Prüfen, Rufen, Drücken – Aktionstag zur Reanimation am Hellweg-Gymnasium in Kooperation mit Martin-Luther-Krankenhaus und DRK-Kreisverband aus Wattenscheid

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Vanessa Spyrka und ihre Schulsanitäter
 
Der Spaß kam nicht zu kurz bei den DRK-Schulungen
Bochum: Hellweg-Gymnasium |

Das menschliche Herz schlägt pro Tag 100 000 Mal. Darüber und über Gefahren des plötzlichen Herztodes sprach Dr. Alexander H. Andres, Ärztlicher Leiter des Martin-Luther-Krankenhauses (MLK), mit Schülerinnen und Schülern der Wattenscheider Hellweg-Schule. Zugleich wurden den 7.-Klässlern Möglichkeiten der Reanimation und Wiederbelebung präsentiert. Unter dem Publikum waren auch ausgebildete Schulsanitäter – somit eine interessante Herausforderung für die Projektpartner aus Klinik und Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Wattenscheid.



Der Schulsanitätsdienst des Hellweg-Gymnasiums, der sich bereits seit einigen Jahren um die medizinische Erstversorgung in der Schule kümmert, sah sich in der Pflicht, möglichst vielen Jugendlichen die möglicherweise lebensrettenden Basismaßnahmen zu vermitteln. Vanessa Spyrka, Lehrerin der Schule, die diesen Dienst vor Jahren ins Leben gerufen hatte und weiterhin mit engagierten Schülerinnen und Schülern organisiert, hält ihn für ein Pflichtprogramm jeder Schule. Sie hatte diese Veranstaltung gemeinsam mit ihrem Team, dem Martin-Luther-Krankenhaus und dem Roten Kreuz aus Wattenscheid an die Hellweg-Schule geholt. „Jeder sollte sich mit Erster Hilfe auskennen und nicht nur für den Führerschein einen Pflichtkurs besuchen“, meinte auch die Schulsanitäterin Hannah Dißelbeck.

Jeder kann helfen!


Herzstillstand? Prüfen, Rufen, Drücken – so leicht ist es eigentlich, ein Leben zu retten. Dies erklärte Dr. Andres den Jugendlichen in der Aula des Gymnasiums an der Lohackerstraße in Wattenscheid. Obwohl es so einfach ist, wissen leider nur 17 Prozent der Deutschen, wie sie beispielsweise Unfallopfer richtig wiederbeleben können. „Eine Katastrophe“, so bringt es der Chefarzt auf den Punkt. Aus diesem Grund kooperierten nun Klinik, Wohlfahrtsverband und Schule im Projekt „Leben retten? Jeder kann es!“.

Nach dem Vortrag von Dr. Andres ging es für die rund 100 Schülerinnen und Schüler an die Übungen in den Klassenräumen. Es sollte eben nicht nur Theorie vermittelt werden, die Schüler lernten an Trainingsdummies die Reanimation und besprachen, wie man mit einem Defibrillator umgeht. DRK-Ausbilder Julian Steppat brachte es auf den Punkt: „Wir üben hier die Wiederbelebung eines gerade verstorbenen Menschen.“ Zuvor jedoch gab’s zudem eine kleine Einführung in die Risikofaktoren.

„Mit 18 Jahren rauchen und täglich ein Burger?“, fragte Dr. Andres in die Runde der Schülerinnen und Schüler. Mit 18 sei das Herz noch gesund. Aber dauerhaft zu viel Fett und Zucker kann zu Diabetes führen. Alle zwölf Minuten ein Herzinfarkt, alle 19 eine Amputation, alle 60 eine Dialyse – falsche Ernährung wird zu einem immer größeren Gesundheitsproblem. Hinzu kommt mangelnde Bewegung: „1914 ging jeder täglich sieben bis elf Kilometer zu Fuß, heute im Durchschnitt nur noch 460 Meter.“ Fazit: Vor 100 Jahren gab’s kaum Diabetiker, heute sind es acht Millionen. Und es würden in Deutschland 80 000 Menschen jährlich am plötzlichen Herztod sterben. Häufigste Ursache: Kammerflimmern. Das Herz schlägt bis zu 600 mal pro Minute, der Kreislauf bricht zusammen. Dann komme es auf jede Minute an.

Übung der Herz-Lungen-Wiederbelebung in den Klassen


Zurück zur Praxis. Die DRK-Ausbilder Julian Steppat und Tim Schwermer zeigten, wie Wiederbelebung funktioniert. Den Rettungsdienst rufen, Kopf des Leblosen nach hinten strecken, Atemspende und Herzmassage im Wechsel. 100 mal pro Minute muss der Brustkorb fünf Zentimeter tief eingedrückt werden. Dann folgen zwei Atemspenden. Die DRKler gaben Tipps aus der täglichen Praxis: „Nicht auf den Magen drücken. Der richtige Druckpunkt liegt auf dem Brustbein. Dreifingerregel!“ – „Oweh!“ Die Schülerinnen und Schüler gaben alles: „Puh, ist ganz schön schwer!“ Zwischen Anweisungen zur Herzmassage: „Tiefer, langsamer“, redeten die DRK-Sanitäter den Schülern ins Gewissen: „Wenn ihr helfen könnt, helft!“ Genau das ist Sinn und Zweck dieser Veranstaltung an der Hellwegschule – möglichst viele Menschen sollen lernen, Leben zu retten.

Auf der Bühne der Aula leitete Dr. Andres die Aktion. „Ich kontrolliere Puls und Atmung, dann rufe ich Hilfe. Was sag’ ich der Notrufnummer 112?“ Verzagte Antwort: „Dass hier einer liegt und so...“ Zwei Stunden später schon beherrschten die Jugendlichen die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) und wussten mit einem Defibrillator umzugehen. Geübt wurde auch fleißig die HLW allein und im Team zu zweit.

Wiederholung bei allen Projektbeteiligten erwünscht!


Mit Dr. Andres und DRK-Pressesprecher Christian Lange ist sich Jürgen Mengler, Schulleiter der Hellweg-Schule, einig, dass dies nicht die letzte Veranstaltung dieser Art an seiner Schule war. Das Ziel lautet: Möglichst viele Schüler sollen die Wiederbelebung beherrschen.
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 16.09.2015 | 19:34  
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