„Seien Sie misstrauisch!“: Stadtspiegel unterwegs mit Seniorensicherheitsberater

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Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter will die Aufmerksamkeit für das Thema "Leben in Sicherheit" erhöhen. (Foto: BVDA)
 
Gerd Sauer (r.) hatte auch Broschüren mit Tipps dabei, wie sich Senioren vor Kriminellen schützen können. Er macht auch Hausbesuche.

„Ich möchte die Menschen misstrauisch machen“, erklärt Gerd Sauer. Wir haben den Seniorensicherheitsberater zu einer Informationsveranstaltung beim CDU-Ortsverband Eppendorf/Munscheid begleitet.

42 Jahre lang stand er im Dienst der Polizei, unter anderem als Leiter der Mordkommission, Brandsachverständiger und Leiter der Hauptwache in Bochum. Nun ist er 68, pensioniert und immer noch engagiert. „Einmal Polizist, immer Polizist“, sagt er ganz lapidar. Es ist ihm ein Bedürfnis, Menschen - vor allem ältere - über Gefahren aufzuklären.
„Viele Senioren sind weniger argwöhnisch als jüngere Leute“, weiß er zu berichten. „Wer viel alleine ist, freut sich über jeden Kontakt“, kann Gerd Sauer nachvollziehen. „Da haben es Betrüger oft leicht.“
Zwei bis drei Informationsabende leitet Gerd Sauer pro Monat. Beim CDU-Ortsverband trifft er auf lebhafte und interessierte Senioren, die wissen wollen, wie sie sich verhalten sollen. „Misstrauisch sein“, ist Sauers erste Empfehlung. Und das bitte auch höflichen und freundlichen Menschen wie ihm gegenüber! Die erste Lektion erteilt er schon zu Beginn. „Während ich die Zuhörer reihum begrüße, stibitze ich gerne dies und das, damit sie merken, dass sie in jeder Situation aufmerksam sein müssen.“
An diesem Abend kommt dabei allerdings nicht allzu viel herum. „Die Menschen hier scheinen sehr vorsichtig zu sein und lassen kaum etwas auf dem Tisch liegen zu lassen“, bemerkt er zufrieden. Doch die Kamera des Vorsitzenden sowie die Sammelbüchse kann er trotzdem unbemerkt einstecken. Beides gibt er auch natürlich wieder zurück.
Der ehemalige Polizist wirbt auch dafür, ein aufmerksamer Nachbar zu sein. „Wenn jemand wochenlang tot in der Wohnung liegt, stimmt etwas nicht mit der Nachbarschaft“, findet er. „Soziale Kontrolle“ ist sein Stichwort dazu. „Es geht nicht um Neugierde, sondern um Interesse am Mitmenschen“, wirbt er dafür, nicht aneinander vorbei zu leben und ein Ohr dafür zu haben, wer im Hausflur ein und aus geht.
Das nächste Thema: Hilfsbereitschaft. Natürlich hilft man gerne, wenn eine Schwangere an der Haustür um ein Glas Wasser bittet - doch das wird gerne ausgenutzt. „Lassen Sie niemals Fremde in Ihre Wohnung“, schärft er den Anwesenden ein. Auch keine unangekündigten Handwerker oder Stadtwerker. „Eine Person lenkt sie ab, während eine andere sie ausraubt“, warnt der ehrenamtliche Sicherheitsberater.
Auch am Telefon treiben Kriminelle ihr Unwesen. Der „Enkeltrick“ funktioniert - trotz aller Aufklärung - immer noch. Dabei geben sich Unbekannte als Familienangehöriger aus, der dringend Geld braucht. Das soll dann von einem Boten abgeholt werden. „Händigen Sie niemals einem Fremden Geld aus. Rufen Sie lieber die 110, wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt. Die Kollegen kommen lieber einmal zu oft als einmal zu wenig“, rät Sauer.
Geradezu schockiert über den Leichtsinn reagiert der 68-Jährige auf den Bericht einer rüstigen, aufgeweckten Dame. Nachts um 4 Uhr sei sie aufgewacht, weil aus dem Untergeschoss Geräusche zu vernehmen waren. Sie eilte herunter und konnte gerade noch einen Einbrecher verscheuchen. „Wie verhalte ich mich in so einer Situation richtig?“, will sie wissen. „So auf jeden Fall nicht“, insistiert Gerd Sauer. „Da hatten Sie viel Glück, dass Sie nicht angegriffen wurden!“, stellt er klar. Sein Rat: Immer ein Telefon neben dem Bett stehen haben und die Polizei zu Hilfe rufen. Auf keinen Fall sich selbst in Gefahr bringen.
Präventiv sollte man sich mit einem Alarmmelder schützen, den man schon für kleines Geld im Baumarkt bekommen. Diesen bringt man an Fenster oder Wohnungstür an. Sollte jemand diese unbefugt öffnen wollen, geht ein Alarm los, der die Einbrecher in den meisten Fällen verscheucht. Auch Bewegungsmelder erachtet Sauer als hilfreich. Etagenwohnungen empfiehlt er mit einem Querriegelschloss zu sichern. „Es gibt keine 100%-ige Sicherheit“, muss er zugeben, aber man kann den Schutz auf jeden Fall erhöhen.
Beruhigen kann er die Anwesenden zum Schluss aber auch: „Der Einbruchsradar meldet: Eppendorf ist zur Zeit sauber.“
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