„Menetekel Auesee“

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(Foto: Claudia Bongers)
Zum Auesee ein Vogel strebt,
wo er jahrelang gelebt.
Als er endlich angekommen,
ist er aber wie benommen.
Brüchig seine Stimme klingt,
die ein traurig Lied uns singt:

Wo Hecken, Sträucher, manch ein Baum
uns Unterschlupf und Nahrung boten,
da ödet an ein leerer Raum,
gemacht für Picknick, Hundekoten.

Ob Angler, Segler, Taucher, Schwimmer,
sie störten den Betrieb am Nest,
doch Surfer mit dem Windgewimmer
besorgten nun den letzten Rest.

Die Gier, vertraut mit krummen Wegen,
ist wohl die stärkste Antriebskraft:
Das Holz, des schnellen Reibachs wegen,
wurd tonnenweise weggeschafft.

So musste wieder Leben weichen,
verschwunden ist ein ganzer Wald.
Es ist ein Töten ohne Leichen,
doch die im Rathaus lässt das kalt.

Weil kahle Schönheit ein Gebot,
macht Wesel sich zur Stadt der Leere,
bringt freie Sicht den leisen Tod
und Frevel den Verderbern Ehre.

Die Erde sei euch untertan?
Das habt ihr fein euch ausgedacht!
Wie sehr litt Gott an einem Wahn,
hätt er grad euch zu Herrn gemacht!

Natur ist´s nicht, die euch wird richten,
denn das besorgt ihr schon allein.
Dem Drange, Leben zu vernichten,
müsst ihr dann selbst ein Opfer sein.

Kann ein Vogelhirn uns lehren,
der Borniertheit abzuschwören,
um Vernunft zu lassen walten
und die Schöpfung zu erhalten?
Sollt das nicht gelingen bald,
wird´s nicht nur im Rathaus kalt.

Vesalia futuralis

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Ich als Frau im Altenhaus
kenne mich damit nicht aus.
Ewig würd ich dafür danken,
nicht etwa um Rechte zanken.

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