Von Zufriedenheit und Internet-Angst: Handelsverband rechnet, interpretiert und warnt

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Brigitte Gerdes und Lars Hoffmann. (Foto: HV)

In einer Jahrespresseinformation gab der Handelsverband Niederrhein die Ergebnisse seiner Jahresumfrage bekannt, die der Verband bei seinen Mitgliedsunternehmen durchführte.

Lars Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Verbandes: „Unsere Jahresumfrage hat gezeigt, dass die Umsätze im Einzelhandel in 2016 unterschiedlich ausgefallen sind.“ Knapp 52 Prozent hätten eine positive Umsatzentwicklung verzeichnet, so Hoffmann weiter.

Die Zahl der Unternehmen, die zumindest das Vorjahresergebnis (2015) erreichten bzw. ein leichtes Umsatzplus erzielen konnten, lag sogar bei 74,2 Prozent. Dieses Ergebnis zeigt, dass einerseits das Konsumklima anhaltend hoch war, aber andererseits auch Umsätze in den Online-Bereich abgewandert sind. Im Jahresverlauf zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte nicht so stark, was auf ein etwas schwächeres Weihnachtsgeschäft zurück zu führen war.

Man dürfe nicht außer Acht lassen, dass 25,8 Prozent der befragten Unternehmen einen Umsatzrückgang verzeichneten.

Die Zahl der Arbeitslosen in verkäuferischen Berufen hat im Vergleich zum Vorjahr leicht abgenommen. Die Arbeitsagenturen Duisburg und Wesel melden ein Minus von 0,8 Prozent. Die Agentur Wesel (Kreise Wesel und Kleve) verzeichnete ein Plus von 1,7 Prozent, in Duisburg meldete die Agentur für Arbeit einen Rückgang von 2,8 Prozent.

Wie Lars Hoffmann konstatierte, bildet der Einzelhandel nach wie vor auf hohem Niveau aus. Hoffmann: „Mit 993 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Kammerbezirk ist die Bestmarke des Vorjahres nicht erreicht worden, aber die Quote ist stabil.“

Brigitte Gerdes, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes: „Besonders freuen wir uns, dass die Betriebe auch in diesem Jahr auf diesem hohen Niveau ausbilden werden, denn 91,3 Prozent der Ausbildungsbetriebe beabsichtigen, die Ausbildungsplatzkapazität konstant zu halten bzw. noch zu erweitern.“ Nur 8,7 Prozent der Unternehmen hätten angekündigt, weniger ausbilden zu wollen, so Gerdes weiter.

Erwartungen für 2017

Wie die stellvertretende Vorstandsvorsitzende anführte, sind die Aussichten für 2017 nicht schlecht. Nach wie vor niedrige Zinsen und anhaltend hohes Konsumklima veranlassen manchen Bürger, Anschaffungen in mittel- und langfristigen Konsumgütern zu planen, so Gerdes weiter. Zu diesen Gütern zählen z. B. Einrichtungsgegenstände, Elektronikartikel aber auch Textilien, Spielwaren oder Hausratsartikel.

Verhaltener Optimismus im Einzelhandel

Die Einzelhändler am Niederrhein gehen verhalten optimistisch ins Jahr 2017, wie die Umfrage ergab. 61,3 Prozent der Befragten gehen verhalten optimistisch in das neue Jahr. Fast jeder 3. Einzelhändler (29,1 Prozent) geht mit Optimismus in das Geschäftsjahr 2017.
Die Zahl der Unternehmer mit pessimistischen Erwartungen ist im Verhältnis zum Vorjahr leicht gestiegen (von 7,7 Prozent auf 9,7 Prozent).

Konsum nicht durch Steuer- u. Abgabenerhöhungen dämpfen

„Genauso gehört es zu den Erwartungen des Einzelhandels, dass das verfügbare Einkommen nicht durch weitere Steuern und kommunale Abgaben abgeschöpft wird“, so Hoffmann. Nur wenn das verfügbare Einkommen steigen würde, könnte es dem Konsum zugeführt werden und die Binnennachfrage steigern.
Hoffmann: „Der gut laufende Konsum stützt die gesamte Volkswirtschaft. Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss die Politik die Kaufkraft der Verbraucher stärken.“ Insbesondere sollten Privathaushalte und Bezieher niedriger Einkommen entlastet werden, so der Vorsitzende.

Internethandel gewinnt weiter an Marktanteilen und Bedeutung

„Viele Umsätze werden heute über das Internet abgewickelt und führen dazu, dass insbesondere der Fachhandel an Marktanteile verloren hat“, so Bommann. Da dieser im hohen Maße personalintensiv ist, werden auf Dauer negative Beschäftigungseffekte nicht ausbleiben, so der Verbandsvertreter.

E-commerce hatte auf Bundesebene ein Umsatzplus von 11 Prozent erzielt und lag damit deutlich über dem Wachstum des stationären Einzelhandels (ca. 2 Prozent). Diese Entwicklung hat der hiesige Einzelhandel in seine Unternehmensentscheidungen einfließen lassen. In der Jahresumfrage des Verbandes gaben 83,9 Prozent der befragten Einzelhändler an, über eine eigene Homepage zu verfügen.

„Die getätigten Online-Umsätze in diesen Unternehmen sind sehr unterschiedlich“, wie Lars Hoffmann betonte. Jeder Einzelhändler muss für sich prüfen, inwieweit der Handel über das Internet zur eigenen Ergebnisverbesserung beitragen könne, so Hoffmann weiter. „E-commerce ist das Top-Thema im Einzelhandel“, wie Hoffmann betonte.
Jeder Internetkäufer müsse sich bewusst sein, dass der Fachhandel zusätzlichen Service anbieten würde und diese Leistung sich zum Teil auch im Preis widerspiegelt.
„Der Einzelhandel befindet sich im größten Strukturwandel seit Einführung der Selbstbedienung“, so drückte es ein Verbandsvertreter aus.

Es gäbe im Verbandsgebiet unterschiedliche Ansätze, sich mit dem Onlinehandel auseinander zu setzen, wie Beispiele in Duisburg, Moers (z.B. freies WLAN in den Haupteinkaufszonen) oder Wesel (Online-Schaufenster Wesel) zeigten.

Stärkung der gewachsenen Zentren

Die Stärkung der Innenstädte, Stadtteile und der Stadtteilzentren hat höchste Priorität. Urbanität bekommt man nicht zum Nulltarif.
Deshalb ist es wichtig, dass die berechtigten Interessen des Einzelhandels in die Politikentscheidungen vor Ort einfließen müssen.

Wie Bommann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, weiter betonte, gehört es zur Stärkung des kommunalen Selbstbewusstseins und damit ein Stück Lebensqualität, wenn sich die Kaufmannschaft in die Lokalpolitik einbringt. Hoffmann: „Blüht der Handel, blüht die Stadt.“ Die breite Zustimmung der Werbe- und Interessengemeinschaften anlässlich der Aktionstage Heimat shoppen hätte gezeigt, wie wichtig die örtliche Kaufmannschaft für das jeweilige Quartier ist.

Serviceangebote werden immer wichtiger

Immer wichtiger sind die Serviceangebote des Einzelhandels, mit denen man sich vom Onlinehandel absetzen könne. „Erstaunlich ist der hohe Anteil derjenigen, die mit einem angemessenen Serviceangebot gegenüber dem Internethandel „punkten“ wollen“, so Hoffmann.
Man müsse die unterschiedlichsten Konzepte prüfen, ob sie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit dienen. Buy lokal, Bringservice, freies WLAN, Heimat shoppen, Lokale Verkaufsplattformen, OnlineCity, lokale Apps usw. wurden als Stichworte genannt.
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