Herz-Lungen-Wiederbelebung wird in der Ein- und Zwei-Helfer-Methode geübt.
Bochum: DRK-Zentrum | „Unmittelbar nach einem Infarkt muss man eine Herzdruckmassage einleiten. Nur dann sind die Chancen groß, dass der Patient überlebt“, erklärt Werner Rautenberg, Erste Hilfe-Beauftragter des Wattenscheider Roten Kreuzes und unterstreicht die Unverzichtbarkeit von gut geschulten Ersthelfern. Der Ballungsraum Ruhrgebiet vermittelt hier ein trügerisches Gefühl der Sicherheit.
Ein verhängnisvoller Trugschluss, so der Rotkreuzler, sei der Gedanke an den gut organisierten Rettungsdienst im Ruhrgebiet. Natürlich seien die Rettungskräfte auch in Bochum gut organisiert. Trotzdem müssten sie im Notfall den Einsatzort erst erreichen. "Ein beherzter Ersthelfer stellt bereits die erste wichtige Weiche mit seinem professionell abgesetzten Notruf. Dann heißt es auf die Profis warten. Vielleicht nur fünf Minuten. Viel zu lange für jemanden, der beatmet werden muss." Es seien eben die ersten Minuten, die entscheiden, ob und mit welchen Folgeschäden jemand überlebt. Es komme eben immer auch auf die Ersthelfer an. Dabei spiele es keine Rolle, ob es ein ausgebildeter Rettungssanitäter oder ein Passant sei, der hilft. „Hauptsache ist, es geschieht überhaupt.“
Im Notfall beherzt einzugreifen, erfordert durchaus Mut. Oft liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon lange zurück. Man will nichts falsch machen und die Situation keinesfalls verschlimmern. Werner Rautenberg widerspricht dieser Haltung: „Faktisch kann man nichts falsch machen. Es gibt keine Erste-Hilfe-Maßnahme, die schaden würde.“ Der einzige Fehler sei der, untätig zu bleiben. Und wer wirklich nicht oder nicht mehr weiß, wie er mit einem Verletzten umgehen sollte, kann zumindest den Notruf wählen, sich um den Patienten kümmern und ihn beruhigen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Auch das ist Erste Hilfe.
Natürlich wirken Notfallsituationen auf Umstehende erst einmal bedrohlich. Das löst Ängste aus und lähmt mitunter auch, wenn man nicht genau weiß, wie reagiert werden muss. Wer dagegen gelernt hat, wie Erste Hilfe funktioniert, fühlt sich im Notfall sicherer und ist eher bereit, zu handeln. „Doch viele Menschen belegen nur einmal im Leben einen Erste-Hilfe-Kurs, und zwar meist dann, wenn die Führerscheinprüfung ansteht“, bedauert Werner Rautenberg. Dass meiste sei allerdings meist auch schnell wieder vergessen, „deshalb rate ich auch zu einem Auffrischungskurs alle zwei Jahre.“
Notfälle sind keine Seltenheit. Die meisten passieren im Alltag. Es trifft Familie, Freunde, Kollegen, Nachbarn. Rund 80 Prozent dieser Situationen sind Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Stoffwechselerkrankungen – genau jene Fälle also, bei denen die ersten Minuten entscheiden. Und selbst wenn es nicht ernst wird, sind Erste-Hilfe-Kenntnisse zu Hause mehr als hilfreich: Auch Schnittwunden, Verstauchungen oder Brüche heilen bei richtiger Erstbehandlung besser und schneller.
Der nächste Lehrgang in den „Ersten Hilfe“ findet am Wochenende 17. / 18. März 2012 jeweils ab 10 Uhr im DRK-Zentrum an der Sommerdellenstraße 26 (Begegnungsstätte 1. Etage) statt und umfassen insgesamt 8 Doppelstunden á 90 Minuten. In diesem Lehrgang werden Maßnahmen aus der Ersten Hilfe vermittelt und praktisch geübt.
Interessierte MitbürgerInnen, Führerscheinbewerber der Klassen A, B, C und D, sowie Übungsleiter, Trainer oder Betriebshelfer können sich hierzu gerne in der DRK-Kreisgeschäftsstelle an der Voedestraße 53 anmelden (Tel.: 0 23 27 – 8 70 17). Die Kosten für den Lehrgang betragen 32 Euro.
In Deutschland passieren im Jahr 2,4 Millionen Arbeits-Unfälle. Situationen, in denen ein Kollege am Schreibtisch oder an der Maschine zusammenbricht, weil er einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Kreislaufzusammenbruch erlitten hat, sind in dieser Statistik noch nicht eingerechnet.
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