Zeche Hannover: Vom gestorbenen Pütt zum Industriemuseum

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Seit 2001 ist die Zeche Hannover (1/2) in Hordel Industriemuseum. Einer der beiden Malakow-Fördertürme blieb erhalten, ebenso das Maschinenhaus mit der restaurierten Fördermaschine. Im Vordergrund die Zeche Knirps, Attraktion für alle jungen Museumsbesucher. (Foto: LWL/Sagurna)
 
Vier Jahre nach der Stilllegung präsentierte sich die Zeche noch so. (Foto: LWL/Schaumann)

Ostersonntag vor genau 40 Jahren ging in Bochum eine Ära zu Ende: Die Zeche Hannover wurde als letztes Bergwerk der Stadt stillgelegt.

Zur Geschichte:

Die ersten Jahre der Zeche Hannover waren von Krisen und Rückschlägen gekennzeichnet. Nachdem bereits 1847 im Bohrloch „Sechs Brüder“ erfolgreich Kohlen gefunden wurden, dauerte es zehn Jahres, bis der Bau der Zeche und das Niederbringen der Schächte beginnen konnten.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Probleme mit den großen Mengen eindringenden Grundwassers führten dazu, dass kurz nach Fertigstellung des Malakowturms über Schacht I die Betreibergesellschaft „Hannoversche Bergwerksgesellschaft Hostmann & Co. Aktiengesellschaft“, von der sich auch der Name der Zeche herleitet, in Konkurs gehen musste. Die Nachfolgegesellschaft erlitt 1868 das gleiche Schicksal. Erst 1870 schrieb die Zeche erstmals schwarze Zahlen und wechselte kurz darauf abermals den Besitzer.
Der Essener Industrielle Alfred Krupp übernahm im Juni 1872 das Bergwerk zur Sicherung der Kohleversorgung seiner Betriebe. So wurde die Zeche Hannover, die auch über eine Schachtanlage in Günnigfeld (3/4)verfügte, zu ersten Krupp-Zeche im Revier.
Krupp und seine Nachfolger investierten in den Ausbau des Bergwerks und entwickelten so die Zeche Hannover zu einem Zentrum technischer Innovationen. Der von Krupp eingestellte Betriebsleiter Friedrich Koepe entwickelte hier 1877 ein neues Fördersystem, das wegweisend für die Förderung aus großen Tiefen wurde und bis heute weltweit im Einsatz ist: die Koepe-Förderung. Und der Tradition der Entwicklung von Fördertechniken folgend, konnte unter Zechendirektor Fritz Lange 1947 die weltweit erste Vierseil-Förderanlage im neu errichteten Förderturm über Schacht II in Betrieb genommen werden.
Die Kohleförderung in Günnigfeld wurde bereits 1932 aufgegeben. Nur noch die chemischen Nebenbetriebe übertage blieben aktiv. Sie bescherten dem Arial an der heutigen Martin-Lang-Straße große Mengen an Schadstoffen, die ins Erdreich flossen.
Im II. Weltkrieg war die Zeche Hannover mehrfach das Ziel von Bombenangriffen, die erhebliche Zerstörungen bei den Betriebsgebäuden anrichteten.
Die grundlegende Neuorganisation des Ruhrbergbaus mit Gründung der Ruhrkohle AG im November 1968 überdauerte die Zeche Hannover nur wenige Jahre: Nach Eingliederung in den Konzern wurde die Zeche Hannover am 31.3.1973 stillgelegt. Kurz darauf begann die Verfüllung der Förderschächte, die 1975 abgeschlossen war.
Nach einigen Jahren des Verfalls wurde die Zeche Hannover 1979 in das neu gegründete Westfälische Industriemuseum des LWL aufgenommen. Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten konnten 1995 die ersten Besucher das Industriedenkmal erkunden. Mit dem Kinderbergwerk Zeche Knirps und einem regelmäßigen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm nahm die Zeche 2001 den ersten Museumsbetrieb auf. Heute bilden die Industriekultur, die Migrationsgeschichte und die kulturelle Vielfalt die Themenschwerpunkte des LWL-Museums, die jährlich mehr als 30.000 Besucher locken.
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Volker Dau aus Bochum | 03.04.2013 | 18:26  
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