Hautnah: Bogenschießen als Meditation

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Ausgestattet mit passendem Bogen und Carbonpfeilen wird in der Gruppe ein gemeinsamer Rhythmus gefunden, bei dem jeder Teilnehmer sein individuelles Tempo bestimmen kann. (Foto: Anacker)
 
Während des Schießens stand nicht nur der eigene Ablauf im Vordergrund, sondern auch das Miteinander der Gruppe. (Foto: Anacker)

Den eigenen Stand finden, das Ziel anvisieren, Spannung aufbauen und loslassen. Diesen immer wiederkehrenden Ablauf verinnerlichte ich gemeinsam mit neun weiteren Teilnehmern während eines sechsstündigen Workshops zum meditativen Bogenschießen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde am Morgen erläuterte Kursleiterin Andrea Lohmann kurz den Tagesablauf und gab jedem Teilnehmer die Gelegenheit, sich zu Erwartungen und Vorkenntnissen zu äußern. "Beim meditativen Bogenschießen geht es nicht um den Wettstreit und auch nicht darum, jedes Mal zwingend das Ziel zu treffen. Vielmehr werden wir versuchen, unser inneres Ziel zu finden und so im Einklang mit dem Atem zu schießen", erklärte Andrea Lohmann, die seit Anfang 2015 die Kurse gemeinsam mit dem Verein "Achtsam Leben Ruhrgebiet" in der Turnhalle der Widar Schule Wattenscheid in Höntrop anbietet.

In der Gruppe den eigenen Platz finden


Anschließend lernten wir die Ausrüstung kennen: Dazu zählen der Bogen, Carbonpfeile, ein Unterarmschutz sowie eine Zielscheibe aus Stroh. Nachdem jeder einen passenden Bogen gefunden hatte - für mich und eine weitere Teilnehmerin gab es auch einen Linkshänderbogen - wurden wir von Andrea Lohmann in Gruppen aufgeteilt: "Besonders wichtig ist es, dass man nicht nur auf sich selbst achtet, sondern auch auf die Menschen in der eigenen Gruppe, ebenso wie auf die Teilnehmer, die vorher oder nachher schießen."
Dann ging es los: In seitlicher Position zum Ziel suchten wir zunächst einen festen Stand, anschließend wurde der Körper bewusst aufgerichtet, das Ziel anvisiert und geschossen. Jeder Teilnehmer hatte dabei Gelegenheit, sein eigenes Tempo anzuwenden und drei Pfeile pro Durchgang loszulassen. Dabei wurde der nächste Pfeil immer gemeinsam aufgenommen, um zusammen durch den Ablauf zu gehen. Auch die Pfeile wurden im Anschluss gemeinsam aus der Zielscheibe entfernt. Dann trat man der nächsten Gruppe gegenüber, verbeugte sich kurz und reichte den Bogen weiter.

Eigenes Tempo, gemeinsamer Prozess


Dieser Ablauf wurde stetig wiederholt und so entstand ein Miteinander, bei dem sich jeder Einzelne ohne viele Worte auf sich selbst konzentrieren konnte.
Nach einer Mittagspause wurde der zweite Teil des Tages mit einer kurzen meditativen Übung eingeleitet, bei der es vor allem um das bewusste Ein- und Ausatmen ging. Dieses übertrugen wir anschließend auf das Schießen, wobei der Pfeil mit dem Ausatmen in Richtung Ziel losgelassen wurde. "In diesem immer wiederkehrenden Ablauf geschieht das meditative Bogenschießen und passt sich dem individuellen Atemrhythmus der Schießenden an. Der Atem führt die Bewegung und ist hilfreich dabei, sich in der Bewusstheit für diesen Augenblick zu üben. In der Faszination des intuitiven Schießens liegt die Chance und die Bereicherung, Lebenskunst für den Alltag zu entdecken", beschreibt die Kursleiterin den Prozess.
Kamen mir sechs Stunden Bogenschießen zuvor extrem lang vor, so wurde ich im Laufe des Tages eines Besseren belehrt. Je häufiger ich den Prozess vom Stand über das Atmen bis hin zum Loslassen des Pfeiles in Richtung Ziel wiederholte, desto mehr konnte ich mich auf mich selbst konzentrieren.
In einer gemeinsamen Abschlussrunde beschrieben wir unsere Erfahrungen: Der gemeinsame Tenor lautete, dass jeder Teilnehmer durch den stetigen Ablauf, die bewusste Wahrnehmung des Atems und das Miteinander den eigenen Körper spürte und ein Gefühl der Ruhe entwickeln konnte.


Weitere Informationen zum Verein „Achtsam Leben Ruhrgebiet“ sowie weitere Kursangebote gibt es hier
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