Und wieder "mehr Licht als Schatten": Handelsverband meldet "verhaltenen Optimismus"

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Die Handelsverbands-Chef (von links): Wilhelm Bommann, Brigitte Gerdes, Lars Hoffmann. (Foto: VH (Montage))
 

In einer Jahrespresseinformation gab der Handelsverband NRW Niederrhein die Ergebnisse seiner Jahresumfrage bekannt, die der Verband bei seinen Mitgliedsunternehmen durchführte. Lars Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Verbandes: „Unsere Jahresumfrage hat gezeigt, dass die Umsätze im Einzelhandel in 2017 unterschiedlich ausgefallen sind.“

Etwas mehr als 48 Prozent hätten eine positive Umsatzentwicklung verzeichnet, so Hoffmann weiter. Die Zahl der Unternehmen, die zumindest das Vorjahresergebnis (2016) erreichten bzw. ein leichtes Umsatzplus erzielen konnten, lag bei 67,7 Prozent. Dieses Ergebnis zeigt, dass einerseits das Konsumklima anhaltend hoch war, aber andererseits auch Umsätze in den Online-Bereich abgewandert sind. Im Jahresverlauf zeigte sich in der 2. Jahreshälfte nicht so stark, was auf ein etwas schwächeres Weihnachtsgeschäft im stationären Handel zurück zu führen war.

Man dürfe aber nicht außer Acht lassen, dass 32,3 Prozent der befragten Unternehmen einen Umsatzrückgang verzeichneten.

Ausbildungsquote auf Vorjahresniveau

 Wie Lars Hoffmann konstatierte, bildet der Einzelhandel nach wie vor auf hohem Niveau aus. Hoffmann: „Mit 993 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Kammerbezirk ist die Bestmarke aus dem Jahr 2015 zwar nicht erreicht worden, aber die Quote ist stabil und auf einem sehr hohen Niveau.“Dieses Ergebnis zeigt, so Hoffmann weiter, dass der Handel qualifizierten Nachwuchs nachfragt und Jugendlichen eine Perspektive im Handel gibt.

Brigitte Gerdes, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes: „Besonders freuen wir uns, dass die Betriebe auch in diesem Jahr auf diesem hohen Niveau ausbilden werden, denn 85,7 % der Ausbildungsbetriebe beabsichtigen, die Ausbildungsplatzkapazität konstant zu halten bzw. noch zu erweitern.“ 14,3 Prozent der Unternehmen hätten angekündigt, weniger ausbilden zu wollen, so Gerdes weiter.

Erwartungen für 2018

Wie die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Brigitte Gerdes, anführte, sind die Aussichten für 2018 nicht schlecht. Nach wie vor niedrige Zinsen und anhaltend hohes Konsumklima veranlassen manchen Bürger, Anschaffungen in mittel- und langfristigen Konsumgütern zu planen, so Gerdes weiter.Zu diesen Gütern zählen beispielsweise Einrichtungsgegenstände, Elektronikartikel aber auch Textilien, Spielwaren oder Hausratsartikel.

Sorge bereiten die Leerstände im Einzelhandel

Aus den Antworten der Umfrage war auch die Sorge zu entnehmen, dass sich manche Einkaufslagen in den letzten Jahren verschlechtert hätten. Nach Aussagen des Handelsverbandes Deutschland stehen deutschlandweit bis 2020 rd. 50.000 Betriebe vor der Aufgabe.
Jeder vierte Einzelhändler am Niederrhein sieht diese Entwicklung mit Sorge und möchte, dass die Politik die Zentren bzw. Stadtteilzentren stärkt. „Eine deutliche Botschaft an die lokalen Entscheidungsträger“, so Hoffmann.

Internethandel gewinnt an Bedeutung

„Viele Umsätze werden heute über das Internet abgewickelt und führen dazu, dass insbesondere der Fachhandel an Marktanteile verloren hat“, so Bommann. Da dieser im hohen Maße personalintensiv ist, werden auf Dauer negative Beschäftigungseffekte nicht ausbleiben, so der Verbandsvertreter.
E-commerce hatte auf Bundesebene ein Umsatzplus von 10 Prozent erzielt und lag damit deutlich über dem Wachstum des stationären Einzelhandels (ca. 2 Prozent). Diese Entwicklung hat der hiesige Einzelhandel in seine Unternehmensentscheidungen einfließen lassen. In der Jahresumfrage des Verbandes gab rund ein Drittel der befragten Einzelhändler an, auch Online-Umsätze zu generieren.

„Die getätigten Online-Umsätze in diesen Unternehmen sind sehr unterschiedlich“, wie Lars Hoffmann betonte. Jeder Einzelhändler muss für sich prüfen, inwieweit der Handel über das Internet zur eigenen Ergebnisverbesserung beitragen könne, so Hoffmann weiter. „E-commerce ist das Top-Thema im Einzelhandel“, wie Hoffmann betonte.

Es gäbe im Verbandsgebiet unterschiedliche Ansätze, sich mit dem Onlinehandel auseinander zu setzen, wie Beispiele in Duisburg, Moers (z.B. freies WLAN in den Haupteinkaufszonen) oder Wesel (Online-Schaufenster Wesel) zeigten.

Kernöffnungszeiten aus Sicht des Verbandes unumgänglich

Nach wie vor halten die Einzelhändler am Niederrhein einheitliche Öffnungszeiten am Standort für wichtig bzw. sehr wichtig. Immerhin haben 80,7 % (Vorjahr 80,6 %) der Befragten hierfür ein deutliches Votum gegeben.

Nach Schätzungen des Verbandes, stehen dem Kunden und Besucher des Handels heute mehr als 20 % zusätzlicher Öffnungszeiten zur Verfügung, als dies noch vor Jahren der Fall war. Dies ist ein Öffnungsservice, den die Kunden des Handels auch gerne in Anspruch nehmen. Viele Betriebe haben entweder länger am Abend geöffnet oder die Öffnungszeiten an den Samstagen ausgedehnt. Im Lebensmitteleinzelhandel ist der Einkauf von 7 bis  22 Uhr keine Seltenheit mehr.

„Doch bei allem Verständnis für unsere Kunden, zusätzliche Öffnungszeiten müssen sich auch betriebswirtschaftlich rechnen“, so Hoffmann. 

Serviceangebote werden immer wichtiger

Immer wichtiger sind die Serviceangebote des Einzelhandels, mit denen man sich vom Onlinehandel absetzen könne.
„Erstaunlich ist der hohe Anteil derjenigen, die mit einem angemessenen Serviceangebot gegenüber dem Internethandel „punkten“ wollen“, so Hoffmann.

Man müsse die unterschiedlichsten Konzepte prüfen, ob sie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit dienen. Buy lokal, Bringservice, freies WLAN, Heimat shoppen, Lokale Verkaufsplattformen, OnlineCity, lokale Apps usw. wurden als Stichworte genannt.
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