Mystische Orte - Fotoausstellung im Kunst- und Galeriehaus

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Gruppenbild (Aussteller und Ausstellungsteam)
 
Michael Leuschner - Luftschutzbunker Oberhausen
 
Joachim Kappert - Beelitzer Heilstätten
Bochum: Kunst- und Galeriehaus | Seit 2001 bietet das Kunst- und Galeriehaus in Bochum ein professionelles Forum zur Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Neben zahlreichen Einzelausstellungen renommierter lokaler Künstlerinnen und Künstler bieten die thematischen Gruppenausstellungen eine willkommene Möglichkeit, junge Kunst der Öffentlichkeit vorzustellen. Die 83. Ausstellung, ausgerichtet vom Bund internationaler Künstler (BiK) und dem Kunstkreis Wattenscheid e.V., widmet sich der Fotografie.

Dunkel, geheimnisvoll, rätselhaft, unheimlich – das sind einige Adjektive, an die wir spontan denken, wenn von mystischen Orten die Rede ist. Unsere unmittelbaren Bildvorstellungen reichen dabei von Naturphänomenen und menschenleeren Landschaften über unbehauste Schlösser und Burgen bis hin zu verlassenen Gebäuden, Industrieruinen, Friedhöfen und Kirchen.

Insgesamt 19 Fotografinnen und Fotografen präsentieren in zum Teil großformatigen Arbeiten ihre Vorstellung von mystischen Orten. Friedhöfe, Burgen, Naturphänomene, „Lost Places“, Abstraktionen - zahlreiche Möglichkeiten und Motive sind gegeben, der Mystik eines Ortes mit Hilfe der Fotografie eine visuelle Form zu verleihen.

Mystisches Ruhrgebiet


In ihrer Bildserie vom Landschaftspark Duisburg-Nord widmet sie sich Stephanie Schotenröhr der „Ruhrpott-Mystik“. Sinnbildlich versetzt sie schemenhafte Engel in die Lichtinstallationen des ehemaligen Stahlwerks, um denen, die mit diesem Ort durch Arbeit aber auch durch zwei Weltkriege verbunden waren, eine seelenhafte, verblassende Erinnerung zu geben.

In Anlehnung an die Ballade vom Erlkönig inszeniert Ronja Donsbach Pferd und Reiter sowie ausgreifend verschleierte Wesen an einem geheimnisumwobenen Ort: dem Wattenscheider Stadtgarten. Hier gelingt die Unbestimmtheit der mystischen Stimmung bildwirksam werden zu lassen. Nachtschwärmer auf regennasser Fahrbahn sind auf einem weiteren Foto schemenhaft auszumachen.

Mystifizierung der Natur


Die Natur wird auch in den Bildserien von Walter Breuer und Georgina Mintropp als Mysterium für Sagen und Legenden eingesetzt. Georgina Mintropps Bildserie entstand in Irland und greift mit landschaftlich reizvoll gewählten Motiven in Verbindung mit ruinösen Architekturelementen den mystischen Zauber der Natur als Tummelplatz von Feen und Kobolden auf.

Mit viel Sinn für kleinteilige Strukturen in den von Bäumen und Felsen geprägten Bildausschnitten führt uns Walter Breuer in Alberichs Reich. Auf jedem Bild glauben wir den Elfenkönig zu erkennen, doch immer wieder entzieht sich die Gestalt dem Betrachter.

Motive und Themen bei Anke Fraas und Sabrina Bootz sind getragen von der unmittelbaren Wahrnehmung von Natur und Landschaft. Zahllose Geschichten und Legenden ranken sich um das Moor, dessen besondere Aura aus den Bildern von Anke Fraas zum Betrachter spricht.

Sabrina Bootz, die auch als Malerin arbeitet, konzentriert sich auf Lichtführung und Farbigkeit mit denen sie die jeweiligen Naturstimmungen zu vermitteln sucht. Beide, wie auch die Fotografien von Tobias Klostermann entwickeln eine Nähe zur romantischen Sichtweise auf Natur.
Klostermanns Arbeiten zeigen einen beeindruckenden Blick auf das westliche Münsterland aus der Vogel-Perspektive eines Ballonfahrers. Nebelfelder, Sonnenlicht und Baumwipfel verbinden sich zu unwirklichen Landschaften. Die Größe der Natur, ganz im Sinne von Caspar David Friedrich, dem bedeutendsten Maler der deutschen Frühromantik, auf den Klostermann mit dem Bildtitel „Über dem Nebelmeer“ anspielt, lassen diese Bilder den Betrachter spüren.

Baum als Symbolträger


In Achim Zumkiers Baumporträt zeichnen sich Krone und Stamm vor einem tiefliegenden Horizont silhouettenhaft durch den Nebelschleier ab. Weithin sichtbar ist das schützende Dach aus dichtem Blattwerk, getragen vom Säulenstamm. Souverän erhebt sich der Baum, gleich einer Landmarke über das diesige Areal.

Dem neuseeländischen Kauri-Baum widmet Gabriele Reckhard drei schlanke hochformatige Aufnahmen und nimmt durch die Proportionen des Bildträgers bereits Bezug auf das rekordverdächtige Himmelsstreben der monumentalen Baumriesen. Mit ca. 50 Metern Höhe ist der Tane Mahuta der Größte seiner Art und spielt eine wichtige Rolle in der Mythologie der Maori. Die nahezu zeichnerisch wirkende fotografische Umsetzung vermittelt in der gewählten Perspektive den Eindruck einer Verbindung von Erde und Himmel

Hingegen interpretiert die poetische Fotoinstallation „Seelen-Ort“ von Doris Gerhard den Baum als „Wurzeln gelöst - Schwerelos schwebend - Vage und leicht“. Eine feingliedrige Verästelung, die der lichten Leichtigkeit Raum gibt.

Matthias Müller hat die Lichter des Hamburger Hafens stimmungsvoll eingefangen und dabei die Leuchtfeuer als Wegweiser mit nächtlichen Farbkontrasten in den Fokus genommen. Demgegenüber verlässt sich Roland Berger auf die Wirkung der schwarz-weiss Aufnahmen der ehemaligen Kokerei Hansa in Dortmund. Stahlträger und Wandelemente der verlassenen Innenräume werden für konstruktivistisch anmutende durchdachte Bildkompositionen genutzt.

Historische Bauten und "Lost Places"

Michael Leuschners Großformate mit Motiven vom ehemaligen Luftschutzbunker in Oberhausen sind in der Lage - mit viel Sinn für Details - , die Geschichte und die Aura eines historischen Ortes lebendig einzufangen. Es ist dem Fotografen ein Anliegen, gerade in Friedenszeiten den Blick auf die jüngere Vergangenheit zu lenken und das Mahnmal, dass der Bunker heute darstellt, mit fotografischen Mitteln zu verstärken.

Joachim Kapperts Aufnahmen der Beelitzer Heilstätten finden die Balance zwischen dem morbiden Charme der „lost places“ und der Plastizität fein ausgeleuchteter Innenräume als historische Dokumente. Auch als eine Parabel auf Leben und Tod möchte der Fotograf den Verfall des ehemaligen Sanatoriums verstanden wissen. Symbolisch aufgeladen dabei: eine Treppe, die zum Licht oder aber ins Dunkel führt; ein leerer Stuhl, der Schatten eines Kreuzes, der sich unaufhaltsam ins Bild schiebt.

Ähnlich am Thema des Verfalls ausgerichtet begegnen uns zwei Aufnahmen eines ruinösen Gutshofes von Nico Hullmann. Hier, wie auch in zwei weiteren Fotos einer Gedenkstätte, lehnt sich der Fotograf durch die Verwendung einer Sepiatönung dem Charakter historischer Dokumente an und verschränkt damit die Gegenwart mit der Vergangenheit.

Dirk Pöters beeindruckende Bildserie setzt sich mit der Burg Vondern (Oberhausen) auseinander. Hier werden die Außenaufnahmen in besonderen Maße durch die Lichtkontraste im insgesamt düsteren, geheimnisumwitterten Ambiente getragen. Vorstellungen von Spukschloss und Geistern schwingen bei diesen Darstellungen sofort mit.

Petra Engler präsentiert eine Bildserie mit Innenaufnahmen des Aachener Doms, in der sie den Farbfotografien immer auch eine schwarz-weiß Variante eins zu eins gegenüberstellt. Die Farbe des Heute soll mit dem Dunklen der Vergangenheit eine Verbindung eingehen. Mit ihren fotografischen Mitteln erreicht sie dabei eine außerordentlich malerische Wirkung.

Einen Ort des Mittelalters, der Kreuzzüge und der Zahlenmystik hat sich Roger Wimbert ausgewählt. Sein Beitrag zu den „Mystischen Orten“ behandelt die Architektur der Drüggelter Kapelle. Der Aufenthalt in dieser Kapelle ist noch heute dazu angetan, dem Besucher die Ganzheit dieser Welt erleben zu lassen. In seiner Bildserie „Die Säulen von Drüggelte“ gelingt es Roger Wimbert mit fein komponierten Innen- und Außenaufnahmen des historischen Kleinods am Möhnesee, den Zauber und die stille Einkehr dieses Ortes einzufangen.

„Die stille Einkehr“ ist vielleicht auch das Stichwort, um auf die Werkreihe „Ruhende Zeit“ von Marie Theres Niessalla einzugehen. Ort des Geschehens ist der Lübecker Ehrenfriedhof, eine zentrale Gedenkstätte für zivile und militärische Opfer beider Weltkriege. Auch hier wird auf Gegenwart und Vergangenheit mit dem Stilmittel alternierender farbiger und schwarz-weisser Aufnahmen eingegangen. Die parkähnliche Beschaulichkeit der ausgewählten Motive, die nur leise Rückschlüsse auf den Ort zu lassen – Gräber werden nicht abgelichtet – kulminiert in der geradezu lyrischen Abfolge. Hinter sonnendurchschienenen Blattwerk und Tannenspitzen säuselt und wispert es, nimmt der Wunsch der Verabschiedeten Gestalt an und bildet eine neue Wirklichkeit: Bleib bei mir!

Ausstellung „Mystische Orte“
06. Mai – 25. Juni 2017
Kunst- und Galeriehaus
Lohrheidestraße 57, 44866 Bochum
Öffnungszeiten: Di. – Do. 17.30 – 20.00 Uhr, Sa. 12.00 – 17.00 Uhr, So. 11.00 – 15.00 Uhr
(an gesetzlichen Feiertagen und in den Schulferien geschlossen)
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