Waltroper Volkshochschule feiert 70. Geburtstag

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Andreas Guderian, Bürgermeisterin Nicole Moenikes und VHS-Leiter Clemens Schmale präsentieren stolz das neue Plakat anlässlich des 70. Geburtstages der Waltroper Volkshochschule. (Foto: Petra Pospiech)
 
Das einzig erhaltene Schriftstück der Waltroper Volkshochschule aus dem Jahr 1947: eine Einladung zur Eröffnungsfeier. Heute zählt die VHS mit 170 Dozenten und 6500 Teilnehmern zu den großen Einrichtungen in NRW. (Foto: Petra Pospiech)

"Echt? Schon 70?" Diese Zeilen prangen auf dem neuesten Plakat der Volkshochschule Waltrop.

Ja, stimmt! Die VHS gibt es schon seit 70 Jahren in Waltrop. Gertrud Mertenskötter, die strahlende Dame auf dem Plakat, zählt sogar schon 96 Lenze. Sie ist die älteste VHS-Teilnehmerin und immer noch aktiv in der Senioren-Schreibwerkstatt dabei.
Gertrud Mertenskötter erinnert sich sogar noch an die VHS-Eröffnungsfeier im Jahr 1947: „Wenn ich mich recht entsinne, habe ich damals mit meinen Freundinnen Carola Burbaum und Toni Middelhof an der Eröffnungsfeier bei Linkholt, das ist heute Burbaum, teilgenommen.“

Literatur, Rechnen, Nähen und Flicken

Damals hieß es auf dem ersten VHS-Plakat: „Die Volkshochschule Waltrop beginnt ihre Arbeit mit dem 1. Trimester 1947, vom 1. Januar bis 29. März 1947, am Sonntag 29.12.1946, 11.00 Uhr im kleinen Saal b. Linkholt mit einer Eröffnungsfeier. Der Lehrplan sieht Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Deutsch, Literatur, Rechnen, Nähen u. Flicken und eine Reihe von Einzelvorträgen vor. Einschreibegebühr 1,- RM.“
"Es ist das einzige Schriftstück, das wir noch aus den Anfangszeiten der VHS haben“, berichtet Clemens Schmale, heutiger Leiter der Volkshochschule. Kein Wunder, wenn man bedenkt, in welcher Zeit die VHS gegründet wurde. Damals, 1947, gehörte Waltrop noch zur englischen Besatzungszone. Die Allierten, in NRW die Engländer, waren es auch, die Druck auf die Landesregierung ausübten, eine Volkshochschule zu gründen. Ziel war eine Art Umerziehung zur Demokratie.
Über die englische Besatzungszeit erzählt Gertrud Mertenskötter, geborene Kranefoer: „1947 war unser Hof total ausgebombt, mein ältester Bruder, der Hoferbe, galt als vermisst. Als junge Frau musste ich mich um den Wiederaufbau des Hofes kümmern. So stand ich mit 26 Jahren da, mit einem alten Vater, einem blinden Bruder und einer herzkranken Schwester und musste mich nicht nur mit den Waltroper Behörden, dem Architekten und den Bauarbeitern, sondern auch mit den englischen Besatzern auseinandersetzen.“
Kaum lag die Baugenehmigung aus dem Rathaus vor, begann sie mit dem Wiederaufbau, auch wenn die englische Zustimmung noch fehlte. „Wir mussten doch ein Dach über dem Kopf haben“, schmunzelt die alte Dame. Sie kam gut zurecht mit den Engländern, mutig stellte sie sich den Auseinandersetzungen in ihrem holprigen Englisch.
„Damals hätte ich gern den Englischkurs der VHS besucht“, erzählt die fast 97-Jährige, „denn mein Traum war es, nach Afrika zu gehen, um dort Entwicklungsarbeit zu leisten. Doch daraus wurde nichts, ich musste mich ja um den Hof und meine Angehörigen kümmern.“
Zehn Jahre später kam ihr Verlobter aus dem Krieg zurück. Sie heiratete und bekam sieben Kinder. Erst als alle „aus dem Gröbsten heraus waren“, hatte Gertrud Mertenskötter Zeit, sich ihren Hobbys und Vorlieben zu widmen und VHS-Kurse zu besuchen.

Von der ersten Stunde an dabei

„Schon vor 24 Jahren habe ich an der Gründungsveranstaltung der VHS- Schreibwerkstatt in der ehemaligen Waltroper Knabenschule, dem heutigen Hirschkamp-Senioren-Zentrum, teilgenommen und im ersten Schreibwerkstatt-Heft von 1993 lautete mein Beitrag 'Kommunikation zwischen den Generation'."
Wenn es ihre Gesundheit erlaubt, nimmt Gertrud Mertenskötter noch heute regelmäßig an VHS-Schreibwerkstatt teil. Die 96-Jährige sagt: „Heute wie vor 70 Jahren, gehört die Volkshochschule einfach zu meinem Leben dazu.“
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