Stoffbeutel für die Tafel: Nähprojekt bietet Flüchtlingen Beschäftigung

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Lirie Plaku (l.) und Johur Uddin haben in den vergangenen Wochen rund 100 Stoffbeutel genäht, die sie nun der Wattenscheider Tafel übergaben.

Nicht nur einen guten Zweck, sondern gleich drei erfüllt das gemeinsame Nähprojekt der Flüchtlingshilfe Wattenscheid-Mitte und der Wattenscheider Tafel, denn es kommt den beiden Flüchtlingen Johur Uddin und Lirie Plaku, der Tafel selbst und auch der Umwelt zugute. Seit Mai haben Uddin und Plaku rund 100 Stoffbeutel genäht, die nun als Tragetaschen an die Tafelkunden ausgegeben werden.

Vor elf Monaten ist der 26-jährige Johur Uddin, der aus Bangladesch stammt, in Bochum angekommen; seit sieben Monaten lebt er in der ehemaligen Swidbertschule an der Elisabethstraße, wo er und die übrigen Bewohner von der Flüchtlingshilfe unterstützt werden. Um der aufkommenden Langweile der Flüchtlinge entgegenzuwirken und ihnen einen Beschäftigung bieten zu können, „fragten wir nach ihren Berufen in ihren Heimatländern“, erklärt Armin Rosa, ehrenamtlicher Koordinator der Flüchtlingshilfe.
Als klar war, dass Uddin in Bangladesch als Schneider gearbeitet hatte, stand schnell fest, ihm auch hier die Möglichkeit zum Nähen zu geben. Dazu stellte die Tafel fünf Ballen Stoff zur Verfügung, die aus den Altbeständen von Steilmann stammen. Hinzu kam eine Nähmaschine sowie drei weitere von Privatpersonen, mit denen im ehemaligen Kirchenraum des Ludwig-Steil-Hauses eine Art Werkstatt eingerichtet wurde.

In der Fabrik genäht

In seiner Heimat fertigte der 26-Jährige, dessen „Gestattung“ noch bis November gilt und der eine Aufenthaltsgenehmigung anstrebt, in einer großen Fabrik an Industrienähmaschinen Kleider. In Wattenscheid näht Uddin, der mittlerweile als „Dr. Schneider“ bekannt ist, jeden Mittwoch ehrenamtlich Stoffbeutel. „Damit ist er natürlich unterqualifiziert“, sagt Rosa und hofft, dass ein potentieller Arbeitgeber auf ihn aufmerksam wird.
Ganz begeistert von den Fähigkeiten Uddins ist auch eine Flüchtlingshelferin, die ihn und Lirie Plaku bei dem Projekt unterstützt. „Er macht das viel rationeller als ich“, erzählt sie, dass sie sich seine Art des Stofffaltens und Nähens abgeguckt habe. Während Uddin im Ludwig-Steil-Haus arbeitet, näht Plaku zu Hause. Die 41-Jährige aus Albanien wohnte ursprünglich auch an der Elisabethstraße, lebt jetzt aber in einer eigenen Wohnung in Dahlhausen.

Hilfe für die Tafel

Die Idee dazu, dass bei dem Projekt Stoffbeutel genäht werden könnten, hatte Larisa Baasner von der Wattenscheider Tafel. „Die Flüchtlinge haben viel Freizeit, und wir haben Stoff“, sagt sie. „Menschen ohne Beschäftigung gehen kaputt.“ Bisher verteilte die Tafel ihre Ware in Plastiktüten, aber der Hersteller stellt sie nicht mehr zur Verfügung. Hier sollen die Stofftaschen Abhilfe schaffen, und zugleich wird durch ihren Einsatz auch die Umwelt geschont.
Bei den 100 Taschen, die nun an die Tafel übergeben wurden, soll es nicht bleiben. Bisher haben Uddin und Plaku dafür nur einen der Stoffballen verbraucht. Bleiben also noch vier übrige, und das sind längst nicht alle. „Wir haben noch jede Menge“, sagt Tafel-Gründer Manfred Baasner. Und da insgesamt vier Nähmaschinen zur Verfügung stehen, können sich auch weitere Flüchtlinge an dem Projekt beteiligen.
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