Entertainer mit 86: Recklinghäuser unterhält Senioren in Altenheimen

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Mit viel Spaß und Freude begeistert der 86-Jährige seine Zuhörer. Foto: Petra Pospiech
 
Rudolf Bernemann spielt Keyboard, singt und erzählt aus den guten alten Zeiten. Foto: Petra Pospiech

Seine Augen strahlen, wie die eines jungen Mannes. Doch ganz so jung ist Rudolf Bernemann mit seinen 86 Jahren nicht. Auch sein Publikum, das er seit 20 Jahren in Recklinghäuser Altenheimen ehrenamtlich unterhält, zählt nicht mehr zu den Jüngsten und doch zaubert der Entertainer allen mit seiner Musik und seinen Geschichten ein jugendliches Lächeln ins Gesicht.

Wer ihn nicht kennt und nur von seinem Alter hört, könnte denken, Rudolf Bernemann gehört selbst zu den Bewohnern eines Seniorenheimes. Weit gefehlt. Der Recklinghäuser lebt zusammen mit seiner Frau gesund, munter und topfit im eigenen Zuhause. Von dort aus startet er regelmäßig mit seinem Auto jeweils einmal im Monat zu drei verschiedenen Altenheimen in Recklinghausen. Bevor er sich ans Steuer setzt, wird der Wagen erst einmal vollgepackt mit seinem Keyboard, zwei Lautsprecherboxen und allerlei Gebrauchsgegenständen aus der Vergangenheit. „Das alles brauche ich, um die Senioren gut zu unterhalten“, erklärt der ehemalige Verlagskaufmann fröhlich.
Angekommen, zum Beispiel im AWO-Altenheim an der Wildermannstraße, wird erst einmal aufgebaut. Um 17 Uhr geht’s los. Viele der Senioren im Saal sind schon sehr alt und gebrechlich. Einige scheinen etwas abwesend, befinden sich in ihrer eigenen Welt. Doch sobald Rudolf Bernemann sie begrüßt und das erste Lied auf seinem Keyboard spielt, horchen sie auf. Die Rüstigen unter ihnen stimmen sofort ein, wenn er singt: „Wir verkaufen unser Oma ihr klein Häuschen“ und bei dem altbekannten Schlager „Oh, Susanne“ trällern auch viele andere mit.

Lockenschere und Zinkbadewanne

Heute hat der 86-jährige vierfache Vater ganz besondere Dinge aus der Vergangenheit mitgebracht. „Schauen Sie mal, ich habe hier eine alte Lockenschere dabei, die wurde früher ins Herdfeuer gehalten und bevor man sie benutzen konnte, hat man sie an eine Zeitung gehalten. Wenn die verkohlte, war die Brennschere noch zu heiß.“ „Oh, ja“, ruft eine alte Dame, „damit habe ich mich oft verbrannt!“ und einige andere Seniorinnen fangen in Erinnerung daran an zu kichern.
Als nächstes hat Rudolf Bernemann eine kleine Zinkbadewanne mitgebracht. Bei diesem Anblick wissen alle: am Samstag war früher Badetag für die ganze Familie. Auf die Frage „Wer kam zuerst in die Wanne, die Jungen oder die Mädchen?“, erinnert sich ein alter Herr schmunzelnd: „Immer unsere Schwestern, die waren sauberer als wir Bengel“.
Auch als der 86-Jährige eine alte Ausgabe des "Struwelpeters" hervorholt, werden Erinnerungen wach. Einige Heimbewohner können daraus sogar auswendig zitieren. Nach und nach kommt immer mehr Leben in die Runde. „Das ist der Grund, warum ich meine Besuche hier so liebe“, sagt Rudolf Bernemann. „Mit meinen Liedern und Gedichten gebe ich den Menschen ihre Erinnerung und ihre Freude zurück.“
Und jede Menge Freude empfindet auch Reporterin Petra Pospiech, als er sie mit strahlenden Augen am Keyboard spielend verabschiedet. Bei „Muss i denn, muss i denn, zum Städtele hinaus“ winken ihr alle, wirklich alle Seniorinnen und Senioren mit erhobenen Armen hinterher.
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