Geschichte auf Crange

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Herzliche Willkommen sagt mir das einladend geöffnete Tor.
 
Alte Gedenktafel
Herne: Cranger Kirche | Crange kann so spannend sein, sogar dann, wenn die Cranger Kirmes nicht auf dem berühmten Festplatz gastiert.
Von Herne Süd aus trete ich in die Pedale. Mein Ziel ist Wanne-Eickel, meine geliebte Heimatstadt. Im Freundeskreis werde ich für meine Liebe zu Wanne belächelt, nicht zuletzt deshalb, weil Wanne-Eickel nicht mehr das ist, was es einmal war. Zugegeben, als Kind, das in der Fußgängerzone aufgewachsen ist, kannte ich damals jedes Geschäft und jeder Ladeninhaber kannte mich.
Heute gehe ich durch die Stadt, treffe hier und da alte Bekannte, erinnere mich gerne an die vielen Läden, die es damals gab und suche sie vergebens.
Trotzdem hängt mein Herz an dieser für mich noch immer schönen Stadt und manchmal macht mich das sogar sentimental, besonders dann, wenn ich bei Dilchert stehe, ein Mettbrötchen vertilge und meine Blicke schweifen lasse.
Heute habe ich mir allerdings einen anderen Ort für Erkundungen ausgesucht. Da ich ein "Kanalkind" bin, zieht es mich erneut dorthin. Heute aber möchte ich Crange erkunden.
Mein Rad trägt mich mit viel Rückenwind praktisch ohne mein Dazutun an mein Ziel.

Cranger Kirche

Auf dem Kirmesgelände angekommen, nehme ich den kleinen Friedhof und die dazugehörige Kirche in Augenschein und betrete den heiligen Ort durch das schmiedeeiserne Tor. Die Kirche hat etwas Niedliches und wenn man bedenkt, dass sie 1449 eröffnet wurde, am 10. August des Laurentiustages, staunt man ehrfurchtsvoll. Von nun an wurde jährlich ein Fest zum Laurentiustag gefeiert, mit einem Pferdemarkt, aus dem die heutige Cranger Kirmes hervorgeht.
Leider ist die Kirche geschlossen, ich werde sie heute nicht von innen besichtigen können.
Dafür hat es mir der anliegenede Friedhof angetan. Geistliche, die hier predigten, sogar der erste Pfarrer, sind direkt neben der Kirche begraben.
Mich fasziniert es, so alte und immer noch liebevoll gepflegte Gräber neben Grabsteinen aus der modernen Bestattungskultur zu sehen.
Ich lasse meine Blicke schweifen, kleine Rondells mit liebevoll bepflanzten Gräbern geben diesem Friedhof eine besondere Note.
Auf einem Grabstein, der Namen einiger Verstorbenen trägt, die hier in Urnengräbern ihre letzte Ruhe gefunden haben, entdecke ich einen kleinen Holzengel neben einem Grablicht. In Kinderschrift ist eine liebevolle Botschaft für den verstorbenen Vater auf diesem Holzengel hinterlassen. Der Anblick rührt mich und ich frage mich, ob es dem Vater gelungen ist, von dort, wo er nun ist, ebenfalls eine Botschaft zu senden, die sein geliebtes Kind erreicht, denn ich bin mir sicher, dass er es versucht hat.
Das Faszinierende an diesem alten Friedhof ist, dass er mir nicht eckig erscheint, sondern rund, als gäbe es keinen Anfang und kein Ende, als wären das Leben, der Tod, alles Irdische und Überirdische ein ewiger Kreislauf.

Haus Crange

Keine 100 Meter weiter stehen die Ruinen des ehemaligen Haus Crange, das 1440 fertiggestellt wurde. Ich möchte hier nicht so sehr in die Geschichte eingehen, da man diese sehr gut auf dem Rundweg um Haus Crange erforschen kann.
Haus Crange selbst ist eine Wasserburg, den ehemaligen Wassergraben kann man noch immer erahnen. Überhaupt benötige ich nicht viel Fantasie, um mir aus den Ruinen eine Burg zu denken.
Im Sommer und frühen Herbst erblüht auf dem Burggelände ein herrlicher Wildkräutergarten, Kirschen, Äpfel und Birnen wachsen an Bäumchen. Ein herrlicher Platz für Mensch, Vogel, Biene und Krabbelgetier.
Heute spielen meine Kinder mit ihrem Vater auf den Ruinen fangen, springen von Mauern und lassen sich ins Gras fallen.
Ich kannte die ehemalige Burg noch aus Kindertagen, mutige Freunde trauten sich über die einsturzgefährdete Treppe des Hauses bis in das erste Stockwerk. Für einen Augenblick werde ich wehmütig, dann höre ich meine Kinder lachen und sehe, wie sie jauchzend mit ihrem Vater von den höchsten Mauern springen und entschließe mich, diese Ruine als einen tollen Ort anzuerkennen, an dem man toben, lachen, spielen, picknicken und von den leckeren Obstbäumen sowie Kräutern naschen kann. Meine Kinder werden an diesen Ort sehr schöne Erinnerungen haben, andere als ich, vielleicht sogar Schönere.
Ein herrlicher Tag neigt sich dem Ende. Erschöpft und glücklich treten wir den Heimweg an. Diesmal geht es bergauf, in Richtung Herne. Der Rückweg ist anstrengender, mich beschleicht das Gefühl, dass Wanne-Eickel mich nicht los lassen will. Vielleicht sollte ich zurück ziehen wenn die Kinder groß sind, zurück an meinen geliebten Kanal und seine herrliche Umgebung.

Fazit

Als Ausflugsziel für ein nettes Picknick möchte ich das ehemalige Haus Crange empfehlen, für Jung und Alt.
Ein Picknick-Korb ist schnell gepackt, der Geldbeutel bleibt verschont und die Kinder haben ebenso ihren Spaß an der alten Ruine wie der ältere Mensch, der die Natur und die Geschichte um diesen Ort mag.
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13 Kommentare
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 05.10.2016 | 18:21  
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Nadine Kolp aus Herne | 05.10.2016 | 18:34  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 05.10.2016 | 18:41  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 05.10.2016 | 18:42  
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Nadine Kolp aus Herne | 05.10.2016 | 18:49  
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Bernfried Obst aus Herne | 06.10.2016 | 23:02  
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Nadine Kolp aus Herne | 07.10.2016 | 06:41  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.10.2016 | 22:01  
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 11.10.2016 | 23:26  
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Nadine Kolp aus Herne | 12.10.2016 | 08:41  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 12.10.2016 | 11:34  
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Nadine Kolp aus Herne | 12.10.2016 | 11:45  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 12.10.2016 | 11:51  
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