Vom Suchen und Finden der Knoblauchkröte

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Die seltene Knoblauchkröte (Foto: Klaus Kretschmer)

Rettungsprogramm für eine aussterbende Art

„Wok-wok-wok“ … „Wok-wok-wok“ … Für Laien wäre es ein seltsames Geräusch unter Hunderten in der Natur. Kein Grund zum Stehenbleiben oder gar zur Begeisterung. Johanna Siewers von der Biologischen Station im Kreis Wesel sieht das anders. Sie erkennt den Ruf sofort, weiß auch direkt, welche Seltenheit sie da vor sich hat. Hier, in der Lippeaue bei Schermbeck liegt einer der wenigen Orte in Nordrhein-Westfalen, wo man sie noch hören kann: Die kleine, graubraune, rot getupfte Knoblauchkröte. Wenn der Frost sich verabschiedet und der Frühlingsregen fällt, kriechen die Kröten aus ihren Winterquartieren tief unter der Erde und machen sich auf den Weg zu ihrem Laichgewässer. „Wok-wok-wok“ –so klingen die Paarungsrufe der Tiere im Wasser.

Die Alarmstufe für die Knoblauchkröte ist tiefrot. Durch die intensivere Nutzung der Landschaft geht mehr und mehr Lebensraum für die Kröte verloren, so dass der Bestand in Nordrhein-Westfalen mittlerweile auf wenige isolierte Restvorkommen gesunken ist. Die Knoblauchkröte ist vom Aussterben bedroht, umso wertvoller ist die noch kleine Population in der Lippeaue, dem aktuell letzten bekannten Bestand im gesamten Kreis Wesel.
Also entwarf die NABU-Naturschutzstation Münsterland gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt NRW einen Rettungsplan, das Life+-Projekt „Schutz der Knoblauchkröte“ (Life11 NAT/DE/348): An bekannten Laichplätzen werden einzelne Tiere auf dem Weg zum Wasser behutsam abgefangen und in eine Nachzuchtstation in Ennigerloh (Kreis Warendorf) gebracht. Dort durften sie sich in großen Wasserbecken mit anderen Knoblauchkröten paaren und ablaichen. Während die erwachsenen Kröten im Kofferraum zurück in ihre Heimat wanderten, blieb ihr Laich in Ennigerloh. Dort wachsen nun Tausende junger Knoblauchkröten wohl behütet heran und können anschließend in geeignete Gewässer ausgesetzt werden. Dies erhöht ihre Überlebenschancen beachtlich, denn gerade in den ersten Monaten hat eine Kaulquappe viel zu befürchten, von Fischen, Vögeln und anderen Fressfeinden.

Und so kam es, dass Frösche, Kröten und Molche den Weg zum Wasser in den letzten Wochen versperrt fanden. In tagelanger Arbeit hatten die Bundesfreiwilligen der Biologischen Station einen 400 Meter langen Amphibienfangzaun um zwei Gewässer in der Lippeaue erbaut und direkt davor 44 offene Eimer im Boden versenkt. Auch Grasfrösche, Erdkröten, Teichmolche sowie ein seltener Kammmolch wanderten Richtung Wasser, kamen am Zaun nicht weiter, versuchten es nach rechts und links und landeten –von Blättern gepolstert– in den Eimern. Dort wurden sie Morgen für Morgen aufgelesen, bestimmt, gezählt, über den Zaun gehoben und ins Wasser entlassen - 46 Tage lang. Drei Wochen lang gab es von „Knobis“ keine Spur. Dann –endlich– in den letzten Märztagen die erste Knoblauchkröte. In den nächsten Tagen folgten noch sieben weitere, insgesamt 6 Männchen und 2 Weibchen. Der Fangzaun, der dank der Unterstützung des Kreises Wesel aufgebaut und kontrolliert werden konnte, war somit ein voller Erfolg.

Beide Weseler Weibchen haben in der Zuchtstation bereits gelaicht. Aus jedem Laichstrang sind 1000 bis 3000 Eier zu erwarten. Mit ihnen sollen die Bestände der seltenen Knoblauchkröte gestärkt und neue Populationen aufgebaut werden. Voraussichtlich im Juli werden die hoffentlich zahlreichen Jungkröten in der Lippeaue ausgesetzt. Dafür ist noch in diesem Jahr die Neuanlage und Optimierung von Laichgewässern geplant, um den Tieren ein dauerhaftes Überleben in der Lippeaue zu ermöglichen.
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