Lieber Neithard,
das was du , glaube ich, vermißt, ist das gute alte Zusammengehörigkeitsgefühl, die sozialen Strukturen?
Als wir damals spielten, natürlich überall im Dorf und ohne genormten, TÜV geprüftem Spielplatz, musste nur Mittags Ruhe sein. Aber da waren wir ja meist in der Schule. Und wer wollte sich über Kinderlärm beschweren, wenn doch die eigenen Kinder in der Horde dabei waren?
Hunde? In der Stadt? Selbst auf dem Dorf hatten fast nur die Jäger und Bauern Hunde. Da gab es keinen Platz für unnötige Fresser. Es gab noch Familie, Opa und Oma, Tanten und Onkel und Nachbarn die die soziale Komponente bedienten. Nicht das vermenschlichte Schmusetier, das auf dem eigenen Sofa schläft und sich die "Kackerei" auf eine Viertelstunde am Tag "verkneifen" muss. Notfalls werden dann die Schmusetiere noch aus dem Ausland "gerettet", damit sie hier entweder in Tierheimen vor sich hin vegetieren, oder als Kinderersatz bei meist unfähigen und "ungünstig wohnenden" Menschen landen. Natürlich kostenintensiv vorher durch Kastration des Großteils ihrer natürlichen Instinkte beraubt.
Aber letztendlich erfüllen diese Hunde und Katzen (auch und oft (leider) bei älteren Menschen) eine soziale Ersatz Funktion, die eben durch den Wegfall der Großfamilien, der sozialen Strukturen, immanent wurde. Der Rückgang der Geburtenrate in Deutschland zeigt meiner Meinung nach auf, dass die Gesellschaft kinderunfreundlicher geworden ist. Es wird gerechnet bevor ein Kind "geplant" wird. Kosten Nutzen Rechnung unter Einbeziehung der Zukunft der Kinder. Was soll dabei rauskommen?
Die echte soziale Komponente ist irgendwie nicht mehr da. Die muss im Trubel der Hektik, dem Zwang nach immer mehr Konsum, dem "Wachstum" untergegangen sein.
Und in diesem, der Bedienung des Kettenbriefes geschuldetem, Wachstum wirst du auch aufs feinste isolierte Häuserfassaden zu sehen bekommen, auch die letzte Bruchbude werden sie uns zwingen zu sanieren. Des Klimas und des Wachstums wegen.
Alles wird gut.
lg
Alf




