Meisterin des Psycho-Krimis

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Zum 20. Todestag von Patricia Highsmith (4. Februar) erscheint opulente Biografie


Keine andere Krimi-Autorin der Welt hat es zu solch großem literarischen Ansehen gebracht wie Patricia Highsmith. Ihre psychologisch fein gesponnenen Geschichten, in denen nicht selten der Täter als Identifikationsfigur fungierte, haben weltweit eine gewaltige Leserschaft gefunden.

Patricia Highsmith, die am 19. Januar 1921 im texanischen Fort Worth geboren wurde, verlebte eine unglückliche Kindheit. Ihr Vater hatte sich vor ihrer Geburt von der Familie getrennt, die von ihr verhasste Mutter ging mit ihr nach New York und heiratete Stanley Highsmith. „Dieses laute, vom Ehestreit verseuchte Leben hat mich endgültig traumatisiert“, notierte die Autorin 1985 in ihrem autobiographischen Werkstattbericht „Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt“.
Erst nach ihrem Literaturstudium und Gelegenheitsjobs als Comic-Autorin erfuhr die damals knapp 30-jährige ihre wahre Identität: dass ihr wirklicher Name Mary Patricia Plangman war. Unter dem Namen Highsmith hatte sie jedoch bereits Manuskripte verschickt, und ihr erster Roman „Zwei Fremde im Zug“ (1950) war von Alfred Hitchcock nach einem Drehbuch von Raymond Chandler unter dem Titel „Verschwörung im Nachtexpress“ verfilmt worden.
Trotz dieses Achtungserfolges dauerte es noch vier Jahre, ehe sich ein Verlag für ihren zweiten Roman „Der Stümper“ fand. Der Erstling „Zwei Fremde im Zug“ war zwar literarisch wenig anspruchsvoll, aber doch richtungsweisend für die späteren Arbeiten. Zwei Fremde treffen in einem Zug aufeinander und versprechen sich gegenseitig (jeweils im Auftrag des anderen), einen Mord auszuführen. Wie in ihren späteren Romanen (insgesamt liegen mehr als zwanzig in deutscher Übersetzung im Diogenes Verlag vor) ging es Patricia Highsmith nicht um die Tat, sondern um die Beweggründe der Täter, um einen tiefen Einblick in ihre Psyche.

Motive fesseln mich
„Ich erfinde Geschichten, und mein Ziel ist es nicht, den Leser moralisch aufzurüsten, sondern ich will ihn unterhalten“, bekannte die Erfolgsautorin. So entstanden keine bluttriefenden Stories über brutale Massenmorde, sondern Alltagsgeschichten, in denen Patricia Highsmith die Entwicklung von „Gelegenheitsverbrechern“ nachzeichnete. „Deren Motive fesseln mich“, schrieb die Autorin in ihrem autobiographischen Werkstattbericht.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kriminalschriftstellern erfreute sich Patricia Highsmith in literarischen Kreisen einer sehr großen Wertschätzung. Graham Greene sah in ihr „eher eine große Dichterin, denn eine Krimiautorin“, und Peter Handke fühlte sich trotz der oftmals beklemmenden Lektüre stets „im Schutze einer großen Schriftstellerin“. Wichtige Anregungen für ihre schriftstellerischen Arbeiten fand die Autorin – so ein Selbstzeugnis – in den Schriften des deutsch-amerikanischen Psychiaters Karl A. Menninger, der sich vor allem mit Menschen mit psychischen Defekten befasste.
Die deutschsprachige Veröffentlichung ihres letzten Romans „Small g - eine Sommeridylle“ hat Patricia Highsmith nicht mehr erlebt. Ein Mord in Zürich, umwoben von einer facettenreichen Liebesgeschichte um die 18-jährige Luisa, wird darin thematisiert. Heute* vor zwanzig Jahren ist die Meisterin des psychologischen Krimis in ihrer Wahlheimat Locarno wenige Wochen nach ihrem 74. Geburtstag gestorben.
Pünktlich zum 20. Todestag ist nun die erste profunde Biografie über Patricia Highsmith erschienen. Die amerikanische Schriftstellerin und Dramatikerin Joan Schenkar widmet sich darin nicht nur dem opulenten und bisweilen leicht rätselhaften Oeuvre, sondern ihr geht es vor allem um die permanente Wechselwirkung zwischen Highsmiths Vita und deren Werk.


Lesetipp:
Joan Schenkar: Die talentierte Miss Highsmith. Aus dem Englischen von Renate Orth-Guttmann und Karin Betz und Anna-Nina Kroll. Diogenes Verlag, Zürich 2015, 1072 Seiten, 29,90 Euro
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