Krankenhaus-Landschaft im Umbruch / EVK-Chef warnt: "Die Politik lässt uns im Stich!"

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Rainer Rabsahl (Foto: privat)

„Krankenhäuser rechnen 2017 mit einem Katastrophenjahr“. „Krankenkassen beklagen Defizit im ersten Halbjahr“. Solche Schlagzeilen zur Wirtschaftslage im Gesundheitssystem und zur geplanten Krankenhausreform lassen schwierige Zeiten für Krankenhäuser vermuten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt und kritisiert, dass die Kosten bei Personal, ambulanter Notfallversorgung und Investitionen nicht gedeckt sind. Der Protest wächst.

In den Kliniken werden bundesweit 40 000 Plakate ausgehängt. Höhepunkt wird ein Krankenhausaktionstag am 23. September in Berlin und in zahlreichen Krankenhäusern sein. Die Folgen der Reform alarmieren auch die örtlichen Krankenhäuser.

Rainer Rabsahl, Geschäftsführer Evangelisches Krankenhaus Wesel, bezieht im Interview dazu Stellung.

Die Reformpläne der Bundesregierung werden von vielen Kliniken hart kritisiert. Protestiert das Evangelische Krankenhaus mit?

Rainer Rabsahl: Wir nehmen nicht am großen Protesttag am 23. September in Berlin teil, das hat innerbetriebliche Gründe. Aber wir hängen Plakate auf, mit denen Patienten, Besucher sowie die Mitarbeiter über die Unzulänglichkeiten der Krankenhausreform mit dem Tenor "Die Politik lässt uns im Stich" informiert werden. Vor allem aber: Wir teilen die Argumentation der DKG vollumfänglich. Wir stemmen uns gegen die möglichen Reformfolgen und wollen das Beste für das Evangelische Krankenhaus herausholen.

Aber die Kosten des Gesundheitssystems galoppieren der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung davon. Die Reform will Leistungen beschränken und Behandlungen nach der Qualität bezahlen – was ist daran falsch?

Rainer Rabsahl: Die Politik sagt nicht die Wahrheit. Sie spricht von mehr Qualität und will eigentlich mehr Konzentration. Die Begründung, Krankenhäuser würden zu viele Leistungen nur aus wirtschaftlichen Gründen erbringen, entbehrt jeglicher Grundlage. Unsere Ärztinnen und Ärzte arbeiten gewissenhaft erstrangig zum Wohle ihrer Patienten. Natürlich müssen wir als wirtschaftlich agierendes Unternehmen Ausgaben und Einnahmen dabei fest im Visier haben. Das Siegel „Qualität verbessern“ ist eigentlich eine Mogelpackung, denn in Wirklichkeit geht es um Deckelung der Ausgaben, während bei den Kosten der freie Markt gilt. Für einige kleine Krankenhäuser könnte das entsprechend durchaus das Aus bedeuten.

Welche Auswirkungen hat die Reform für ältere Menschen?

Rainer Rabsahl: Im Gesetzesentwurf ist der demografischen Entwicklung in unserem Land nicht ausreichend Rechnung getragen worden. Doch gerade diese stellt das Gesundheitswesen vor enorme Herausforderungen. Der Staat muss Daseinsfürsorge gewährleisten. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass dringend die unzureichende Investitionsfinanzierung verbessert werden muss und von der beabsichtigten Streichung des Versorgungszuschlages Abstand genommen wird. Denn wenn Krankenhäuser hier alleine gelassen werden, bleibt für eine gute Grund- und Regelversorgung sowie insbesondere für würdevolle Pflege weniger übrig. Leidtragende sind dann in erster Linie die Älteren, da diese häufiger erkranken.

Werden den Patienten, als Ihren Kunden, die Folgen der Reformen klar, fragen sie sofort nach der Situation des Evangelischen Krankenhauses. Wie richten Sie sich auf die Entwicklung ein?

Rainer Rabsahl: Wir haben uns mit vielen Entscheidungen auf die Zukunft eingerichtet. Wir haben in die Erhaltung unserer Infrastruktur investiert, organisatorische und medizinische Schwerpunkte gebildet in den Bereichen wo wir besonders stark sind, beispielsweise Endoprothetik, Onkologie, Neurologie und Nephrologie. Die Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten ist gestärkt, das Ärztehaus Visalis läuft sehr gut, das Ambulante Operationszentrum AOZ ist wegweisend. Was wir in den letzten zehn Jahren gemacht haben, war vorausschauend.
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1 Kommentar
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Bernhard Ternes aus Marl | 23.09.2015 | 16:10  
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