Das erstaunliche Leben des Friedebert „nicht-von“ Lüsterkronen

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Heute möchte ich euch eine wahrhaft erfundene Geschichte erzählen von einem netten, jungen Herren Namens Friedebert Lüsterkronen. Friedeberts Vorfahren waren einst von adeliger Herkunft, aber schon sein Vater Ludwig hatte sich mitte/ende der 60er Jahre das „von“ aus dem Namen „operativ entfernen“ lassen, wie er damals immer zu scherzen pflegte. Das hatte vor allem mit seiner heiß geliebten Anne Schröter zu tun welche als überzeugtes SPD-Mitglied, er mit dieser Tat an sich zu binden getrachtet hatte. Nach einem leidenschaftlichen Sommer jedoch, voller Liebe und Leid, gingen Ludwig und Anne wieder getrennte Wege, aber das „von“ wollte er dann auch nicht mehr zurück.
Ein halbes Jahr später hatte Ludwig dann seine spätere Ehefrau Isabella kennen gelernt, eine aus dem Geschlecht der Merowinger (ja wirklich!) die im Zuge der 68er Bewegung von einer Lady zu einem Tramp mutiert war, was beinahe zu einer vollständigen Enterbung geführt hatte. Nur Ludwigs diplomatischem Geschick, seinem hingebungsvollem Einfühlungsvermögen und endloser Diskussionen war es geschuldet, dass Isabella sich mit ihrer Familie wieder aussöhnen konnte. Der fabrikneue Porsche, den Isabella zu ihrem 21. Geburtstag auf ihrem Gabentisch vorfand, hatte da wirklich nur eine ganz untergeordnete Rolle gespielt!
Wie auch immer, als der kleine Friedbert dann 1971 das Licht der Welt erblickte, war das familiäre Glück perfekt. Befreit von der Last eines uralten Adelstitels und dank der Übung im Umgang mit dem einfachen Volk, fand Ludwig bald eine lebenslange Anstellung in einem jungen aber aufstrebenden Unternehmen, wo er sich blitzschnell vom Direktor zum Vorstandsvorsitzenden hocharbeitete.
Friedbert hatte also eine weitgehend unbeschwerte und behütete Kindheit. Er lernte viel wenn auch nicht schnell, aber was ihm an Begabung fehlte machte er durch Enthusiasmus wieder wett.

Und natürlich entpuppte sich die Mischung aus guten Manieren, Kontakten in die bessere Gesellschaft und der Bodenständigkeit des Proletariats schon für den 10-jährigen Friedebert als echter Vorteil. Wenn er zusammen mit seinem Kumpel Klaus von Scholinghausen während der Pausen auf dem Schulhof, mit freundlichem Verkaufstalent den anderen Kindern Bonbons incl. einer Mitgliedschaft im 'Club der wilden Kerle' feilbot so lautete ihr Motto „Keine Bonbons, kein Club, keine Feiglinge“ (genau in dieser Reihenfolge), ein äusserst wirksamer Werbespruch, der Friedebert und Klaus bis in die Gegenwart in tiefer Freundschaft auch geschäftlich vereint.

Im Jahre 1993 lernte Friedebert seine spätere Ehefrau Patricia auf einer Acid-House-Party in Düsseldorf kennen. Es war Glück im Unglück, denn nachdem er ihr ein paar „Pillen“ verkauft hatte war es genau unser junger dynamischer Unternehmer, welcher bei Patricia fachmännisch die Wiederbelebung übernahm. Horst Speckmann, Patricias liebender Vater war überglücklich und schloss Friedebert sofort sein Herz nachdem er ihn krankenhausreif geschlagen hatte, denn seinem kleinen Mädchen hatte Horst noch nie etwas abschlagen können und schließlich hatte Friedebert geschworen nie wieder Drogen zu verkaufen und sich auch echt lange daran gehalten. Ausserdem hatte der seit 1989 arbeitslose Horst sich so sehr über die Stelle als Hausmeister gefreut, die er dank Friedberts Kontakten zu den örtlichen Wohnungsbaugesellschaften bekam.

Dann 1995 bei der Eröffnung des Rehabilitationszentrums, finanziert durch 'Fred's und Pat's' Stiftung „Keine Macht den Party-Drogen“ gab man feierlich die Verlobung bekannt.

Es folgten drei hübsche Töchter Cheyenne, Charity und Chastity. Cheyenne beginnt demnächst ihr BWL-Studium und engagiert sich nebenher ehrenamtlich für die Düsseldorfer Suppenküche, an den hohen Feiertagen sogar „direkt am Mann“ bei der Essensausgabe.

Aber Friedeberts Werdegang war nicht immer nur von der Sonne beschienen. Nach der Finanzkrise von 2008 verlor Patricia schließlich die Geduld mit ihrem Gatten, wandte sich stattdessen einem großen griechischen Reeder zu und nannte sich fortan „Patty O.“ Von ihrer Weltumseglung Richtung Südamerika sind die beiden bis heute nicht zurück gekehrt. Man munkelt, dass bereits an der Lateinamerikanischen Küste besagter Reeder mit Patty die Geduld verlor und sie nun als Blues-Sängerin durch die Bars einer brasilianischen Favela tingelt. Glaubwürdiger erscheint vielen jedoch das Gerücht, dass sie Erleuchtung fand in einem Ashram und sich nun „Patty Oh!“ nennt, mit einem 'H' und einem Ausrufezeichen (ganz wichtig!)

Verlassen von der Frau und den Kindern im schweizer Internat wandte Friedebert sich nun intensiv seinen Geschäften zu. Aber mit ende 30 läuft selbst bei einem Self-Made-Man nicht mehr alles so leicht von der Hand. Das familiäre Wohlstandsbäuchlein, die fortgeschrittene Kahlköpfigkeit und die beginnenden Sehschwäche engten nicht nur seine Chancen in der Damenwelt erheblich ein, nein auch karrieretechnisch wollte ihm nichts rechtes mehr gelingen. So nahm er seine bescheidene zwei millionen-Euro-Abfindung, die ihn gerade noch vor dem Armenhaus rettete, nahm sich ein bescheidenes Apartement im Düsseltal und fing an wie der Teufel im Fitnesstudio zu trainieren. Und so wuchsen die Muskeln im gleichen maße, wie Bauch und Girokonto dahin schmolzen und Friedebert wähnte sich in einer neuen Form der Gelassenheit gegenüber den alten, überkommenen Konventionen. Er liebte das Mädchen das am Eiweis-Shake-Stand bediente …. manchmal leidenschaftlich, aber nicht allzu oft …. joggte stundenlang das Rheinufer hinunter und meditierte zu esoterischer Musik und Räucherstäbchen.

Das war nun Friedeberts Leben und sicher wäre es bis zum Ende der Abfindung so weitergegangen, wenn da nicht eines Tages eine gute Fee in Form eines hippen Vertreters für Nahrungsergänzungsmittel an die heiligen Hallen seines bevorzugten Gymnasions geklopft hätte.
„Jestatten, ick bin der Robert von Turn und Toxis haha, ne ernsthaft, nennt mir Bobby, aber ohne Jraf davor. Ick bin hier um eusch meene neujeste Kollekssion nicht-steroider Nahrungserjänzungsmittl vor zum stell'n. Un' osserdem noch denn allerneuesten Knaller hier, kiekt mal, det is en so jenanntet Fitnessärmband, det tuter euch ummet Handjelenk wickeln und det zählt denn de Schritte wo ihr machen tut. Und für'n lächerlichn Uffpreis von nur neununachtzichfümmenneunzich jibbet noch ne Äpp dabei die eure Vitalparameter anne Jesundheitskasse mailen tut. Sozusachen bei juter Führung (haha) jibbet denn Rabatt bei die monatlüschen Beitrachssätzze.“

Das lies sich der Friedebert nicht zweimal sachen (pardon) sagen. Noch bevor er seine Kreditkarte durch das Lesegerät ziehen konnte, war dieses Wunderwerk modernster Elektronik schon um sein Flexor Retinaculum gewickelt. Der Beginn einer neuen Liebe, echt jetzt.

ENDE

… es sei denn, mir fällt in der Zukunft noch eine Fortsetzung ein. Zum Beispiel wie Friedebert den 'Nicht-Graf' Bobby unter seine Fittiche nimmt, indem er ihn immer wieder eine Partitour aus My fair Lady rezitieren lässt. Und wie sich Bobby als Computergenie heraus stellt und eine App entwickelt die so intelligent ist, dass sie einem in Millisekunden den Zeitpunkt errechnet, an dem man das nächste mal die Toilette aufsuchen muss, incl. exakter vorhersage von Farbe und Konsistenz. Was dann aber unweigerlich zu Friedeberts und Bobbys Entzweiung führen muss aufgrund eines unlösbaren Konflikts um die Patentrechte. Und wenn ich dann noch bock habe, entwickelt die App eventuell noch ein eigenes Bewusstsein und niemand bekommt rechtzeitig mit, dass sie die Weltherrschaft längst an sich gerissen haben wird.

In diesem Sinne
Live long and prosper
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7 Kommentare
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 01.12.2016 | 20:27  
Dirk Bohlen aus Wesel | 02.12.2016 | 06:35  
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 02.12.2016 | 07:17  
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 02.12.2016 | 12:45  
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Angelika Maier aus Moers | 03.12.2016 | 08:34  
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 03.12.2016 | 17:33  
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 03.12.2016 | 17:48  
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