Brötchen, Bälle und Probleme - Keine Lösung ohne Bürgerbeteiligung

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Ein neuer Kunstrasenplatz für SW Wattenscheid 08? (Foto: Mr. Clever, Wikipedia)
Bochum: Sportanlage Dickebankstra | Die Großbäckerei Bereket in Wattenscheid will ihren Betrieb erweitern. Erstmal eine gute Nachricht für Wattenscheid und Bochum, da so der Standort und Arbeitsplätze gesichert werden können. Dafür braucht der Bäcker, der u.a. für Aldi backt, allerdings Teile des städtischen Rasensportplatzes, der von SW Wattenscheid 08 genutzt wird. Der Platz müsste fast zur Hälfte an Bereket abgegeben werden. Im Gegenzug soll 08 einen Kunstrasenplatz bekommen.

Soweit klingt das ganz gut. Allerdings wurden bisher nicht alle Betroffenen bei diesem Ausgleich berücksichtigt. Diejenigen, die in der Nachbarschaft von Bereket und SW 08 wohnen, wurden von dem Vorhaben überrascht. Mit Bereket und SW Wattenscheid 08 wurde im Vorfeld ausführlich geredet, mit den Anwohnern hingegen nicht. Daher haben diese jetzt den Eindruck, dass sie bei den laufenden Planungen übergangen werden sollten.

Eine dürre Mitteilung im öffentlichen Teil der Sitzung der Bezirksvertretung Wattenscheid informierte sie darüber, dass offenbar Bereket und der Sportplatz näher an das Wohngebiet rücken sollen. Was genau passieren soll, kann man der 6 Zeilen langen Mitteilung nicht ansatzweise entnehmen. Eine Bürgerinformation oder –versammlung im Vorfeld gab es nicht. Die wichtigen Informationen wurden in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung geschoben, der den Bürgern verborgen bleibt. Transparent ist dieses Vorgehen nicht. Entsprechend sprießen die Gerüchte. Serdar Yüksel, Landtagsabgeordneter der SPD habe den Deal für Bereket eingefädelt. Bereket habe den direkten Draht zu dem Genossen genutzt, um auf schnellem Weg die Betriebserweiterung in den politischen Gremien durchzusetzen.

Auch gibt es seit langem Spannungen zwischen Bereket und den Anwohnern aber auch zwischen SW 08 und den Nachbarn. Der ursprünglich 7m hohe Lärmschutzwall zu den Nachbarn ist nicht mehr 7m hoch sondern nur noch 4,50m. Nach dem Bau hat sich der Wall im Laufe der Zeit verdichtet und ist entsprechend zusammen gesackt. Insbesondere die Entleerung der Silowagen beim 24-Stunden–Betrieb von Bereket führt immer wieder zu Beschwerden der Anwohner. Auch wird von den Nachbarn moniert, dass Bereket immer wieder Brotabfälle offen auf dem Gelände lagert, was Ratten anziehe. Ebenso fühlten sich Nachbarn von den Festivitäten in den Clubhäusern auf dem Sportplatzgelände belästigt. Um die Vereinskasse aufzubessern, vermietet SW 08 diese an interessierte Partygesellschaften, die sich leider nicht immer an die Lärmschutzvorgaben halten.

Jetzt argwöhnen die Anwohner, dass durch die Erweiterung von Bereket der Betrieb deutlich näher an sie heran rückt und damit der Lärmpegel weiter steigt und durch den geplanten Kunstrasenplatz auch der Lärm durch den Spielbetrieb näher an sie ranrückt. Eine weitere Befürchtung besteht darin, dass durch die geplante Flutlichtanlage nicht nur der Platz, sondern auch die benachbarten Gärten und Wohnungen erleuchtet werden.

Aber auch für die Stadt scheint die Erweiterung von Bereket mit erheblichen Kosten verbunden zu sein. 660.000 Euro soll Bereket wohl für den Kauf der Erweiterungsfläche an die Stadt zahlen, allein die Umlegung des Platzes und die Neugestaltung als Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage soll 750.000 Euro kosten (WAZ vom 01.12.14).

Wie viel eine Erhöhung des Lärmschutzwalls auf die ursprünglich vorgesehene Höhe kosten würde, ist bisher nicht bekannt. Dazu kommt das Problem, dass auf dem Wall mittlerweile Bäume wachsen, was eine Erhöhung erschwert bzw. sogar unmöglich macht. Entsprechend hat ProGrün zu einer Erhöhung des Walls bereits Bedenken angemeldet.

In jedem Fall erlaubt es die prekäre Haushaltslage der Stadt nicht, dass für die Umlegung des Platzes und eine Verbesserung der Lärmschutzmaßnahmen mehr Geld aufgewendet werden kann, als von Bereket für die zusätzlichen Flächen an die Stadt gezahlt wird. Die bisherigen Lösungsvorschläge werden diesem Kriterium jedoch nicht gerecht.

Kostengünstiger wäre es, den jetzigen Ascheplatz, auf dem auch jetzt schon der Hauptspiel- und Trainingsbetrieb stattfindet, in einen Kunstrasenplatz umzubauen. Dieser Platz muss ohnehin in absehbarer Zeit komplett neu aufgebaut werden. Auch besteht hier bereits eine Spielfeldbeleuchtung. Dies bedeutet allerdings, dass der Verein im Gegenzug zu dem Kunstrasenplatz im Sommer auf einen Platz verzichten müsste. SW Wattenscheid 08 gehört mit nur 10 Mannschaften jedoch auch nicht zu den größeren Vereinen in der Stadt.

Damit bei der geplanten Maßnahme aber die Interessen aller Betroffenen hinreichend berücksichtigt werden, muss nach Ansicht der STADTGESTALTER dringend eine Bürgerkonferenz einberufen werden, bei der die Vertreter von Bereket, die Verantwortlichen von SW 08, die Anwohner, ProGrün und die Stadt am selben Tisch sitzen und nach einer einvernehmlichen Lösung suchen.

Eine solche ggf. moderierte Versammlung muss schnell, noch vor dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan, durchgeführt werden. Denn eine Bürgeranhörung muss nicht nur zu der Erweiterung von Bereket erfolgen, sondern auch zur Umlegung des Sportplatzes, die nicht Gegenstand des Bebauungsplanverfahrens sein wird.

Für die Zukunft ist wichtig, dass, bevor Dinge in die politischen Gremien gegeben werden, mit allen Betroffenen gesprochen wird. Die Anwohner dürfen nicht vergessen werden. Das heizt die Gerüchteküche an, kostet Vertrauen, verhärtet die Fronten und erschwert unnötig die Suche nach Lösungen, die allen Interessen gerecht werden.

Die STADTGESTALTER wollen das weitere Vorgehen genau beobachten. Sollte die Verwaltung nicht zeitnah zu der jetzt avisierten Bürgerversammlung mit allen Beteiligten einladen, werden sie selbst dazu die Initiative ergreifen.

Insgesamt kann man zuversichtlich sein, dass auf diese Weise eine Lösung gefunden wird, die dann zum Vorteil von allen Beteiligten und Betroffenen umgesetzt werden kann.

Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos
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