Friedenskirche: Eine Reise in die Luther-Zeit

Anzeige
Claudia Altenkirch, Pfarrer Uwe Gerstenkorn, Gabriele Schmelzer, Dieter Gens (Forum Friedenskirche) und Brigitte Stratmann (v.l.) laden an der Kirchtür zur Ausstellungseröffnung ein. Foto: cd
Bochum: Friedenskirche | Die neue "ekiwa" eröffnete ihre „Here I Stand”-Ausstellung in der Friedenskirche:

Alle haben wir das Bild vom Mönch mit Kutte und Tonsur im Kopf, wie er schwungvoll mit dem Hammer sein Katholiken-kritisches 95-Thesen-Papier an die Kirchentür zu Wittenberg nagelt. Und damit die Reformation auslöst. Seine deutsche Bibelübersetzung verbreitete der passend frisch erfundene Buchdruck. Für Pfarrer Uwe Gerstenkorn von der frisch zu Pfingsten fusionierten evangelischen Gesamt-Gemeinde Wattenscheid gäbe es beide Kirchen ohne dies "Entrümpeln" heute so nicht mehr, wurde „die Religion vom Müll überkommener Rituale und Institutionen befreit.“ Und das soll tatsächlich schon 500 Jahre her sein?

Ein Jubiläum mit welthistorischer Bedeutung

Zum Jubiläum mit welthistorischer Bedeutung hat sich das Forum Friedenskirche Wattenscheid eine ganz besondere Ausstellung fürs Revier sichern können. Unterstützt vom Auswärtigen Amt, der Stiftung Luther-Gedenkstätten und weiteren Museen wurde sie als große internationale Präsentation auch schon in den USA, von New York über Minneapolis bis Atlanta - und nun im Zentrum des Ruhrgebietes - jeweils örtlich angepasst sehr erfolgreich vorgestellt. Daher kommt auch der internationale Titel „Here I Stand“. ("Hier stehe ich“ .. und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!"). Luther mag das so wohl nie gesagt haben, aber auch die Stadtspiegel-Schreiber seiner Zeit mussten es griffig auf den Punkt bringen, als Luther vor dem Reichstag in Worms den Widerruf seiner Schriften verweigerte und in den Bann gestellt wurde.

Auch die Ausstellungs-Variante für die Friedenskirche spiegelt die bis ins Jahr 1566 reichende Reformationsgeschichte Wattenscheids wider: Auf 30 postergroßen Bildtafeln kann man die spannende Zeit-Reise ins komplizierte Deutschland Martin Luthers verfolgen. Und eintauchen in die großen konfliktreichen Umbrüche, die auch unser aller heutiges Leben entscheidend prägten. Luthers Lebenswege, seine Weggefährten, die Heirat mit der entflohenen Nonne Katharina von Bora, der katholische Kaiser und "seine" Bischöfe, aber auch die Förderer Luthers und sein großer schwarzer Doktor-Kittel finden sich hier.

Die Wattenscheider nahmen sich die Freiheit


In der „Freiheit Wattenscheid“ haben sich unsere Bürger nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 noch vor 1569 „die Freiheit genommen“ und sich dem reformierten Glauben Luthers zugewandt. Damals nicht ungefährlich, da ihre Landesherren, die Herzöge von Kleve und Mark, keinerlei "Neuerungen in Kirchenfragen" duldeten: Die ersten lutherischen Gottesdienste sind trotzdem schon ab 1587 in den Privat-Wohnungen des Bürgermeisters Herman Honscheidt nachweisbar. So steht´s in der örtlichen Jubiläums-Schrift zur Geschichte der Evangelischen Gemeinde, von Ehrhard Salewski 2014 veröffentlicht.

Die heutige als "ekiwa" vereinte Ev. Großgemeinde WAT hat das 500. Reformations-Jahr klug dazu genutzt, sich neu aufzustellen: Acht Pfarrer und Pfarrerinnen mit sechs nebenberuflichen Kirchenmusikern betreuen seit Pfingsten 2017 die immerhin 18.000 Gläubigen in den sechs Wattenscheider Kirchen. Entwickeln mit engagierten Ehrenamtlichen ihre Gottesdienste und Gemeindearbeit weiter. Und suchen erfolgreich neue Wege, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen, so auch diesen:

Die sehenswerte und gutbesuchte Luther-Ausstellung in der Friedenskirche an der Hochstraße wurde am Sonntag, 23. Juli mit einem der dort monatlichen 18- Uhr-Abendgottesdienste von Pfarrer Dr. Uwe Gerstenkorn eröffnet, begleitet von Detlev Bahr mit originalen Kompositionen aus der Feder des Reformators selbst. Zahlreiche Besucher nutzen, frei nach Luther, die Möglichkeit ihre eigenen Gedanken und Thesen an eine dafür bereitgestellte Kirchentür zu schlagen. Und wie es sich für eine echte Vernissage einer immerhin internationalen Ausstellung im Zentrum des Reviers gehört, wurden im Anschluss ein Imbiss und Getränke gereicht.

Auf einen Blick:

Die Ausstellung "Here I am" ist ab August bis zum Reformationstag am 31. Oktober immer dienstags, freitags und samstags von 10 bis 12 Uhr in der Friedenskirche an der Hochstraße in Bochum-Wattenscheid zu sehen. Der Eintritt ist frei.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.