IHK-Bilanz: Wirtschaftslage am Niederrhein zu Jahresbeginn ist besser als erwartet

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Die Unternehmen am Niederrhein bewerten die Wirtschaftslage zu Jahresbeginn 2016 besser als erwartet. Auch die zahlreichen Risikofaktoren wie das schwächere Wachstum in China, Sanktionen gegen Russland oder aber der Nahostkonflikt konnten die gute Stimmung nicht trüben. Impulsgeber ist insbesondere die starke Binnennachfrage. Der Ölpreisrückgang und der günstige Wechselkurs des Euros mit positiven Effekten für die Exportwirtschaft wirken zusätzlich stimulierend.



Sorgen bereitet die anhaltende Investitionszurückhaltung der Industrie. „Der niedrige Ölpreis, das günstige Zinsniveau und der schwache Euro wirken wie Doping für die Konjunktur. Trotz der erfreulichen Zahlen dürfen wir aber den kontinuierlichen Muskelaufbau nicht vergessen“, betont Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve. „Wir brauchen mehr Investitionen in den Standort.“

Von der Konsumfreude profitieren insbesondere Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Vier von zehn Unternehmen blicken positiv auf die Geschäftslage. Bei der Industrie sind es nur zwei von zehn. Das Bild in der Industrie ist insbesondere von der getrübten Stimmung der Stahlbranche geprägt, die aufgrund von chinesischen Billigimporten und rückläufigen Auftragszahlen verhalten reagiert.

Immerhin: 24 Prozent der Industrieunternehmen schauen optimistisch auf das kommende Jahr. Dem stehen 11 Prozent mit pessimistischen Erwartungen gegenüber. Im Dienstleistungssektor erwarten 30 Prozent der Befragten eine bessere Entwicklung. Von einer schlechteren gehen 14 Prozent aus. Im Handel halten sich Optimisten und Pessimisten in etwa die Waage.

Der Konjunkturklimaindex steigt auf 116 Punkte (Herbst 2015: 110). Die Ergebnisse stammen aus der Konjunkturbefragung der Niederrheinischen IHK, an der sich 329 Unternehmen aus den Branchen Industrie, Handel und Dienstleistungen mit insgesamt rund 50.000 Beschäftigten beteiligt haben.

Exporterwartungen überwiegend positiv

Insgesamt bewegen sich die Exporterwartungen auf einem konstant hohen Niveau. Allerdings zeigt sich innerhalb der Branchen ein unterschiedliches Bild: Im Dienstleistungssektor steigt der Anteil der Optimisten im Vergleich zur letzten Umfrage um 9 Punkte auf 30 Prozent und im Handel um 11 Punkte auf 28 Prozent. In der Industrie hingegen sinkt er um 5 Punkte, liegt aber mit 30 Prozent noch immer auf einem hohen Niveau. Der Rückgang in der Industrie ist insbesondere auf die getrübte Stimmung der Investitionsgüterindustrie zurückzuführen. Diese Branche ist von den rückläufigen Wachstumsraten in den Schwellenländern wie China betroffen. Insgesamt profitiert das Exportgeschäft weiterhin von der allmählichen Erholung der Euroländer, dem Aufwärtstrend in den USA sowie der Abwertung des Euros.

Sinkende Investitionsbereitschaft in der Industrie

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen entwickelt sich verhalten positiv. Jedoch bleiben die für nachhaltiges Wachstum so wichtigen Investitionen der Industrie hinter den Erwartungen zurück. Trotz anhaltend niedriger Zinsen ist in dieser Branche eine wachsende Investitionszurückhaltung zu beobachten. 20 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionen auszudehnen, 21 Prozent sie zurückzuschrauben. „Den Unternehmen fehlt die Sicherheit, dass sich Investitionen am Standort lohnen. Das gilt insbesondere für die Stahlindustrie“, mahnt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. „Die geplante Verschärfung des CO2-Zertifikatehandels dürfte die Investitionsbereitschaft weiter drücken.“

Sorge um Arbeitskosten steigt

Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von 48 Prozent der befragten Unternehmen als Geschäftsrisiko eingestuft. An zweiter Stelle folgen die Arbeitskosten mit 42 Prozent. Das Thema Arbeitskosten gewinnt aufgrund der höheren Tarifabschlüsse in vielen Branchen wieder an Relevanz ebenso durch die Diskussion um ein neues Gesetz zu stärkeren Regulierung von Zeitarbeit und Werkverträgen. „Werkverträge sind ein wichtiges Instrument, um flexibel reagieren zu können. Die Unternehmen am Standort brauchen diese Flexibilität“, erklärt Dietzfelbinger. An dritter und vierter Stelle folgen der Fachkräftemangel mit 35 Prozent und die Energie- und Rohstoffpreise mit 30 Prozent. Die befragen Unternehmen konnten mehrere Risikofaktoren benennen.

Stabile Situation am Arbeitsmarkt

Am Niederrhein bleibt die Beschäftigungssituation unverändert. Positive Signale sendet der Dienstleistungssektor. Dank der optimistischen Stimmung in der Branche steigt die Einstellungsbereitschaft. Der Saldo aus Beschäftigungsauf- und -abbau erhöht sich von 7 auf 14 Prozent. Im Handel halten sich Unternehmen mit geplanten Neueinstellungen und Reduktion der Beschäftigung die Waage. Die Situation in der Industrie ist unverändert. Wie im Herbst plant jedes vierte Unternehmen Stellen abzubauen, nur jeder siebte Industriebetrieb will zusätzliche Stellen schaffen.

Ruhrlagebericht der IHKs im Ruhrgebiet erschienen

Zeitgleich mit dem Konjunkturbericht für den Niederrhein erscheint der Ruhrlagebericht der Ruhr IHKs. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Niederrheinischen IHK fließen in diesen Bericht ein, der gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern in Bochum, Dortmund, Essen und Nord Westfalen herausgegeben wird.

Der Konjunkturlagebericht Niederrhein und der Ruhrlagebericht stehen auf der Webseite der Niederrheinischen IHK zum Download zur Verfügung: http://www.ihk-niederrhein.de/Konjunkturberichte
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1 Kommentar
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Willi Heuvens aus Kalkar | 09.02.2016 | 22:19  
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