"Wir haben alles hingekriegt"

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Elke Schleich, Autorin aus Herten-Westerholt, liest heute im Literatur-Café in Datteln. Foto: Petra Pospiech

"Schreib doch mal auf, was du früher so alles erlebt hast!" Wie viele Generationen von Kindern und Enkeln mögen diese Bitte schon ihren Müttern und Großmüttern vorgebracht haben? Elke Schleich, Autorin aus Herten-Westerholt, hat es andersherum gemacht. Sie hat aus den Erzählungen ihrer mittlerweile 94-jährigen Mutter selbst einen Roman verfasst und liest daraus heute, Mittwoch, 19. April, um 17 Uhr im Literaturcafé Datteln vor.

Während ihrer Lesung trägt Elke Schleich Ausschnitte der liebevoll erzählten Mutter-Tochter Geschichte unter dem Titel "Wir haben alles hingekriegt - Die Geschichte von Gerti und Leni" vor.
Der Roman beginnt 1945 und spiegelt das Leben der jungen Gerti, die die Nachkriegszeit als Ehefrau und junge Mutter erlebt und beleuchtet die Auswirkungen dieser Erfahrungen auf ihre Tochter Leni. "Ja", sagt Elke Schleich, "die Leni, das bin eigentlich ich."
Bereits seit ihrer Kindheit schreibt die heute 64-Jährige Geschichten. "Schon bevor ich zur Schule kam, konnte ich schreiben und lesen und habe mir Tiergeschichten ausgedacht und aufgeschrieben." Ihre eigentliche schriftstellerische Tätigkeit beginnt die Dekanats-Sekretärin der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen in der 1970er Jahren. 1988 erscheint ihr erster Roman "Komm zurück, Amelie". Sie ist Mitherausgeberin der Titel "Sugar Baby Love" (2006) und "Yeahsterday" (2007). 2014 erscheint ihre E-Book-Serie "Ein Lied für dich".

1953 in Gelsenkirchen geboren, lebt sie mit Ehemann und Katze am grünen Rand des Ruhrgebiets. Hier entstehen auch ihre Ruhrpott-Geschichten, wie "Gummitwist in Schalke" aus dem Jahr 2012. Denn wie ihre Mutter Gerti, ist auch Elke Schleich alias Leni aus dem Roman "Wir haben alles hingekriegt" ein echtes Ruhrgebiets-Pflänzchen.
"Oft erzählte meine Mutter, wie sie nach Kriegsende 350 Kilometer zu Fuß von Lehrte in Niedersachsen in ihre Heimat Gelsenkirchen gelaufen ist", berichtet die Autorin. In Lehrte arbeite sie während des Krieges beim Militär "bei der Flag" und las die Briefe ihrer Mutter, in denen es hieß: "Papa muss nicht mehr an die Front, wegen dem appen Arm." Ihr Bruder Hans galt als vermisst. Nach Kriegsende baute sie sich gemeinsam mit Ehemann Heinz eine neue Zukunft auf, oft mehr schlecht als recht.
"Wir haben alles hingekriegt", so erzählt die 94-Jährige noch heute ihrer Tochter. Doch oft hörte sie ihre Mutter seufzen: "Der Krieg hat mir einen Teil meiner Jugend genommen. Ich liebe meine Kinder und auch meinen Heinz - irgendwie."
Wer mehr erfahren möchte, kann dies bei der heutigen Lesung in Literatur-Café in der Buchhandlung Bücherwurm, Castroper Straße 33, in Datteln. Der Eintritt ist frei; um eine Spende wird gebeten.
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