Saatkrähen im Kreis Wesel - was man tun kann und was man nicht tun darf

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(Foto: privat)

Saatkrähen verursachen Lärm und Schmutz, stehen aber unter Artenschutz. "Diese Tatsache macht die Saatkrähen nicht unbedingt sympathischer, sorgt aber dafür, dass sie nicht aussterben und dass die Artenvielfalt erhalten bleibt!" Dies lässt der Kreis Wesel in einer aktuellen Pressemitteilung wissen.

Die Mitteilung ist beinahe wissenschaftlich aufbereitet: Saatkrähen treten stets zu mehreren, stellenweise sogar zu Hunderten auf. Ihre ab frühmorgens ertönenden Rufe sind durchdringend laut und werden als störend empfunden. Ihre Ausscheidungen verschmutzen Fahrbahnen, Bürgersteige und Autos. Die Saatkrähe ist, wie keine andere Vogelart, immer wieder Anlass für Beschwerden.

Besondere Brennpunkte sind dabei unter anderem die Ringanlagen in Wesel und der Europaplatz in Xanten. Der Kreis Wesel kann diese Beschwerden sehr wohl nachvoll-ziehen, weist aber zugleich darauf hin, dass er für den Schutz der Saatkrähen und ihrer Kolonien verantwortlich ist.

Corvus frugilegus

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) erreicht eine Größe von 46 cm. Besonderes Kennzeichen ist ihr unbefiederter hellgrauer Schnabelgrund. Wie schon die wissenschaftliche Bezeichnung „frugilegus“ (= Früchte sammelnd) verrät, besteht ein großer Teil der Nahrung aus Früchten und Samen aller Art, aus Nüssen, Eicheln, Kirschen, Pflaumen und Wildbeeren; auch junge Getreidepflanzen werden aufgenommen. Insekten und deren Larven, Regenwürmer und Nacktschnecken bilden den Hauptanteil der tierischen Nahrung.

Saatkrähen brüten in Kolonien. Markante Laute sind für sie während des gesamten Brutgeschäftes typisch. Bereits ab Anfang Februar beginnen die Saatkrähen mit dem Bau der Horste in den Kronen zumeist höherer Bäume (Platanen, Pappeln u. a.). Etwa Ende März/Anfang April legt das Weibchen zwei bis sechs Eier, aus denen 16 bis18 Tage später die Jungen schlüpfen; nach weiteren 32 bis 35 Tagen sind diese flügge. Um Mitte Juni sind die Kolonie-Standorte wieder verlassen.

Saatkrähen benutzen ihre Horste jahrelang. Bei einem Sturm zerstörte Horste sind deshalb oft nach wenigen Tagen vollständig wiederhergestellt. Die Kolonien können, wie im Falle der Weseler Ringanlagen, jahrzehntelang Bestand haben.

Die Zahl der Saatkrähen-Brutpaare beträgt landesweit derzeit etwa 12.000 bis 13.000. Die Hauptvorkommen befinden sich in den Kreisen Wesel und Kleve, die damit zugleich eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Saatkrähen-Kolonien tragen. Schwerpunkte der kreisweiten Saatkrähen-Verbreitung liegen in Xanten, Wesel und Rheinberg. 2014 wurden kreisweit rund 2.050 Brutpaare gezählt, die sich auf 59 Kolonien verteilten.

Die Saatkrähe gehört zu den besonders geschützten europäischen Vogelarten. Es gelten daher die Vorschriften der EU-Vogelschutz-Richtlinie wie auch die des im Bundesnaturschutzgesetz geregelten Artenschutzes. Danach ist es verboten, Saatkrähen zu töten oder zu verletzen, ihre Horste und/oder Eier der Natur zu entnehmen oder die Tiere in der Fortpflanzungszeit erheblich zu stören.

Als über Jahre regelmäßig genutzte Niststätten sind die Saatkrähenhorste ganzjährig geschützt. Etwaige Verstöße gegen die Verbote können hohe Geldbußen zur Folge haben. Ausnahmen von diesen Verboten sind nur dann möglich, wenn hierfür „zwingende Gründe des öffentlichen Interesses“ vorliegen.

Der Fall Büderich

Im Falle der Saatkrähenkolonie am Marktplatz in Wesel-Büderich – hier waren in 2013 insgesamt 51 Saatkrähen-Horste festgestellt worden – lagen zwingende Gründe dieser Art vor, so dass seitens des Kreises Wesel von der Unteren Landschaftsbehörde eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden konnte.

Daraufhin wurden durch die Stadt Wesel im Januar 2014 sämtliche Saatkrähen-Horste aus den Platanen am Büdericher Markt entfernt und in den Kronen ausgewählter Bäume an der alten Rheinbrücke neu befestigt. Anschließend wurden die Platanen von jeglichen Fein- und Nebenästen befreit, um so die Saatkrähen - diese hatten nun keine Möglichkeit mehr ihre Horste zu verankern – nachhaltig zu vergrämen.

Im Rahmen dieses wissenschaftlich begleiteten Forschungsprojektes „Marktplatz Büderich“ wird versucht, die Saatkrähen gezielt umzusiedeln. Das Projekt läuft noch bis Ende 2016.
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