„Erhaltet unsere Felder!“: Anwohner des Wilhelm-Leithe-Wegs wehren sich gegen Bebauungspläne

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Rund 100 Anwohner versammelten sich an der Isenbrockstraße, um gegen eine Bebauung der Felder nördlich und südlich des Wilhelm-Leithe-Wegs zu protestieren.

„Erhaltet unsere Felder!“ steht auf dem Banner, und rund 100 Menschen sind dem Aufruf der neu gegründeten Bürgerinitiative „Westenfelder Felder“ gefolgt, um diesen Worten Nachdruck zu verleihen. Am Samstag, 8. Juli, protestierten sie an der Isenbrockstraße gegen die Pläne der Stadtverwaltung, auf den landwirtschaftlichen Flächen nördlich und südlich des Wilhelm-Leithe-Wegs Wohnungen und Gewerbe zu errichten.

Am 30. Mai hatte die Bezirksvertretung Wattenscheid dem Grundsatzbeschluss zur zugestimmt, „und innerhalb von zwei Tagen hatten wir aus dem Umfeld 400 Unterschriften gegen diese Pläne gesammelt“, berichtet Torsten Vieting, einer von insgesamt elf Anwohnern am Wilhelm-Leithe-Weg und an der Jung-Stilling-Straße, die die Bürgerinitiative ins Leben gerufen haben.
Würden die Pläne irgendwann Wirklichkeit, würden die insgesamt etwa 20 Hektar großen Äcker, auf denen jetzt noch Getreide und Mais angebaut werden, Wohn- und Gewerbebauung weichen müssen. Für die Bürgerinitiative sind diese Pläne aus Umwelt- und Tierschutzgründen inakzeptabel.
Zahlreiche Tiere vom Turmfalken über Bussarde, Mauersegler, Füchse, Feldhasen bis zum Reh hätten sich hier angesiedelt, erläutert Mitinitiator Jürgen Glänzer. „Gerade der Turmfalke und der Mautersegler sind hoch geschützte Arten, die eine große Freifläche brauchen.“

Flächen dienen dem Klimaschutz

Doch auch für den Klimaschutz sei die landwirtschaftliche Freifläche unerlässlich. „Wenn wir an den Häusern hohe Temperaturen haben, sind es im Feld fünf, sechs Grad weniger, und der Wind bringt frische, kühle Luft“, befürchtet Glänzer eine Verschlechterung des Klimas, wenn die Äcker bebaut würden.
Zudem würde eine Bebauung eine Versiegelung der Flächen bedeuten. „Wir haben jetzt schon immer bis zum Wilhelm-Leithe-Weg 52 einen Kanalrückstau bei Starkregen. Auch nach der Renaturierung des Wattenscheider Bachs“, so Glänzer. Und die Menschen, die in den älteren Häusern an der Jung-Stilling-Straße wohnen, würden ebenfalls bereits jetzt bei Regen bangen, dass ihre Keller vollliefen, ergänzt Vieting. Ihrer Einschätzung nach würde sich die Oberflächenwassersituation bei Starkregenereignissen durch die geplanten Gebäude dramatisch verschlechtern.
Auch das Thema Feinstaub greift Vieting auf. Um diesen zu bekämpfen, würde darüber nachgedacht, Dieselautos aus den Innenstädten zu verbannen, und gleichzeitig wolle man die für eine bessere Luftqualität notwendigen Freiflächen zubauen, weist er auf den Widerspruch hin.

Gewerbeflächen

Laut Grundsatzbeschluss zur Baulandentwicklung möchte die Stadtverwaltung auf einem Teil der landwirtschaftlichen Flächen auch Gewerbebebauung verwirklichen. Doch die Mitglieder der Bürgerinitiative „Westenfelder Felder“ teilen die Absicht nicht, dass mehr Bedarf an Gewerbeflächen in Wattenscheid und in Bochum bestehe. Glänzer verweist auf das ehemalige Opel-Gelände, das zurzeit entwickelt werde, und erwähnt zugleich die Leerstände, die es an der Hansa- und der Gewerbestraße gebe.
Und auch im direkten Umfeld der Felder im Gewerbegebiet Fröhliche Morgensonne gebe es Leerstände. „Da steht schon lange ein Schild, dass hier Gewerbeflächen vermarktet werden. Anscheinend ohne Erfolg. Trotzdem sagt die Stadt, dass Gewerbeflächen gebraucht würden“, so Glänzer.
Zum Wohl der direkten Anwohner der Felder, aber auch zum Wohl der gesamten Stadt möchte die Bürgerinitiative ihre begonnene Arbeit fortführen. „Wir wachsen weiter. Wir bekommen täglich Anfragen und zum Beispiel auch Hinweise auf geschützte Tiere“, macht Vieting deutlich, dass nach dem Treffen an der Isenbrockstraße weitere Aktionen folgen sollen.
Eine Webseite Webseite mit weiteren Informationen zur Bürgerinitiative ist im Aufbau. Außerdem steht Torsten Vieting als Ansprechpartner per E-Mail an info@westenfelder-felder.de zur Verfügung.
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