Integration als ganzheitliche Aufgabe in Wattenscheid

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Trotz unterschiedlicher Herkunftsländer wie Syrien, Iran oder Irak zogen die Flüchtlinge – darunter Lehrer, Kaufleute und weitere Berufsgruppen – an einem Strang. (Foto: AWO)
 
15 Teilnehmer erhielten das Deutsch-Zertifikat „B1“. (Foto: AWO)

Ein besonderer Integrationskurs ging jetzt im CentrumCultur der Awo zu Ende. Er ist gutes Beispiel für die Arbeit mit Flüchtlingen vor Ort, die von Anfang an intensiv betreut werden.

Dieser Kursus war etwas Besonderes: Zusammenhalt und Freundschaft trafen aufeinander, zudem galt die Gruppe nicht nur als eingeschworene Gemeinschaft, sondern auch als äußerst erfolgreich. Von rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bekamen am Ende 15 ein Deutsch-Zertifikat „B1“ überreicht – verdienter Lohn für vielerlei Anstrengungen und Mühen.
Das Ungewöhnliche daran: Trotz unterschiedlicher Herkunftsländer wie Syrien, Iran oder Irak zogen die Flüchtlinge – darunter Lehrer, Kaufleute und weitere Berufsgruppen – an einem Strang. „Die Gruppe hat auch außerhalb der Kurs-Einheiten Zeit miteinander verbracht. Wenn jemand einen Termin beim Amt oder dergleichen hatte, kamen viele andere mit, um zu helfen. Das haben wir so noch nicht erlebt“, blickt Mitarbeiterin Parastu Joneidi auf die vergangenen eineinhalb Jahre dieses Integrationskurses zurück, der nun im CentrumCultur der Awo am August-Bebel-Platz mit der Zertifikatsübergabe zu Ende gegangen ist.
Nicht ganz unschuldig daran dürfte Dozent Soner Atsan (43) gewesen sein. Es war zwar sein erster Kursus, doch ging er in besonderem Maße auf die Bedürfnisse seiner Schülerinnen und Schüler ein. Er spricht Türkisch, konnte sich somit auch sprachlich noch intensiver mit der Gruppe auseinandersetzen, kennt die kulturellen Gepflogenheiten. „Es war mir wichtig, eine familiäre Atmosphäre herzustellen. Das war bei der Awo möglich, die dafür den passenden Rahmen zur Verfügung stellte“, schildert er. Was Atsan damit meint: Die Awo begleitet die Flüchtlinge durch vielerlei Integrations- bzw. Lebensphasen. „Allein seit 2016 haben wir 355 Fallzahlen im Migrationsdienst für Erwachsene aufgenommen. Sprich: An mehr als jedem zweiten Tag kam ein weiterer Flüchtling im Erwachsenen-Alter zu uns, um sich beraten zu lassen“, sagt Mustafa Calikoglu, Leiter des CentrumCultur. Er und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich dann um Anliegen wie diverse Anträge bei Behörden, den Familiennachzug, Jobvermittlung oder die Suche nach Integrationskursen, die die Awo selbst anbietet. „Wir sorgen für ganzheitliche Hilfsangebote. Dazu gehören dann auch unsere Kindertagesstätten und Offenen Ganztagsschulen, in denen wir Plätze organisieren und unsere Erzieherinnen und Erzieher im Umgang mit dieser Zielgruppe schulen“, erklärt Calikoglu.
Jedem Anfang wohnt jedoch der Integrationskurs inne, er ist die Basis für Integration, Jobsuche und mehr. Zurzeit laufen noch 19 weitere Kurse bei der Awo-Tochtergesellschaft „Bobeq“ in Wattenscheid, Bochum und Herne mit jeweils circa 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Wir konnten unsere Kurse jetzt an drei Standorten zentralisieren, nachdem wir zu Beginn des großen Zuzugs noch viele kleinere angeboten hatten. Was uns auffällt: Die meisten Flüchtlinge sind äußerst motiviert“, betont Calikoglu. So sei der nun beendete Kursus vielleicht eine Besonderheit gewesen, sollte aber in der näheren Zukunft kein Einzelfall mehr bleiben.

Infos
- Das Zertifkat „B1“ bestätigt eine selbstständige Verwendung der deutschen Sprache und entspricht der dritten Stufe auf der sechsstufigen Kompetenzskala des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GER) für Sprachen.
- CentrumCultur der Awo: August-Bebel-Platz 2a, 44866 Bochum. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Tel.: 328823; Mail: m.calikoglu@awo-ruhr-mitte.de und im Netz: www.awo-ruhr-mitte.de.
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