Reisebericht Karate Siam Camp 2017

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Jürgen Frömmel, Martin Driever, Michael Jarchau und Thomas Schade kurz vor dem Start am Flughafen Köln/Bonn.
 
Das aktuelle T-Shirt
 
Mit unserem Freund Sidibe aus Südafrika, er arbeitet und lebt jedoch in Bangkok
Neben meinen besten Absichten an dieser Stelle unser abgeleistetes JKA Karate Siam Camp, vom 20. - 22. Januar in Bangkok zu beschreiben, bewegt mich immer wieder der Gedanke über Veränderungen und Fortschritte dieses Landes berichten zu müssen.

In diesem Jahr besuchte ich bereits zum 17. Mal dieses, von Gastgeber Sensei Omura unsagbar lehrreiche Meeting, weltweit angereister Karateka.
Wiederholt beeindruckte mich in diesem Jahr, mit welcher Geschwindigkeit dieses Land die Gegenwart einholte und sich in Richtung Zukunft bewegt.
Bildungs- und Sportstätten, in denen ein Toilettengang vor noch wenigen Jahren zum Abenteuer wurde, vom Duschen ganz zu schweigen, existieren heute nur noch in Ausnahmefällen. Hier wird dermaßen beispielhaft in Infrastruktur, öffentliche Verkehrsmittel, Bildung, Sport, Kultur, Internetverbindungen und Gebäudewerterhalt investiert, dass man nur staunen kann.
In persönlichen Gesprächen zwischen den Trainingseinheiten erfuhr ich, dass die jungen Studenten sehr stolz auf diese landesweite Entwicklung sind und sich durch diese bekräftigt sehen ihren Blick motiviert nach vorne zu richten.
„ Wow, hier wird an den richtigen Stelle geklotzt und nicht gespart.“
Ihre Überzeugung, dass in Deutschland alles wohl noch besser sei, ließ ich schweren Herzens unkommentiert.

Nun aber zum sportlichen Teil, der nicht weniger beeindruckend für uns ausfiel.

Die Freude ein sensationelles Trainingslager absolviert zu haben, teile ich mit meinen langjährigen Sportkameraden des Shotokan Karate Wesel e.V., Thomas Schade, Jürgen Frömmel und Martin Driever.

Zum Abschluss unserer, seit November anhaltenden Vorfreude, starteten wir am 18. Januar, bei 0°C, ab Flughafen Köln / Bonn erwartungsvoll ins 9080 km entfernte Projekt
Siam Camp 2017. Unsere anfänglichen Entertainmentaktivitäten stellen sich mit der „Abendfütterung“ zunehmend ein und endeten mit Findung einer bequemen Schlafhaltung gänzlich.
Erst die Stimme des Flugkapitäns, welche unsere baldige Ankunft bei 31°C verkündete, ließ uns den ca. elfstündigen Flug schnell vergessen und trieb nicht nur uns ein breites Grinsen ins Gesicht.
Einreisekontrolle bewältigt, Koffer aufgenommen, mit 20 Euro die einstündige Taxifahrt zum Hotel bezahlt, eingecheckt, Zimmer bezogen, Sonnenterrasse in Beschlag genommen und es uns für den Rest des Tages gutgehen lassen. Denn bereits am folgenden Tag war unser voller Einsatz gefragt.

Gespannt welches Programm uns in diesem Jahr erwarten würde, machten wir uns gleich nach dem Frühstück, mit Blick über den Chao Phraya, um 7.50 Uhr auf den Weg zum
„Sport Complex“ der Chulalongkorn Universität.
Dank unserer in den Vorjahren errungenen Ortskenntnisse, wussten wir den öffentlichen Nahverkehr, Taxiboot und Hochbahn, so zu nutzen, dass wir bereits nach 75 Minuten, das im 4. Stockwerk gelegene Trainingszentrum erreichten.

Nach der bis 9.30 Uhr andauernden Registrierung, begrüße Sensei Omura, 8. Dan, nahezu einhundert Teilnehmer aus allen Kontinenten, auf gewohnt freundliche Art und Weise. Fortfahrend mit der Vorstellung seiner Gasttrainer, Sensei Sugimura (8. Dan) und Sensei Naka (7.Dan), verkündete er zu unserem Erstaunen, dass Sensei Naka alle Seminarstunden der Oberstufe leiten würde. Er selber und Sensei Sugimura übernähmen zeitgleich die heimische Kinder- und Jugendgruppe.
Mit der Ehre das erste „Warm Up“ Training leiten zu dürfen, starteten wir übergangslos in die, weit über den Tellerrand hinausragende „Nakawelt“.

Grundlage für die neun anstehenden Trainingseinheiten boten verschiedene Kata, Formenabläufe des Shotokan Stils, welche wir bis ins kleinste Detail akribisch behandelten.
Der sensationelle Trainingsaufbau wie die Demonstrationen Sensei Nakas, ließen uns zunächst Verständnis für das spätere, am Partner stattfindende Randori ( Sparring ) entwickeln.
Vorrangig hierbei war die Entwicklung einer idealen Körperdynamik, bei veränderlichen Ständen, optimaler Hüftrotation und komprimierter Körpermitte. Zeitgleich wurde darauf
geachtet, dass Oberkörper, Schultern und Arme flexibel einzusetzen blieben.
Unzählige Fuß-Faust-Kombinationen brachten uns unterdes in die Situation, gar keine Kraft mehr einsetzen zu wollen, womit wir Nakas Zielsetzung fortlaufend entgegen kamen.
Zum Abschluss eines jeden Trainings wurden kleine Teams zusammengestellt in denen wir unsere erworbenen Kenntnisse, unter den kritischen Augen der Gesamtgruppe vortrugen.

Mit der praktischen Anwendung verschiedener Teilstrecken der behandelten Kata, stellte sich uns die nächste große Anforderung entgegen.
Neben den Gebrauch zerstörerischer Karatetechniken, fügte Sensei Naka Würfe und Hebel aus dem Judo bzw. Aikido hinzu. Einmal mehr wurde meine These bestätigt, dass der sportliche Wettkampf lediglich an der Oberfläche unserer umfangreichen Möglichkeiten kratzt.
In Schwindel erregenden Widerholungszahlen arbeiteten wir auch hier solange an den korrekten Ausführungen, bis die Abläufe automatisiert schienen.

Hinsichtlich des Freikampfes (Kumite), verwendete Sensei Naka u.a. Angriffe mit unseren, von ca. 3 m Länge, auf 30 cm zusammen gefalteten Gürteln.
Unser Ziel, den Körper unseres Gegenübers, wo auch immer zu treffen, weckte das Verständnis für Distanz, Flexibilität und Deckungsarbeit. Im Gegenzug hatte der Partner seine zur Distanz passenden Gegenangriffe zu positionieren. Fließend entwickelte sich hieraus ein in Richtung Wettkampf orientiertes Sparringtraining mit zahlreichen Partnerwechseln, welches letztlich im freien Kumite endete.

Glücklich auch in diesem Jahr alles unbeschadet überstanden zu haben, traten Thomas, Jürgen und ich, unmittelbar nach dem letzten Training unseren Transfer nach Koh Samui an, wo das Erworbene des Siam Camps vertieft wurde.
Martin hingegen zog es in diesem Jahr vor, seiner zweiten Leidenschaft, dem Surfen auf Sri Lanka nachzukommen. Unerwartet entdeckte Martin dort am vorletzten Urlaubstag per Zufall das örtliche Karate - Dojo, stellte sich hier vor und bat um seine Teilnahme am Training. Ebenso unerwartet, erwiderte der Club seine Frage mit der Bitte, die anstehende Übungsstunde zu leiten, womit auch hier die Inhalte des Siam Camps unmittelbar Einzug hielten. Dieses wirklich tolle Beispiel macht deutlich, dass Sport keine Grenzen kennt, stattdessen Menschen miteinander verbindet.
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