Darmoffensive – Wer nicht fragt, ist selber schuld!

Dr. Wolfram Kalitschke, Innere
Der menschliche Darm (Intestinum) ist ein Wunderwerk. Hätten Ingenieure ihn konstruiert, wären sicherlich einige Jahre der Entwicklungszeit von Nöten gewesen. Denn er „kommuniziert“ quasi mit allen anderen Organen. Imposant sind alleine schon seine Dimensionen: der im Oberbauch liegende Zwölffingerdarm (Duodenum) ist etwa 30 Zentimeter lang, der Dünndarm (Ileum) kommt auf eine Länge von über fünf Metern und der Dickdarm misst circa 1,5 Meter. Lediglich rund 16 Zentimeter lang ist der Enddarm (Rektum), der dann über den After (Anus) das Körperinnere mit außen verbindet.
Schlangenförmig gewunden liegen die unterschiedlichen Darmabschnitte im Bauchraum (Abdomen) und sorgen in unterschiedlicher Art und Weise dafür, dass das Essen verdaut wird. Was oben im Mund aufgenommen und durch Kauen zerkleinert wird, kommt dann über die Speiseröhre in den Magen, um dort durch reine unwillkürliche Muskelarbeit zum Nahrungsbrei geknetet zu werden. Von dort aus wird er in die oberen Darmabschnitte übergeben, die biologischen Bestandteile werden verstoffwechselt und es geht weiter in die unterschiedlichen Abschnitte des Dickdarms, die auf-, quer- und absteigend verlaufen. Deren Hauptaufgabe besteht darin, den Nahrungsbrei durch Wasserentzug immer mehr einzudicken und mittels kräftiger Darmbewegungen immer weiter voran zu treiben und zu formen. Im unteren S-förmigen Teil (Sigma) und im Mastdarm wird der Stuhl dann gespeichert, bevor er dann beim willentlichen Toilettengang entleert wird.
Blutgefäße, Lymphbahnen und Nerven verbinden den Darm mit den anderen Körperorganen. Entsprechend wird rasch klar, wie sensibel das System ist und warum sich krankhafte Vorgänge, die sich hier abspielen, auf den restlichen Körper auswirken.
In der modernen westlichen Welt leiden viele Menschen unter Hämorrhoiden und anderen proktologischen Erkrankungen wie Fissuren, Fisteln oder Analabszessen. Darüber reden möchte keiner gerne, die Scham ist meist zu groß. Da behelfen sich die Betroffenen dann mit freiverkäuflichen Mittel aus der Apotheke, die jedoch, wenn überhaupt, lediglich die Symptome bekämpfen. „Der eigentlichen Ursache wird damit nicht auf den Grund gegangen, was fatale Auswirkungen haben kann“, weiß Dr. med. Carsten Vogel, aus seiner täglichen Arbeit im Enddarmzentrum Wesel zu berichten. Dabei könnte ein in der Regel relativ kleiner proktologisch-operativer Eingriff Erleichterung bringen und das tägliche „Rendezvous“ mit dem WC wieder schmerzfrei gestalten.
Immer wieder ein Thema ist der Darmpilz. Dieser jedoch ist ein natürlicher Bestandteil der Darmflora, der keiner Therapie bedarf! Entsprechend gehören Fragestellungen dazu sowie die Abgrenzung zu gastroenterologischen Erkrankungen stets in Expertenhände. Das ist auch der Fall beim sogenannten Reizdarmsyndrom (RDS), das vielen zu schaffen macht. Stress und unregelmäßig eingenommene Mahlzeiten führen nicht selten zu Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfen und Unwohlsein im Bauch, meist auch noch einhergehend mit veränderten Stuhlgewohnheiten. Durchfall und Verstopfung wechseln sich ab und belasten die Betroffenen sehr. Dieses Leiden verunsichert viele und sollte auf jeden Fall sorgfältig abgeklärt werden.
Nicht wenige Menschen plagen sich regelmäßig mit Bauchschmerzen herum ohne zu wissen, was genau dahinter steckt. Oft können Verwachsungen dafür verantwortlich gemacht werden, nicht selten aber auch eine akute oder chronische Darmdivertikel-Erkrankung. Divertikel sind papierdünne Aussackungen der Darmwand, die aus Ernährungsgründen vorhanden sind. Typische Beschwerden sind linksseitige Unterbauch– oder Flankenschmerzen, Fieber, Stuhlunregelmäßigkeiten und chronische Blasenentzündungen. Eine Divertikel-Entzündung kann im schlimmsten Fall sogar böse Folgen haben und schränkt, wie die bereits erwähnten Leiden, die Lebensqualität nachhaltig ein.
Bei Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa handelt es sich um zwei chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. So bekannte sich denn auch unlängst „Dschungelkönig“ Menderes Bagci öffentlich im TV dazu, dass er bereits seit Jahren unter der letzteren leide. Die beiden Erkrankungen ähneln sich in deren klinischen Symptomatik, finden aber in unterschiedlichen Darmabschnitten statt. Immer wiederkehrende, starke und langanhaltende Durchfälle, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Müdigkeit zehren und schwächen die Erkrankten zunehmend. In beiden Fällen ist eine engmaschige Begleitung durch einen versierten Facharzt für Gastroenterologie unumgänglich.
Eine gute Diagnostik beinhaltet stets eine Blutuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung und auf jeden Fall eine Darmspiegelung (Coloskopie), um sicher eine onkologische Erkrankung auszuschließen. Aber wer nun denkt, dass sich Darmkrebs stets dramatisch mit viel Blut im Stuhl zeigt, der irrt. Das Coloncarcinom ist ein stummer Krebs, der sich sehr langsam entwickelt. Das heißt, der betroffene Mensch fühlt sich über viele Jahre fit und gesund und merkt nichts von dem Tumor, der langsam in ihm heranwächst. Darmkrebs verursacht im Frühstadium keinerlei Beschwerden, gerade das macht ihn so gefährlich. „Manchmal ist man selbst als Chirurg über das Ausmaß dann doch überrascht“, weiß Dr. med. Olaf Hansen aus seiner täglichen Arbeit im OP zu berichten. Aber erfreulicherweise hat sich in der Bauchchirurgie in den letzten 15 Jahren unheimlich viel verändert. In spezialisierten Zentren, wie dem Darmzentrum Wesel werden viele Darmeingriffe über die Schlüssellochtechnik operiert. Der große Bauchschnitt ist somit die Ausnahme. Dadurch sind Patienten viel weniger von Komplikationen bedroht und der früher übliche schnittbedingte starke Schmerz tritt nicht mehr auf. „In der Folge brauchen unsere Patienten somit auch nach großen Darmoperationen häufig etwa nur 7 Tage nach der OP im Krankenhaus verbleiben“, so Dr. Hansen.
Es kann bis zu zehn Jahre dauern, bis beim Betroffenen die ersten Symptome auftreten und wahrgenommen werden. Entsprechend wichtig ist die Vorsorge, denn besonders mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko dafür. „Das heißt aber noch lange nicht, dass jüngere Menschen generell davon verschont bleiben“, gibt Onkologe und Gastroenterologe Dr. med. Wolfram Kalitschke zu bedenken. Auch diese können erkranken, insbesondere dann, wenn ein erhöhtes familiäres Risiko vorliegt! Dazu muss man wissen, dass bei rund 20 - 25 Prozent aller Darmkrebsfälle eine erbliche Veranlagung ursächlich ist. Entsprechend sollte sich gerade diese genetische Risikogruppe frühzeitig einem regelmäßigen Untersuchungsrhythmus unterziehen, damit bereits Krebsvorstufen, wie z.B. Polypen, möglichst früh erkannt werden können. Zudem sollten sich auch Menschen, die unter einer diagnostizierten Glutein-Unverträglichkeit leiden, unbedingt an ihre glutenfreie Diät halten. Denn eine unbehandelte Zöliakie birgt ein erhöhtes Lymphomrisiko. Entsprechend empfiehlt sich auch für diese Gruppe ein regelmäßiger Darmcheck. Mit dem Ballon-Enteroskop kann im Rahmen einer Darmspiegelung beurteilt werden, ob Dünndarmabschnitte betroffen sind.
Darmkrebsvorsorge ist, dank der öffentlichkeitswirksamen Kampagne der Felix-Burda-Stiftung, alljährlich das zentrale Thema im Monat März. Prominente werben in Funk und Fernsehen für die Vorsorge-Darmspiegelung, die die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten ab 55 Jahren nahelegen. Denn: jährlich erkranken weit mehr als 60.000 Menschen neu an Darmkrebs, mehr als ein Drittel stirbt leider immer noch daran. Dabei ist diese Krankheit, wird sie früh genug erkannt, gut heilbar.
Informationen rund um die genannten Darmerkrankungen, die Möglichkeiten der Darmkrebsprophylaxe, die Leistungen des Enddarmzentrums Wesel sowie der proktologischen Ambulanz und des Darmzentrums am Evangelischen Krankenhauses Wesel und Stellungnahmen zur Methodik der Vorsorge-Darmspiegelung gibt es am 9. März beim Expertentelefon oder im Live-Chat zwischen 15 und 18 Uhr.
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