Komik und Trauer vereint

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Zum Tod des Schauspielers Helmuth Lohner


Nach 2050 Bühnenauftritten allein im Wiener Theater in der Josefstadt wurde Helmuth Lohner 2004 in Anwesenheit des österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil und vielen Schauspielerkollegen die Ehrenmitgliedschaft des Hauses verliehen, das er von 1997 bis 2003 als Intendant geleitet hatte und dem er bis 2006 noch offiziell als künstlerischer Berater verbunden war.
Helmuth Lohner, der am 24. April 1933 im Wiener Arbeitervorort Ottakring als Sohn eines Schlossers geboren wurde, spielte an allen großen Bühnen - von der Wiener Burg über die Salzburger Festspiele bis hin nach Zürich, Berlin, München, Düsseldorf und Hamburg. Überall wurde Lohner, der auch selbst oft Regie führte, wegen seiner Akribie bei der Arbeit geschätzt. Die Kollegin Christiane Hörbiger rühmte ihn darüber hinaus als den "wichtigsten und tiefanständigsten Bühnenkameraden, den ich je hatte."
Vor allem in den typisch Wiener Theaterstücken von Nestroy, Ödön von Horváth und Schnitzler wusste der gelernte Chemielaborant als Darsteller der zerrissenen Charaktere zu gefallen. Schon 1967 befand der renommierte Kritiker Friedrich Torberg, dass sich "die Darsteller der zwielichtigen Horváth-Helden in Zukunft an Helmuth Lohner messen lassen müssen."
Darüber hinaus spielte er den Hamlet ebenso wie Mephisto, den Prinz von Homburg und Arthur Millers "Handlungsreisenden" Willy Loman. Im Alter von fast 70 Jahren wagte er sich gemeinsam mit Horst Michael Rehberg in "Der Schein trügt" sogar an Thomas Bernhard heran.
Im Film verkörperte er in den 50er Jahren zunächst häufig Figuren, in denen sich Burschikosität und Wiener Charme mischten. Sein Filmdebüt gab Lohner 1955 in dem Streifen "Hotel Adlon" von Josef von Báky. Sein schauspielerisches Talent wurde in Produktionen wie "Das Dreimäderlhaus", "Witwer mit fünf Töchtern", "Blond muß man sein auf Capri", "Pension Schöller" oder in der musicalähnlichen Schnulze "Das Wirtshaus im Spessart" kaum gefordert. Es folgten aber auch weitaus anspruchsvollere Filmrollen - so in Wolfgang Liebeneiners "Das letzte Kapitel" (gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Karin Baal), "Geschichten aus dem Wienerwald", "Radetzkymarsch" und als deutscher Soldat Willi, der sich im Kriegsfilm "Hannibal Brooks" (1968) für einen entflohenen englischen Kriegsgefangenen aufopfert.
"Bitte, das ist ja kein Begräbnis", flehte Helmuth Lohner fast, als 2004 nach der letzten "Menschenfeind"-Inszenierung von Günter Krämer im Josefstadt-Theater zu seinen Ehren ein Sessel und ein Klavier auf die Bühne getragen wurden. Das Klavier auf der Bühne durfte man durchaus auch als Symbol für Lohners zweite große Passion interpretieren - die klassische Musik. "Mozart, Beethoven und Shakespeare sind für mich wirkliche Gottesgaben", bekannte der außerhalb der Bühne angenehm zurückhaltende Schauspieler in einem Interview mit der "Wiener Zeitung". Äußerst treffend charakterisierte der österreichische Dramatiker Peter Turrini den Jubilar: "Er hat in den traurigsten Rollen eine große Komik und war in den komischen Rollen immer ein Trauriger."
Helmuth Lohner hätte im Dezember in der Regie von Herbert Föttinger und in einer Turrini-Fassung den "Anatol" an der Josefstadt spielen sollen. Seine letzte Inszenierung war "Schon wieder Sonntag" mit Otto Schenk in den Kammerspielen der Josefstadt. Außerhalb des Theaters bevorzugte er die leisen Töne, jeglicher Medienrummel war ihm suspekt, er wirkte angenehm zurückhaltend und leicht introvertiert: "Ich bin immer ein Zweifler gewesen. Am meisten zweifle ich an mir selbst." In der Nacht zum Dienstag ist Helmuth Lohner im Alter von 82 Jahren gestorben.
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