„Mutter muss mal wieder unter Leute“

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MdL Yüksel (hinten links) und Bezirksbürgermeister Molszich (2.v.r., Mitte) informierten sich im Caritas-Centrum über die Arbeit mit Senioren und Flüchtlingen. Gesprächspartner waren unter anderem Monika Robrecht (hinten, Mitte) und Johannes Bielawa (mittlere Reihe, Mitte) vom Seniorenbüro mit Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern. Foto: cd
 
Im Gespräch den mit Mitarbeitern des Caritas-Centrums (v.l.): Karlheinz Kayhs (Amtsleiter Bezirksverwaltung Wattenscheid), MdL Serdar Yüksel und Bezirksbürgermeister Manfred Molszich. Foto: cd
Bochum: Seniorenbüro-BO-Wattenscheid | SPD-MdL Yüksel mit dem Bezirks-Bürgermeister im Caritas-Centrum Wattenscheid:

Die alten Römer (manchem seit den 70ern noch aus der Freilichtbühne hier in guter Erinnerung), die hatten es einfach: Wenn sie Hochachtung, Wertschätzung, Wohltätigkeit und Nächstenliebe gleichzeitig zum Ausdruck bringen wollten, dann brauchten sie nur ein Wort dafür, nämlich: Caritas.

Das Caritas-Centrum Wattenscheid bietet diese Fürsorglichkeit in allen Punkten ganz konkret an. Und dies gemeinsam mit der Stadt Bochum in ihrem bekannten Seniorenbüro an der Probst-Hellmich-Promenade. Heute nennen das auch die Engagierten hier „dezentral aufgestellt“. Es bedeutet nichts anders, als Hilfe vor Ort - für Menschen vor Ort. Oft beginnt alles mit einem harmlosen Anruf im Seniorenbüro, erzählt eine Mitarbeiterin: „Mutter muss mal wieder unter Leute“. Und dann, dann tut sich den Kümmerern ein Abgrund an Schicksalsschlägen auf: Verlust eines geliebten Menschen, Einsamkeit, Krankheit ... Das versuchen sie hier aufzufangen, mit Rat und Tat. Etwa: Wie kann eine Wohnung "altersgerecht" umgebaut werden. Und welche Förder-Mittel dafür gibt es und wo sind sie zu beantragen.

Besuch vom MdL:

Landtagsabgeordneter Serdar Yüksel und Bezirksbürgermeister Manfred Molszich (beide SPD, aber hier nicht im Wahlkampf) wollten sich im Caritas-Centrum mal die Arbeit mit Senioren und - neuerdings auch mit - Flüchtlingen selbst anschauen. Denn das "C"-Team war bei den Alten so erfolgreich, dass die Stadt Bochum die "Erfahrungen am Menschen" auf die Arbeit mit Flüchtlingen übertragen wollte. Gut, dass hier gerade auch ein paar Räume frei geworden waren. Denn so konnte direkt, ohne all zuviel Bürokratie, ein ebenfalls nun „dezentrales“ Flüchtlings-Büro eingerichtet werden - aus Caritas-Gründen eben.

So soll genau hier bald ein Sprach-Café entstehen, um „beim Käffchen (oder Tee)“ ohne Stress einfach Deutsch-Sprechen zu üben. Noch aktivere und vor allem interessierte Senioren sollten sich schließlich ebenfalls genau hier finden lassen... Am besten aber, wenn alle Altersgruppen mithelfen. Konkret bei Behördengängen, bei persönlichen Patenschaften, gemeinsamen Aktivitäten wie Einkaufen, aber auch Kultur und Ausflüge mit der Straßenbahn. All dies ist ja auch schon für Senioren hier gute Caritas-Tradition. Hilfe zur Selbsthilfe - und wenn mal mehr nötig ist, auch das. Und es ist oft mal mehr nötig.

Eine Mitarbeiterin berichtet mir erste Erfahrung aus dem Flüchtlingsbüro:

"Manchmal kann schon die Auswahl einer Wandfarbe im Baumarkt für meine Schützlinge schwierig sein. Denn in manchen autoritären Gesellschaften ist die individuelle, freie Entscheidung gar nicht vorgesehen. Viele wollen dann hier nichts falsch machen. Denn eine falsche Farbe könnte ja irgendwas Schlechtes bedeuten, was man als Fremder nicht wissen kann.". Wer denkt bei uns darüber nach, dass Menschen solche Probleme haben könnten. Also, „Frau Christine“ gehen Wand-Farbe auswählen, bitte! Herzlich - für die rauhe Faser.

Was sich vielleicht lustig anhört, gibt plötzlich den Blick frei auf das vorherige, auf das so andere Leben, auf Kriegserlebnisse und Fluchtursachen. Und auf den mühsamen Alltag der Helfer. Doch es gibt auch immer wieder Erfolge, kleine und große, wie´s halt so ist. Wenn dann doch eine Wohnung (und einer der aussterbenden Vermieter ohne Vorurteile!) für eine 6-köpfige Familie in dieser Stadt gefunden werden konnte, es gibt sie also! Oder wenn der Sprachkurs für eine alleinerziehende Mutter (und die damit sofort notwendige Kinderbetreuung) doch noch hingehauen hat. Es treibt manchem Helfer die Tränen in die Augen, wenn er das Glück erlebt. So hart die Ruhrgebiets-Schale auch den Kern umschließt.

Ach ja, finanzielle Mittel für all diese Projekte müssen "von der Stadt" noch bewilligt werden, deswegen wird gerade mit Hochdruck an den schriftlichen Konzepten gearbeitet. Gemeinsam mit den engagierten Ehrenamtlichen, ohne die all die Jahre ja auch die "Senioren-Arbeit" hier nicht in der nötigen Hartnäckigkeit angeboten werden konnte.

Viele Probleme gleichen sich bei Alt und Fremd:

Und der Erfahrungsaustausch ist für die beiden Büros auf demselben Flur immer nützlich. Dazu braucht das Seniorenzentrum der Caritas Wattenscheid in Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum und freiwilligen Helfern - jetzt auch Anlaufstelle für Geflüchtete - nicht extra einen neuen Namen.

MdL Serdar Yüksel kann auch schon gleich seine Hilfe als Landtagsabgeordneter anbieten, denn noch immer ist etwa eine dringend benötigte Personal-Stelle hier unbesetzt. Woran es liegt, ist nicht ganz klar – aber vielleicht hilft ja Nachhaken aus dem Landtag? Yüksel soll sich seinen Ruf, nicht nur im Wahlkampfmodus vor Ort aktiv zu sein, durch hartnäckiges Kümmern erarbeitet haben. Der einst staatlich geprüfte Krankenpfleger und dann studierte "Gesundheitsmanager" nimmt sich seit 2010 im Wahlkreisbüro kniffliger Sozial- und Gesundheits-Themen an. Er hat Zeit mit nach Wattenscheid gebracht und hört sich die zahlreichen Alltags-Probleme im Detail geduldig an, macht sich Notizen. Und gleich Vorschläge zum Nachhaken, das kommt in der Runde gut an. Nach zwei Stunden Austausch hat sich fast eine optimistische Stimmung breit gemacht: Cras loqui! Reden hilft! - sagten schon die alten Römer. Aber nicht nur. Und dann: natürlich "Caritas". Helfer sind immer willkommen.


Infos und Kontakt:

Seniorenbüro Wattenscheid
der Stadt Bochum im
Caritas-Centrum Wattenscheid
Probst-Hellmich-Promenade 29
44866 Bochum
Tel. 02327 / 9461 26
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