Kreissynode macht den Weg frei für die Sanierung des Lutherhauses

 
Klaus-Rüdiger Mai (rechts) und Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (links daneben) als Gäste auf der Kreissynode

Die Kreissynode hat sich am Freitag, 4. November, in Wesel nach längerer Debatte für die Sanierung des Lutherhauses, des Verwaltungsgebäudes aus den 70 Jahren, ausgesprochen. Damit ist klar, dass auch zukünftig die Diakonie des Kirchenkreises, das Verwaltungsamt und das Gemeindeamt der Evangelischen Kirchengemeinde unter einem gemeinsamen Dach am Standort in der Korbmacherstraße verbleiben sollen.

Die Entscheidung folgte einer intensiven Diskussion, die schon im Vorfeld in verschiedenen Beratungsgremien geführt worden war und nun auf der Synode zum Abschluss gebracht wurde. Zuvor hatte es auch Vorschläge von Synodalen gegeben, die für einen Abriss bzw. Neubau an anderer Stelle oder eine Miete vorhandener Gebäude votiert hatten. Entscheidendes Argument für den Verbleib und die Sanierung war aber aus der Sicht des Kreissynodalvorstands das "Gesamtensemble von historischen und neuem Lutherhaus". Es solle so erhalten bleiben und damit weiterhin ein erkennbarer Standort für die Marke "Evangelisch in Wesel" sein.

Letztendlich wurde folgender Beschluss mit komfortabler Mehrheit gefällt: Der Verbleib des Verwaltungsamtes des Kirchenkreises und der Einrichtungen des Diakonischen Werkes im Verwaltungsgebäude, die Übertragung der Eigentumsanteile des Kirchenkreises auf den Haupteigentümer (Ev. Kirchengemeinde) und Bereitstellung von Mitteln aus einer sogenannten "Substanzerhaltungsrücklage" für die Sanierung. Damit ist nun der Weg frei für eine baldige Sanierung des Komplexes aus den 70er Jahren. Derzeit werden Mittel von ca. 2,5 Millionen Euro dafür veranschlagt.

In seinem Bericht ging Superintendent Thomas Brödenfeld auf das rheinische Motto des Reformationsjubiläums ein, das sich auf Hanns Dieter Hüsch beruft ("Ich bin vergnügt, erlöst, befreit!"). Er lobte den Kabarettisten und spät berufenen Prediger, der das "Schwere leicht gesagt" habe. Brödenfeld äußerte sich kritisch zu dem Programm des Deutschen Ev. Kirchentags im Reformationsjubiläumsjahr, der Ende Mai stattfindet. Er bezeichnete den Kirchentag als eine "stylisch-vegane Wanderausstellung", die alle zwei Jahre ein "hedonistisches 'all-inclusive-Angebot`' von Anselm Grün bis zu den Wise Guys" anbiete. Er plädierte für mehr "reformatorische Klarheit" vor allem auch im Dialog mit dem Islam und lehnt z.B. eine grundsätzliche Gesprächsverweigerung mit Vertretern der AfD ab.

Der Superintendent erwähnte in seinem Bericht auch die Schwierigkeiten bei der Versorgung von Pfarrstellen im Kirchenkreis, die durch die langwierigen Erkrankungen zweier Pfarrstelleninhaber in Bislich-Diersfordt-Flüren bzw. Haldern, bedingt waren. Hier konnten Vertretungen die Phasen der Vakanz inzwischen überbrücken.

Schließlich konnte er vermelden, dass die neue "Evangelische Kirchengemeinde an der Issel" nun endgültig ab 1.1.2017 an den Start gehe und die Gründungsfeier am 5.3.2017 stattfinden könne.

Am zweiten Tag stand das Referat des Autors und Publizisten Klaus-Rüdiger Mai im Vordergrund. Unter dem Titel "Gehört Luther zu Deutschland?" stellte er seine Thesen zur Diskussion mit dem Schwerpunkt, dass man wieder zum eigentlichen "Kern" Luthers zurückkehren müsse. Die Kirche dieser Tage habe sich von der Radikalität Luthers entfernt und sich viel zu sehr mit "Politik" beschäftigt. Man könne von Luther "Freiheit lernen". Er werde heutzutage zu Unrecht häufig aus kirchlichen Reihen als "Antisemit" gesehen, er sei aber höchstens antijudaistisch gewesen, was typisch für die Zeit war. Oberkirchenrätin Barbara Rudolph von der Evangelischen Kirche im Rheinland wollte hier keinen so großen Dissens zum Leitungshandeln der Kirche sehen und betonte die ökumenische Weite des Reformationsjubiläums.
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