SGW: Am Ende war nur noch unendlicher Jubel

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Nach dem Abpfiff war kollektiver Jubel angesagt. FOTO: Peter Mohr
War das ein Spiel! Die SG Wattenscheid 09 besiegte den Meisterschaftsmitfavoriten Borussia Mönchengladbach U23 nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2 und kletterte in der Tabelle an RW Essen vorbei auf Rang vier. Eine eindrucksvolle kämpferische Leistung der dezimierten 09er – wahrscheinlich das stärkste Saisonspiel der Truppe von Trainer Farat Toku. Aus Sicht der Fans könnte das Wochenende jetzt noch durch die Bekanntgabe der Vertragsverlängerung mit dem Coach ein Sahnehäubchen erhalten.

Die 09er mussten vor exakt 622 Zuschauern auf ihre beiden Leistungsträger Jonas Erwig-Drüppel und Manuel Glowacz sowie den gelb-gesperrten Nils Hönicke verzichten. Erwig-Drüppels Platz in der Startformation übernahm Aram Abdelkarim.
Nach einer knappen Viertelstunde nahm die Partie richtig Fahrt. Zunächst bekam Daniel Keita-Ruel im Gladbacher Strafraum das Leder nicht unter Kontrolle, und auf der anderen Seite zielte Sow nach einem tollen Zuspiel des in der ersten Halbzeit sehr auffälligen Mike Feigenspan knapp am linken Pfosten vorbei.
Und Feigenspan war es auch, der in der 16. Minute einige Sekunden der Unachtsamkeit auf dem Platz zur Gladbacher Führung ausnutzte. Als einer seiner Mitspieler verletzt auf dem Rasen lag, zögerten die Borussen zunächst mit dem Weiterspielen, Feigenspan nahm dann Tempo auf und schloss von der halblinken Seite erfolgreich ab.
Fast im direkten Gegenzug hätte die SGW wieder gleichziehen können, doch Aram Abdelkarim zögerte nach einem Querpass von Demir Tumbul fünf Meter vor dem Tor etwas zu lange und traf dann nur das Außennetz. Zehn Minuten später fehlte auch Kapitän Nico Buckmaier im Strafraum in halbrechter Position die letzte Entschlossenheit zum Abschluss.

Wichtiges Anschlusstor vor der Pause
Stattdessen nutzten die Gäste vom Niederrhein im Stil einer Spitzenmannschaft in der 36. Minute einen schnell vorgetragenen Angriff durch Sow zum 2:0. Doch die Gastgeber zeigten sich nicht geschockt, schüttelten sich einmal kräftig und präsentierten fünf Minuten später ihre Antwort. Nico Buckmaier hatte sich auf rechts durchgesetzt, Schlussmann Hiemer konnte seinen Schuss parieren, aber nur nach vorn abwehren. Demir Tumbul (Doppeltorschütze vom letzten Samstag) staubte zum psychologisch wichtigen 1:2 kurz vor dem Pausentee ab.
Nach dem Seitenwechsel legten Buckmaier und Co noch einen Zahn zu und verstärkten den Druck auf das Gladbacher Tor. Demir Tumbul war aus spitzem Winkel in der 56. Minute noch gescheitert, doch zwei Minuten später jagte der wieder einmal enorm zweikampfstarke Matthias Tietz das Leder nach einer zu kurz abgewehrten Ecke aus 25 Metern an Freund und Feind vorbei halbhoch in die Maschen. Das erste Saisontor für den 09-„Abräumer“ - für den Alonso von der Lohrheide.
Wenig später reagierte Schlussmann Edin Sancaktar ganz stark gegen den eingewechselten Rütten, und wenig später musste der 09-Keeper außerhalb des Strafraums mit dem Fuß gegen Sow „löschen“.

Ein Sieg der großen Moral
In der Schlussphase spielte die Toku-Truppe weiter energisch nach vorne. Nach einer Ecke des erstmals nach seiner langen Verletzungspause wieder eingewechselten Berkant Canbulut wurde das Leder in der 89. Minute zweimal abgefälscht, ehe Borussen-Schlussmann Hiemer im kurzen Eck zufassen konnte.
In der Nachspielzeit gelang dann noch der „Dreier“. Nach einer weiteren Canbulut-Ecke von der linken Seite sprang das Leder einem Gladbacher Abwehrspieler, der den Arm nicht angelegt hatte, an die Hand und Jonathan Lautz, der jüngste Regionalligareferee aus dem Siegerland, zeigte sofort auf den Punkt. Eine harte, aber durchaus regelkonforme Entscheidung. Angelo Langer schnappte sich das Leder und verwandelte eiskalt. Auch für den Ex-Rödinghausener war es der erste Saisontreffer – danach gab es nur noch unendlichen Jubel in der Lohrheide.
„Wer nach einem 0:2-Rückstand so zurück kommt, dem muss man gratulieren – auch wenn man selbst ein wenig schlucken muss“, meinte Gladbachs Coach Arie van Lent.
„Heute war auch einmal ein wenig das Glück auf unserer Seite. Aber die Leidenschaft, die die Mannschaft gezeigt hat, war klasse. Die Jungs haben an sich geglaubt und sind belohnt worden. Ich kann vor jedem einzelnen Spieler nur den Hut ziehen. Und wenn wir nun auf die Tabelle blicken, können wir schon ein wenig stolz sein.“ Wahre Worte, denn der Abstand auf den nächsten westfälischen Regionaligisten (SV Rödinghausen) ist auf sieben Punkte angewachsen, und das Hintertürchen für den DFB-Pokal ist nun einen größeren Spalt geöffnet. Darüber hinaus war es der erste 09-Sieg gegen Gladbach seit dem Regionalliga-Wiederaufstieg.


Sancaktar, Traoré, Clever, Schneider, Langer, Tumbul, Tietz, Abdelkarim (57. Canbulut), Buckmaier (90. Tanidis), Demircan (84. Neustädter), Keita-Ruel.

Tore: 0:1 Feigenspan (17.), 0:2 Sow (36.), 1:2 Tumbul (41.), 2:2 Tietz (58.), 3:2 Langer (90+3.)

Zuschauer: 622

Gelbe Karte: Demircan (76.), Langer (90 +3.)

Weitere Fotos aus dem Lohrheidestadion in unserer Bildergalerie http://www.lokalkompass.de/wattenscheid/sport/foto...
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1 Kommentar
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Rainer Bresslein aus Wattenscheid | 11.03.2017 | 17:29  
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