Internationale Kleiderkammer vor Ort

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Hameed Alharbi, Othman Raad und Fatna Kachar (v. l.) bei der Sortierung in der Wattenscheider Kleiderkammer. (Foto: Laura Kämper)
 
Corinna Kawaters, Fatna Kachar, Othman Raad und Hameed Alharbi (v. l.) arbeiten Hand in Hand. (Foto: Laura Kämper)

Bürgerschaftliches Engagement ist schon immer das Rückgrat des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). In den vergangenen Jahren sind zunehmend auch Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund zum Team der Wattenscheider DRK-Kleiderkammer gestoßen. So ist mit der Zeit ein internationales ehrenamtliches Team entstanden. „Einige Migranten, die zu Anfang Empfänger unserer Hilfe waren, sind nun selbst zu Helfern geworden,“ erzählt Thorsten Junker, Präsident des DRK Wattenscheid.

Begonnen hatte diese Entwicklung vor etwa drei Jahren. Damals wurde die Struktur des Teams in der DRK-Kleiderkammer komplett verändert. „Viele konnten sich aufgrund ihres Alters nicht mehr so stark engagieren“, erklärt Christian Lange, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des DRK Wattenscheid. Auch deshalb ist das Engagement der Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund willkommen. „Nur durch die ehrenamtlichen Arbeiter ist der DRK-Verband zukunftsfähig“, weiß Thorsten Junker. Besonders stark war das im Jahr 2015 mit Beginn der Flüchtlingswelle deutlich geworden: Damals hatten sich viele Wattenscheider in der Flüchtlingsarbeit und der örtlichen Kleiderkammer engagiert. „Und nun helfen einige der Geflüchteten ebenfalls bei uns mit,“ freut sich Junker.

Tägliches Engagement

Das Team der DRK-Kleiderkammer in Wattenscheid, das unter der Leitung von Corinna Kawaters steht, wird aus zwölf „Stammleuten“ gebildet, die an fast allen Tagen in der Kleiderkammer helfen. Darunter sind neben Menschen aus Syrien, Marokko und Polen auch Migranten aus dem Iran und Irak. „Wir haben auch viele hier, die zwischendurch mal aushelfen. Oft kommen aber Deutschkurse oder andere Verpflichtungen der ehrenamtlichen Arbeit dazwischen“, erzählt Kawaters.
Zu ihnen gehören auch Othman Raad und Hameed Alharbi. Beide kommen aus dem Irak und haben eine einjährige Aufenthaltserlaubnis in Deutschland. Othman Raad ist mittlerweile schon fast zwei Jahre mit in dem Team. „Als ich hierher kam, wohnte ich in einem Flüchtlingsheim direkt in der Nähe,“ erzählt er.
Mit zum Team gehört außerdem Fatna Kachar aus Marokko, die bereits seit zwölf Jahren in Deutschland lebt. „Ich war anfangs zusammen mit einigen Flüchtlingen hier und habe für sie übersetzt“, erzählt sie. „Dadurch ist Corinna auf mich aufmerksam geworden und sagte, dass eine Dolmetscherin dringend benötigt würde.“ Seitdem arbeitet sie regelmäßig ehrenamtlich in der Kleiderkammer und hat die Männerabteilung unter ihre Fittiche genommen.


Sprachbarrieren werden gebrochen

Durch die unterschiedliche Herkunft der Helfer können nun nicht nur Kleider ausgepackt, sortiert, für die Ausgabe vorbereitet werden, sondern auch Sprachbarrieren gebrochen werden. „In unserem Team spricht mindestens ein Helfer Arabisch, Kurdisch oder Türkisch,“ freut sich Kawaters. Menschen, die keine dieser drei Sprachen sprechen, können außerdem auf ein Schaubild tippen, um zu zeigen, welches Kleidungsstück sie benötigen. „Irgendwie können wir uns immer verständigen,“ weiß Kawaters. Und mittlerweile wissen auch die deutschen Mitarbeiter, dass „Mafi“ übersetzt „Haben wir nicht“ heißt.
Die DRK-Kleiderkammer in Wattenscheid hat zwei Ausgabetermine pro Woche und zwei Sortierungstermine. Momentan hat das Team jedoch eine kleine Auszeit, da die Kleiderkammer vom 29. Juli bis einschließlich dem 4. September geschlossen hat. Kleidung kann in dieser Zeit zwar weiterhin abgegeben werden, jedoch findet keine Ausgabe statt. „Wir nutzen diese Zeit, unsere Räume aufzuräumen, zu putzen und die Saisonumstellung zu beginnen“, erklärt Kawaters. Dafür werden momentan vor allem Kinderkleidung, Bettwäsche, Handtücher, Rucksäcke und Tornister benötigt.
Etwa 16 Stunden pro Woche arbeitet jeder der Migranten, die regelmäßig in der Kleiderkammer mithelfen. Damit liegen sie deutlich über dem Durchschnitt. „Da wir so viel Zeit miteinander verbringen, sind wir wie eine kleine Familie geworden“, freut sich Kawaters. „Und das ist schließlich gelebte Integration.“  Hameed Alharbi, Othman Raad und Fatna Kachar (v. l.) bei der Sortierung in der Wattenscheider Kleiderkammer.


Von Laura Kämper
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