Bürgernähe und Voraussicht: Interview mit Bezirksbürgermeister Manfred Molszich

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Manfred Molszich stand im Wattenscheider Rathaus Rede und Antwort. (Foto: Thömmes)

Flüchtlinge, Hallenbad, Gänsereiter - in Wattenscheid brennen aktuell einige Themen unter den Nägeln. Bezirksbürgermeister Manfred Molszich gibt im exklusiven Stadtspiegel-Interview einen Einblick in seine tägliche Arbeit, Aufschluss zu Problematiken im Stadtbezirk und einen positiven Ausblick für die kommenden Monate.

Wie gestaltet sich ein typischer Tag als Bürgermeister?
Manfred Molszich:
Den gibt es nicht. Jeder Tag ist anders. Kürzlich waren wir beispielsweise spontan an der Weststraße, da Anwohner sich über zu starke Beschattung durch die dort stehenden Bäume beschwert hatten. Hier kann man spontan viel erreichen. Da wir uns mittlerweile in der Brutzeit befinden, ist ein Baumbeschnitt erst wieder im Herbst möglich. Wenn man vor Ort ein Bewusstsein dafür schafft, ist das Verständnis aus der Bürgerschaft meist gegeben.

Die jüngsten Ereignisse in Brüssel lösen Entsetzen aus. Bürger sind verunsichert, was sich mittlerweile auch ins direkte Lebensumfeld auswirkt. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation in Wattenscheid ein?
Manfred Molszich:
Zunächst einmal ist es schrecklich, dass es so kurz vor Ostern einen solchen Anschlag gab. Wichtig für Wattenscheid ist, dass man diese Situation nicht mit den Flüchtlingen in Verbindung bringt. Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun und sollte auch nicht vermischt werden.
Nach Einschätzung unserer Polizei ist die Lage in Wattenscheid nicht dramatisch. Vor Ort gibt es keine direkte Bedrohung, deshalb sollte auch nicht unnötig Angst geschürt werden.

Sie haben die Flüchtlingssituation angesprochen. Wie ist der aktuelle Stand in Bezug auf die angedachten Standorte, insbesondere den gesperrten Sportplatz Höntrop?
Manfred Molszich:
Der Standort "Auf dem Esch" wird aktuell vorbereitet und man kann in Kürze mit dem Bezug rechnen.
Auch wenn es gerade in Höntrop eine Platzsperrung durch den am Donnerstag entschärften Blindgänger gab, so ist es beschlossene Sache,dass er auf jeden Fall in absehbarer Zeit belegt wird. Besonders wichtig hierbei ist, dass der Sportplatz Höntrop bereits durch den Sportstättenbedarfsplan geschlossen wurde. Dass er nun als Flüchtlingsstandort genutzt werden soll, hat nichts mit der Schließung zu tun. Die angrenzenden Schulen sind informiert und haben bereits ihre Unterstützung in der aktiven Flüchtlingsarbeit zugesichert.
Insgesamt finde ich es großartig, dass es in Wattenscheid so viel ehrenamtliches Engagement durch die verschiedenen Netzwerke, Vereine und die örtlichen Kirchen gibt.

Auch die Freundinnen und Freunde des Hallenfreibades Höntrop e.V. engagieren sich in der Flüchtlingsarbeit. Wobei sie sich aber natürlich in erster Linie für den Erhalt des einzigen Hallenfreibades auf Wattenscheider Stadtgebiet einsetzen. Gibt es hier Neuigkeiten?
Manfred Molszich:
Zunächst einmal ist das Engagement des Vereins groß. Ich bin selbst Mitglied und befürworte den Erhalt des Bades. Allerdings haben wir viel zu wenig Mitglieder und aktive Schwimmer. Von daher ist jede weitere Unterstüzung äußerst wichtig.
Für die Sanierung des Bades fehlen rund acht Millionen Euro. Ein privater Investor müsste diese Summe komplett alleine tragen. Es gibt bisland keine Gelder seitens der Stadt, die den Schul- und Behindertensport unterstützen würden.
Für einen Erhalt des Bades muss weiterhin auf allen politischen Ebenen kommuniziert werden, wie eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann.

Stichwort "Tradition": Was sagen Sie zu einem eventuellen Verbot des Gänsereitens mit echten Tieren?
Manfred Molszich:
Die Stadt wird keine Ordnungsverfügung herausgeben, sondern lediglich eine Empfehlung. Das Gänsereiten ist für Höntroper und Sevinghauser eine langjährige Tradition. Diese sollte aufrechterhalten bleiben.

Ein weiteres brisantes Thema ist die illegale Lagerung von Holzhackschnitzeln an der Hansastraße. Für Anwohner gab und gibt es eine extreme Geruchs- und Lärmbelästigung. Was sagen Sie zu diesem Fall?
Manfred Molszich:
Das ist auf jeden Fall eine Situation, die nicht geht. Ohne Genehmigung in diesem Maße zu agieren und dabei das angrenzende Wohnumfeld in Mitleidenschaft zu ziehen, ist dreist und blauäugig.

Können Sie unseren Leserinnen und Lesern zum Abschluss noch einen Ausblick für Wattenscheid geben?
Manfred Molszich:
Sehr gerne. Es ist angedacht das Wattenscheider Quartiersmanagement in der Wattenscheider Innenstadt anzusiedeln. Dafür wird gerade noch nach einem passenden Objekt gesucht.
Außerdem wird der Abenteuerspielplatz saniert, ebenso wie das Ehrenmal.
Der Bürgersteig auf der Varenholzstraße, der sich unmittelbar an die "blaue Brücke" anschließt, wird in den kommenden Wochen komplett gepflastert und sorgt für mehr Komfort.
Was viele wohl nicht mehr für möglich gehalten haben, ist ein glücklicher Ausgang für das alte Höntroper Hotel. Das Gelände, auf dem noch der abgebrannte Schandfleck steht, wurde nun gekauft. Eine Bauvoranfrafrage läuft. Also wird das, was von dem einstigen Hotel noch übrig ist, in absehbarer Zeit verschwinden.
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