Nach 34 Jahren in den teilweisen Ehrenamts-Ruhestand: Inge Struck gibt Leitung der DRK-Kleiderkammer auf!

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DRK-Vorsitzender Thorsten Junker und dies bisherige Leiterin der Kleiderkammer Inge Struck
 
Inge Struck in ihrer alten Wirkungsstätte
 
Im Laufe von 34 Jahren konnte Inge Struck Tausende von Kleidungsstücken an Hilfsbedürftige ausgeben
Bochum: DRK-Kleiderkammer |

Eigentlich war sie nur gekommen, um bei den Rotkreuzkameradinnen mal kurz vorbeizuschauen. Irgendwann in den siebziger Jahren. Sie kam schließlich aus einer Rotkreuzfamilie, denn der Ehemann war ebenfalls schon seit Jahren als Ehrenamtlicher des Wattenscheider Roten Kreuzes engagiert im Einsatz. Nur für ein kurzes Gespräch. Stattdessen faltet Inge Struck auch heute wieder eine Jacke, hängt nochmals ein Hemd auf einen Bügel in der Kleiderkammer. Ehrenamtlich einfach mal kürzer zu treten - das muss sie erst lernen.



Und will nun damit anfangen: Nach 34 Jahren als Leiterin ist es ihr letzter Tag in der Kleiderkammer – die rüstige Seniorin geht in den teilweisen Ehrenamts-Ruhestand. In der Ausgabestelle der Kleiderkammer nebenan stapeln sich auch heute wieder Sommer und Winter in Säcken und Kartons gestapelt: Stoff und Stöffchen, nach Jahreszeit sortiert und in Kartons verpackt. Bettwäsche, Damenpullover, Herrenhosen... Inge Struck ist seit vielen Jahren Herrin über all die Regale und Kleiderständer. „An den Öffnungstagen immer dienstags ist hier immer viel los”, erklärt die mittlerweile 78jährige. Immer dienstags, von 9.00 bis 12.00 Uhr können sich hier in der Kleiderkammer des Roten Kreuzes im DRK-Zentrum an der Sommerdellenstraße 26 hilfsbedürftige Menschen mit Kleidung versorgen. „Wir haben immer einige gute Sachen”, unterstreicht Inge Struck. „Auch wenn manchmal der Nachschub fehlt und wir insbesondere mit Kinderkleidung nicht immer aushelfen können!“

Gute, gebrauchte Sachen - vor allem für die, die's nötig haben. „Aber wir sind hier keine Polizei. Wir kontrollieren nicht die Bedürftigkeit, aber man kennt die Menschen ja mittlerweile, denn wir haben Kunden, die uns schon seit vielen Jahren aufsuchen und Kleidung aus der Kleiderkammer bekommen”. Kostenlose Kleiderausgabe ist das Motto des Roten Kreuzes und besonders das von Inge Struck, „denn man will den Menschen ja einfach helfen.“ So gibt es klare Regeln in der DRK-Kleiderkammer: Wenn die gespendete Kleidung beschädigt, schmutzig oder vollkommen unmodern ist - dann wird sie in den großen Sammelcontainer gebracht und an einen Entsorger verkauft.

„Waschen, bügeln und ausbessern - das können wir nicht auch noch leisten und mit den Verkaufserlösen der unbrauchbaren Kleidung wird dann die Sozialarbeit des Verbandes und somit auch die Kleiderkammer mitfinanziert”. Das Team von Inge Struck hat immer montags schon genug damit zu tun, die Kleider zu sortieren, aufzuhängen, manchmal auch wegzupacken für die nächste Saison. Bei der dienstäglichen Kleiderausgabe und den Sortiertagen wird sie aktuell von 2 Rotkreuzlerinnen und einem weiteren Ehrenamtler unterstützt. „Und die kennen sich alle bestens aus”. Das verbleibende Team macht jetzt auch weiter mit, wenn nun eine neue Leitung für die Kleiderkammer und weitere personelle Verstärkung gesucht werden muss.

"Viel erlebt in 34 Jahren"


34 Jahre hat Inge Struck mittlerweile in der DRK-Kleiderkammer hinter sich, anfangs noch in den Räumlichkeiten im Keller der Rotkreuzgeschäftsstelle an der Voedestraße. „Man wollte Menschen helfen und sich eine sinnvolle Beschäftigung zulegen, denn ich war nur Hausfrau und hatte deshalb einfach Zeit für das Ehrenamt”, verrät Inge Struck mit einem Augenzwinkern über den Beginn ihrer Tätigkeit. Und dieses Ehrenamt hat sie immer intensiv ausgelebt, „meistens war ich an beiden Tagen in der Kleiderkammer die Erste. Nach dem Tod meines Mannes bin ich manchmal schon gegen 6 Uhr hingegangen und habe mit den Sortierarbeiten begonnen. In den letzten Jahren habe ich mir vom benachbarten ALDI-Markt sogar einen Schlüssel des dortigen Fluchttores zum DRK-Zentrum besorgt, um hier nicht erst um den gesamten Block zum DRK-Gelände zur dortigen Kleiderkammer gehen zu müssen.“

Dort wurden im Laufe der vielen Jahre Massen an Kleiderspenden gesichtet, sortiert, eingeräumt und anschließend ausgegeben. Sicher ist: „Wir haben hier Tonnen bewegt”, erklärt Inge Struck. Und Menschen. Denn neben den Klamotten steht immer auch die Kommunikation. Die Damen und Herren des Kleiderkammerteams versuchen immer auch mit den Menschen in Kontakt zu kommen, auch wenn in den letzten Jahren durch zahlreiche osteuropäische Kunden die sprachliche Barriere die Arbeit nicht einfacher gemacht hat. Trotzdem hat Mancher hier neben einem Anzug auch Trost gefunden, neben einem Pullover auch menschliche Wärme. Und die andere letztlich neben ein Paar Schuhen auch eine sinnvolle und befriedigende Aufgabe. „Es war eine segensreiche und trotz der vielen Arbeit immer tolle Zeit”, bilanziert deshalb Inge Struck für sich - und ein bisschen Wehmut kann sie nicht verhehlen. „Ich werde heute noch in der Wattenscheider Fußgängerzone von Menschen angesprochen, die unser Angebot über Jahre genutzt haben und teilweise noch heute nutzen. Man kennt sich einfach. Es kommen ja wöchentlich immer knapp zwanzig, teilweise auch mehrköpfige Familien zu uns.“

Nichtstun? Nein danke!


Nichtstun? „Wenn Sie wüssten!” sagt Inge Struck und umreißt das Rote Kreuz in ihrem Herzen symbolisch. Denn: Da lockt trotz dem teilweisen Rückzug vom geliebten Ehrenamt ja immer noch der Behindertenkreis des Verbandes und die Blutspende, sagt die 78-jährige, da wolle sie wohl weiter mitmachen. Schließlich macht sie auch das schon seit über 30 Jahren...

Personelle Hilfe wird hier gesucht!


Das Rote Kreuz sucht nach dem Kleiderkammer-Abschied von Inge Struck für das ehrenamtliche Team dringend personelle Verstärkung, da der Betrieb der Kleiderkammer sonst akut in Gefahr geraten könnte. „Wir können hier bei entsprechender Interessenlage selbstverständlich auch auf zeitliche Wünsche der Interessenten eingehen. Vielleicht muss der Verband hier auch die Sortier- und Ausgabezeiten nochmals überdenken“, glaubt der DRK-Vorsitzende Thorsten Junker. Aktuell wird das Kleiderkammerteam von Bundesfreiwilligen des Kreisverbandes unterstützt, „aber dies ist keine Dauerlösung. Wir müssen das nette Team einfach personell aufstocken, um hier auch keine Überlastung im Ehrenamt zu erzeugen!“

Für weitere Informationen steht das DRK in der Kreisgeschäftsstelle an der Voedestraße 53 auch unter der Rufnummer 0 23 27 – 8 70 17 (Herr Eisenhuth) zur Verfügung.
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