Wo Starkicker ihre Fans mit Zeitenwirrwarr verwöhnen: das Retrospektive Präsens

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"Wir machen das Tor und dominieren die erste Hälfte!" Sagt PSV-Trainer Björn Assfelder in der Halbzeitpause. Aber er meint die vergangenen 45 Minuten.

Als der Reporter nachhakt, erklärt er: "Wenn wir das Ding vorne reinmachen, gewinnen wir locker!" Jetzt redet der Weseler Fußball-Lehrer von der zweiten Halbzeit. Formuliert aber, rück- und vorschauend, beides im Präsens.

Dieses Gespräch hat sich nicht wirklich abgespielt. Ich wählte den Einstieg nur wegen des lokalen Bezugs - quasi um Sie als Leser zu "fangen". Okay, verlassen wir den Pfad der Verwirrung und wenden uns dem internationalen Fußball zu.

Morgen ist Anstoß bei der WM in Russland und die DFB-Kicker üben schon wieder fleißig das Retrospektive Präsens. Das ist das Futur III,5 des Interview-Austausches. Eine Scheinzukunftsform, die bereits Geschehenes beschreibt.

Wenn der Kroos beispielsweise sagt: "Wir schlafen in der Abwehr und der Chicharito hält nur den Fuß hin!" Nachdem der mexikanische Stürmer längst eingenetzt hat.
Darin sind die deutschen Kicker nämlich jetzt schon Weltmeister: im Retrospektiven Präsens.
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