichen und persönliche Werte festigen. Es gibt eine Vielzahl von Motiven, wichtig ist, dass alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und sich für das Wohlergehen anderer einsetzen.
Beachtet man die Veränderungen in der Struktur der Bevölkerung, werden in Zukunft noch mehr ehrenamtliche Helfer jeder Art benötigt. Eine zukünftig wichtig zu fördernde Aufgabe ist, neue Potenziale zu entdecken und zu fördern, denn ohne ehrenamtliches Engagement würde es viele Institution so nicht geben.

Engagement ohne Grenzen

Dass Grenzen dabei kein Hindernis darstellen, beweist die ehemalige Internistin Dr. Romana Drabik. Bereits seit 40 Jahren widmet sie ihr Leben der Leprahilfe und kämpft ehrenamtlich unermüdlich für die Kranken: 1976 traf sie während eines Urlaubs in Kenia auf eine Gruppe Menschen, die an Lepra erkrankt waren. Ein einschneidendes Erlebnis, welches ihr Leben von Grund auf änderte. Schockiert vom Umgang der Gesellschaft und den Behörden mit jenen Menschen, ließ sie das starke Bedürfnis zu helfen bis heute nicht los. Interessiert daran, wie die Krankheit auf der Welt verteilt war und wo am meisten Hilfe benötigt wurde, nahm sie damals Kontakt zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf, um sich einen Überblick über das Vorkommen dieser schrecklichen, aber dennoch heilbaren Krankheit zu machen. Die Ärztin begann, Spenden zu sammeln, startete Aktionen, beispielsweise den jährlichen Lepramarsch, deren Einnahmen ausschließlich zur Bekämpfung der Krankheit dienen und gründete die Lepra-Tuberkulosehilfe Dinslaken. Seit vier Jahrzehnten bereist die Dinslakenerin systematisch Länder, in denen die Krankheit vorherrscht - oftmals unter Einsatz ihres eigenen Lebens: Afrika, Indien, Kaschmir, Russland, das Baltikum, die postsowjetischen Staaten in Zentralasien, China und weitere Länder im südostasiatischen Raum. Immer mit dem Ziel der Prävention, Diagnostik und Therapie. Sie schult Ärzte und Krankenschwestern, hält Vorträge und intensiven Austausch von Informationen über die jeweiligen Kontaktpersonen in allen betroffenen Ländern.
Durch die Arbeit der Organisation sind die Länder der ehemaligen Sowjetunion mittlerweile in der Lage, sich selbst zu versorgen, stehen aber ständig in Kontakt mit der 81-Jährigen Medizinerin. Aktuell liegen die Schwerpunkte ihrer Arbeit in Bombay (Indien), dem Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Taschikistan und ab 2018 in der Zentral Afrikanischen Republik.
Hunderttausende konnten durch dieses Engagement geheilt werden. Finanziert ausschließlich durch Spenden der Dinslakener Bevölkerung, die durch ihren Beitrag diese Hilfe erst ermöglicht. Seit 1980 organisiert Dr. Romana Drabik jährlich Lepramärsche, bei denen sie Spenden für aktuelle Projekte sammelt. Am Samstag, 30. September, findet der 37. Lepramarsch in Dinslaken statt. Die Einnahmen kommen den aktuellen Projekten in Bombay zu Gute, der Stadt mit der höchsten Zahl an Neuendeckungen Leprakranker. Sternförmig wird von sieben verschiedenen Gemeindezentren mit Transparenten in die Dinslakener Innenstadt marschiert. Der gemeinsame Treffpunkt wird dann, gegen 12 Uhr, St. Vincentus sein. Nach der Begrüßung wird der Marsch durch die Neustraße zur Neutor Galerie und zurück fortgeführt. Im Anschluss gibt es Eis für alle Beteiligten und Informationen zur aktuellen Situation der Lepraprojekte.

Der Lepramarsch in Dinslaken startet am 30. September an sieben Startpunkten
: 1. Ev. Gemeindehaus, Duisburger Straße 72, 11.30 Uhr; 2. Karl-Leisner Haus, Karl-Leisner-Straße, 11.30 Uhr; 3. St. Jakobus Kirche, Theresienstraße 6, 11 Uhr; 4. Heilig Blut Kindergarten, Matthias-Claudius-Straße 12, 11.30 Uhr; 5. St. Johannes Kirche, Kerkmannstraße 14, 11 Uhr; 6. Herz Jesu Kirche, Kirchstraße 278, 10 Uhr; 7. Hl. Geist Kirche, Riemenschneiderstraße 15, 11 Uhr. www.lepra-tuberkulose.de

Alle Fotos; privat
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