Integrationspreis: Ein besonderes Jahr verdient besondere Preisträger

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Die Schülergruppe mit Weseler Flüchtlingen beim syrischen Frühstück. (Foto: privat)
  2015 in vieler Hinsicht ein besonderes Jahr, das uns noch lang in Erinnerung bleiben wird. Es wurde viel gestritten, etwa als es um die erreichte Neugestaltung der Weseler Schullandschaft ging. Auch wurde viel gefeiert, zum Beispiel der traditionelle Karneval mit der Eselsordenverleihung, das weit über die Stadt hinaus bekannte Eselrock-Festival oder das alljährliche Hansefest. Auch wenn die von uns angedachte Erneuerung des Heubergparks im Rat leider keine Mehrheit fand, kam es zu einigen Verbesserungen im Stadtbild. Einiges lief auch nicht allzu gut, so werden uns die Umbaumaßnahmen am Weseler Bahnhof auch dieses Jahr hindurch begleiten.

Ende Juli 2015 erreichte uns die Nachricht, dass unsere Stadt innerhalb weniger Tage eine Notunterkunft für 125 Menschen einrichten sollte, was nur dank einer großen Zahl engagierter haupt- und ehrenamtlicher Helfer auch geschafft wurde. Eine weitere Notunterkunft folgte, zusätzlich haben mehrere hundert Menschen in Wesel einen festen Wohnort gefunden. Diese Menschen sind nicht hergekommen, um das Hansefest zu besuchen, sich über unseren halbfertigen Bahnhof zu ärgern oder zur jüngst erweiterten Gesamtschule zu gehen, sie sind aufgrund von Krieg und Verfolgung hierher geflüchtet. An den Ursachen dieser Flucht können wir als Stadt sehr wenig ändern, wohl aber können wir den zu uns kommenden Menschen eine neue Heimat bieten.
Wie eingangs erwähnt, war 2015 ein besonderes Jahr und dass diese Aussage in erster Linie positiv gemeint ist, verdankt Wesel seinen Bürgerinnen und Bürger. Diese waren nicht nur für den Erhalt des Bislichbades oder bei anderen Formen des Ehrenamtes zur Verbesserung unserer Stadt auf vorbildliche Weise engagiert, sondern zeigten mit ihrem Umgang gegenüber den Geflüchteten, dass auch neu angekommene Menschen in unserer Stadt offen empfangen und in ihrer schweren Situation nicht allein gelassen werden. Bereits im 16. Jahrhundert trug unsere Stadt den stolzen Beinamen „Vesalia hospitalis“, da sie Verfolgten offen und freundlich entgegentrat. Etwa aus dieser Zeit stammt auch die historische Rathausfassade, die ebenfalls aus dem Zeitalter der frühen Neuzeit stammt und sich seit einigen Jahren wieder ins Stadtbild einfügt. Die ebenso jahrhundertealte Losung „Vesalia hospitalis“ ist sogar noch mehr als eine schöne Fassade, wird sie doch von den Bürgerinnen und Bürgern alltäglich gelebt. So betrachten damals wie heute Geflüchtete unser historisches Rathaus und haben hoffentlich das Gefühl, bei den dramatischen Umständen ihrer Flucht zumindest an einem guten Ort Zuflucht gefunden zu haben.

Eine freundliche Aufnahme ist ein erster Schritt zur Integration, die ebenfalls von den Weseler Bürgerinnen und Bürgern ehrenamtlich begleitet und unterstützt wird. Besonders zu nennen sind Kinder, für die die furchtbaren Umstände eines Krieges umso schrecklicher sind. Dank ihrer großen Lernfähigkeit spielen sie für die Integration eine besonders wichtige Rolle. Umso schöner ist es, wenn gleichaltrige Weselerinnen und Weseler ihnen dabei helfen. Vorbildlich und bemerkenswert finden wir es, wenn junge Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt bei der Integration vorangehen.
In diesem Sinne möchten wir stellvertretend die Schülergruppe am Konrad-Duden-Gymnasium hervorheben. Die dort beschulten Flüchtlingskinder erfuhren und erfahren eine große Offenheit, die Integration wesentlich erleichtert – was wohlgemerkt aus Eigeninitiative entstand, aber von der Schule und weiteren Sponsoren unterstützt wird. Konkret geht es ihnen darum, ihren neuen Mitschülerinnen und Mitschülern vielfältige Freizeitaktivitäten anzubieten, um den Jugendlichen bei allen Erlebnissen ein Mehr an Lebensfreude zurückzugeben. Insofern mag die Jugend besonders gute Möglichkeiten haben Gleichaltrige zu integrieren. Dazu bedarf es aber erst einmal junger Menschen, die mit Offenheit, Herzlichkeit und Weitsicht auf Geflüchtete zugehen und schon in jungen Jahren eine Vorbildfunktion bei der Integration ausüben.

Ein besonderes Jahr verdient besondere Preisträger. Wir als Fraktion von WWW und Piraten schlagen vor, dass der Integrationspreis der Stadt Wesel an alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die den Geflüchteten offen entgegen treten, die bei der Aufnahme und Integration geholfen haben und weiterhin helfen und damit das Bild eines weltoffenen Wesel auf besondere Weise geprägt haben, verliehen wird. Durch ihr Engagement wurde das Bild eines weltoffenen Wesel auf besondere Weise geprägt. Stellvertretend entgegen genommen werden soll der Preis von der Schülergruppe des Konrad-Duden-Gymnasiums, da diese jungen Bürgerinnen und Bürger uns allen auf beeindruckende Weise gezeigt haben, wie schnell man durch Engagement und Verantwortung andere auf einen guten Weg der Integration führen kann.
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3 Kommentare
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Christian Riehm aus Wesel | 09.03.2016 | 16:34  
1.300
Dieter Kloß (P) aus Wesel | 09.03.2016 | 20:33  
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Dieter Kloß (P) aus Wesel | 10.03.2016 | 10:12  
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