Die verflixte Sache mit dem Schwimmen: Interview mit zwei Weseler DLRG-Fachleuten

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Karl-Keinz Labeda und Anja Riehl klären auf. (Foto: privat)
 

Man liest und hört es immer wieder. Kinder haben heute gepflegte Probleme mit dem Schwimmenlernen! Ergänzend zu unserem Printbericht über das Kinderschwimmen der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Wesel veröffentlichen wir an dieser Stelle ein Interview mit Schwimmlehrerin Anja Riehl. Die Frau weiß, was Sache ist!

Nachfolgend lesen Sie die Antworten von Ausbildungsleiterin Anja Riehl und dem DRLG-Vorsitzenden Karl-Heinz Labeda auf unsere Fragen ...

Schwimmen Kinder heute schlechter als früher?

Anja Riehl: "Dass Kinder heute schlechter schwimmen als früher, kann man so nicht im Raum stehen lassen kann. Grundsätzlich ist feststellbar, dass die Anzahl an Kindern, die Schwimmen lernen, stetig zurückgeht. Gründe dafür sind die Schließung von Schwimmstätten, wie z.B. in Wesel vor 10 Jahren mit dem Abriss des Hallenbades Ost.

Es können nicht mehr genügend Schwimmkurse angeboten werden, was zur Folge hat, dass immer weniger Kinder in jungen Jahren das Schwimmen lernen.
Auch im Schwimmunterricht der Grundschulen macht sich das bemerkbar. Zwar besteht in den Weseler Grundschulen in der Regel für zwei bis drei Schulhalbjahre der Schwimmunterricht auf dem Lehrplan. Jedoch sind oft 20 Nichtschwimmer in einer Klasse und wöchentlich stehen etwa 45 min „Wasserzeit“ zur Verfügung. Daraus ergibt sich dann, dass am Ende der Grundschulzeit noch nicht alle Kinder das Schwimmabzeichen „Seepferdchen“ erreicht haben.

Neben der Schließung von Schwimmstätten und den fehlenden Angeboten an Schwimmkursen lässt sich auch feststellen, dass die Koordination bei vielen Kindern nachlässt. Ob es einen Zusammenhang zum Medienverhalten der Kinder gibt, kann nur vermutet werden. Auf jeden Fall dauern die Schwimmkurse bis zum Erreichen des „Seepferdchens“ heute länger als noch vor 15 Jahren.

Auch die Mithilfe der Eltern hat nachgelassen. So beobachten wir, dass Familien immer seltener mit ihren Kindern schwimmen gehen. Dadurch sind oft viele Kinder mit dem Medium Wasser nicht vertraut.
Um nun auf die Eingangsfrage zurückzukehren:
Kinder, die einmal das Schwimmen richtig erlernt haben, können auch gut schwimmen. Doch haben immer mehr Kinder aus den o. g. Gründen nicht mehr die Möglichkeit, das Schwimmen zu erlernen."

Haben Sie genügend Personal/Mitglieder?

Karl-Heinz Labeda: "Grundsätzlich haben wir schon genügend Helfer, diese haben aber immer öfter Probleme rechtzeitig zu den jeweiligen Übungsstunden zu kommen. Dies hat natürlich vielfältige Gründe, wie verlängerte Schulzeiten – hier sei die Ganztagsschule genannt und verändertes Freizeitverhalten.
Was die Mitgliederzahl betrifft, ist diese leider auch rückläufig. Dies ist sicherlich auch den zurückgegangenen Schwimmzeiten geschuldet. Aufgrund der geringeren Möglichkeit, Angebote an Schwimmkursen anbieten zu können stagnieren derzeit die Mitgliederzahlen. Aus unseren Schwimmgruppen wachsen zusätzlich natürlich auch unsere Helfer nach. Auch diese könnten dadurch rückläufig sein."

Formulieren Sie einen Appell an die Auesee-Besucher!

Karl-Heinz Labeda: "Das Baden im Aue-See ist immer auch mit Gefahren verbunden.Seen weisen vor allem zu Beginn der Badesaison oft unterschiedlich warme Wasserschichten auf. Da das kältere Wasser eine größere Dichte besitzt, liegt es immer unter den warmen Schichten. Ein kurzer Temperaturtest mit dem großen Zeh ist daher trügerisch. Bei einem anschließenden Kopfsprung ins Wasser kann die plötzliche Abkühlung fatale Folgen von Krämpfen bis hin zum Herz-Kreislauf-Kollaps haben. Ebenso sind häufig personen- und verhaltensbedingte Gefahrensituationen erkennbar. Alkohol und leichtsinniges Verhalten wie Mutproben oder Wettschwimmen können schwere Badeunfälle zur Folge haben.

Daher sollten die Besucher gewisse Regeln einhalten:

- Baden Sie vorzugsweise in beaufsichtigten Gewässern.
- Kinder nie unbeaufsichtigt baden lassen, kleine Kinder in Reichweite lassen.
- Holen Sie Kinder aus dem Wasser, wenn sie frieren.
- Schwimmhilfen müssen passend und am Kind befestigt sein (Schwimmflügel).
- Kühlen Sie sich ab, bevor Sie ins Wasser gehen.
- Springen Sie nur dort ins Wasser, wo es tief genug ist.
- Meiden Sie bewachsene und sumpfige Uferzonen.
- Bei Gewitter sofort das Wasser verlassen.


Wenn man diese Grundregeln berücksichtigt und, bei aller Freude über das erfrischende Nass, Vernunft walten lässt, steht einem unbeschwerten Tag am Badesee nichts mehr im Weg.
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1 Kommentar
Dirk Bohlen aus Wesel | 11.03.2015 | 20:24  
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