Zum Vorschlag der CDU Wesel: Eine neue Umgehungsstraße in Obrighoven?

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Wesel: Am Schwan | Das ist Verkehrspolitik von vorgestern!

Die Absicht der Weiterführung der Nordstraße bis zur Schermbecker Landstraße hat es in früheren Zeiten bereits gegeben. Diese Absicht ist aber längst wegen ihrer negativen Auswirkungen zu den Akten gelegt worden.
Der Bebauungsplan, der bereits die Fortführung der Nordstraße über das NIAG-Gelände vorgesehen hatte, ist aufgrund der massiven Widerstände in Lackhausen zugunsten einer behutsamen Weiterentwicklung des Ortsteils aufgehoben worden.

Der „Umgehungs“vorschlag bedeutet nicht nur eine Zerschneidung des Ortsteils Lackhausen, sondern auch des Waldes am Isselgraben zwischen Brüner Landstraße, Gut Isselhorst und Bärenschleuse, einem wichtigen Naherholungsgebiet, das im Landschaftsplan als Landschaftsschutzgebiet L 11: Isselniederung, Drevenacker Landwehr ausgewiesen ist! Dieser
Landschaftsraum ist nach den Zielen des Landschaftsplans u.a. geschützt

- wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit des vielfältig ausgestatteten Kulturlandschaftsraumes, einschließlich des Schutzes der historischen Anlagen Sorgfliet, Haus Isselhorst, Issel-Kanal und z. T. bewaldeten Landwehren mit gliedernden Gehölzstrukturen und Grabenanlagen und seiner Bedeutung für das Landschaftsbild.

- wegen der besonderen Bedeutung der vielfältig ausgestatteten und abwechslungsreichen, typisch niederrheinischen Kulturlandschaft für die Naherholung.

Auch im übrigen Bereich des Obrighovener Feldes kämen mit den vorgeschlagenen Trassen ebenfalls erhebliche Eingriffe in den Landschaftsraum und in landwirtschaftliche Betriebe zu den bereits vorhandenen Veränderungen durch Stromtrassen, für die bereits großflächig Waldbestand geopfert wurde sowie mögliche Ausweisung von weiteren Windenergieanlagen hinzu.

Die Antwort auf Verkehrsprobleme kann in heutiger Zeit nicht mehr zwangsläufig der Bau weiterer die Landschaft zerstörenden Umgehungsstraßen sein, die nur vorhandene Belastungen auf andere Bereiche verlagern.

Es ist nicht nachzuvollziehen, wie man in Anbetracht noch nicht vollendeter Straßenbauprojekte wie die Südumgehung, der Finanzlage der öffentlichen Hand und maroder Autobahnbrücken und Stadtstraßen solche Erwartungen wecken kann.
Die Finanzierung weiterer Straßenbauprojekte in Wesel würde Millionenbeträge erfordern, ganz abgesehen von langjährigen Planverfahren mit den zu erwartenden Widerständen.

Weit schauende Stadtentwicklung sieht anders aus. In Zeiten des Bevölkerungsrückgangs müssen Baulandausweisungen auf den Prüfstand gestellt werden, ob sie von der vorhandenen Infrastruktur noch verkraftet werden können. Das bestehende Straßennetz muss überprüft werden, inwieweit es durch punktuelle Umbaumaßnahmen den vorhandenen Belastungen angepasst werden kann.

Die Folgen von Baulandausweisungen müssen in die Planungen einbezogen werden. Das können bei rückgehender Bevölkerung und angespannter Finanzlage von Bund, Land und Kommune nicht immer weitere Straßenneubauten mit hohen Folgekosten sein.
Eine Umgehungsstraße in der vorgeschlagenen Form, die bisher unberührte Bereiche neu belastet und Erholungslandschaft zerstört, wird auf entschiedenen Widerstand stoßen.


Dipl.-Ing. Karlheinz Hasibether

Architekt und Stadtplaner
Techn. Beigeordneter a.D.
Sachkundiger Bürger im Ausschuss für Stadtentwicklung des Rates der Stadt Wesel
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