Bauer Bittner warnt Nachbarn über eine WhatsApp-Güllegruppe

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Achtung, Landluft!
 
Bauer Michael Bittner mit den "Gülleproduzenten". Dank des Austausches mit der Nachbarschaft gibt's hier keine dicke Luft. Foto: Petra Pospiech (Foto: Petra Pospiech)

Eine "Stinkewarnung" über WhatsApp, die gibt es wohl so nur in Waltrop. Wer möchte schon, dass frisch ausgebrachte „Landluft“ die Grillparty am Wochenende oder die gerade aufgehängte Wäsche mit Gülleduft umweht. Bauer Michael Bittner hat dafür vollstes Verständnis und informiert umliegende Nachbarn übers Smartphone rechtzeitig über die bevorstehende Düngung seiner angrenzenden Felder.



Zwei- bis drei Mal im Jahr ordert der Waltroper Landwirt bei seinem Cousin Thomas Grieger den riesigen Trecker samt 19 Kubikmeter fassenden Güllefass. Damit bringt er die „Hinterlassenschaften“ seiner 65 Kühe auf seine Grünlandflächen. Gülle ist ein erstklassiger organischer Dünger. Ein 15 Meter breites spezielles Schleppschutzgestänge sorgt dafür, dass der Dünger mit geringen Stickstoffverlusten und Gerüche minimierend aufgebracht wird und so dafür sorgt, das Bauer Bittner ausreichend eigenes Futter für seine Milchkühe einfahren kann.
Also eine gute Sache, wäre da nicht dieser unangenehme Geruch. Schon seit einigen Jahren warnt Michael Bittner seine Nachbarn, bevor er die Gülle ausbringt, damit sie Fenster schließen und die Wäsche von der Leine nehmen können. Doch wie ist er auf die Idee mit der WhatsApp-Güllegruppe gekommen? Er sagt: „Einige meiner Berufskollegen verteilen Flyer. Das ist mir zu aufwendig. Da ja mittlerweile fast jeder über ein Smartphone verfügt, habe ich mir sozusagen am Wegesrand die Telefonnummern besorgt.“ Rund 25 Haushalte werden jetzt so rechtzeitig informiert.

Besseres Verständnis für die Landwirtschaft


Auslöser für diese Idee war eine Bekannte Michael Bittners, die in unmittelbarer Nähe zu einer seiner Grünlandflächen ihr Kosmetikstudio betreibt. „Als sie mir berichtete, dass sich ihre Kundinnen über die frische Landluft während der Behandlung beschweren, habe ich beschlossen, für mehr Transparenz zu sorgen“, erzählt der 44-Jährige, der 1993 den Hof seines Vaters übernahm. „Natürlich riecht es immer noch mehrmals im Jahr, aber die Leute kennen mich. Sie fühlen sich ernst- und mitgenommen und können entsprechende Vorkehrungen treffen.“
Und das hat viel bewirkt. Die kurze WhatsApp-Info hat dazu geführt, aus einem anonymen Nebeneinander ein respektvolles und partnerschaftliches Miteinander zu schaffen. Mittlerweile sendet Bauer Bittner auch eine kurze Nachricht zu Beginn der Siloernte und bittet um Verständnis, wenn abends spät noch die Silowagen über die Straßen rollen. „Manchmal melde ich mich auch zu allgemeinen Themen, zum Beispiel welchen Einfluss das aktuelle Wetter auf die Getreideernte hat. Dadurch bekommen die Nachbarn ein besseres Verständnis für die Landwirtschaft.“
Darüber hinaus hat sich inzwischen ein richtiger Dialog mit den Nachbarn entwickelt. Einige suchen Rat bei der Gartenpflege oder fragen an, ob der Sohnemann mal Traktor fahren kann. Der zweifache Vater erzählt: „Mittlerweile kommen zwei Jugendliche regelmäßig in ihrer Freizeit zu uns auf den Hof und helfen ein wenig mit.“

Nachbarn wünschen eine gute Ernte


Michael Bittner freut sich über diese positiven Reaktionen, mit denen er in dieser Form gar nicht gerechnet hat. Sie bestärkten ihn in seinem Motto: „Miteinander statt gegeneinander.“
Mit seiner WhatsApp-Güllegruppe ist er auf seine Nachbarn zugegangen. Sie ärgern sich jetzt nicht mehr über den Güllewagen, sondern wünschen ihm mit gehobenen Daumen eine gute Ernte.
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