Ein erfülltes Pferdeleben beim Reiterverein Tücking

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Seine alten Tage verbringt Volti-Rentner Gordon ganz entspannt auf der Weide. FOTO: Annika Ranft

HAGEN. Viele Sportpferde werden nicht besonders alt. Gerade im Leistungssportbereich wird immer noch viel zu oft der Erfolg vor die Gesundheit der vierbeinigen Teamkollegen gestellt. Extreme Verschleißerscheinungen von Knochen und Gelenken, Krankheiten und schwere Unfälle sind die Folge. Der RV Tücking in Hagen beweist mit einem erfreulichen Gegenbeispiel, dass es auch anders geht.


Der große braune Wallach steht entspannt auf der Wiese und knabbert an einem Grasbüschel herum. Als er seine Beobachter bemerkt, hebt er den Kopf und schaut aus wachen braunen Augen neugierig herüber. Nach kurzem Zögern setzt er sich in Bewegung. Das Fell glänzt in der Sonne, die Schritte sind langsam, aber geschmeidig, die Ohren gespitzt. Trotz seines Alters ist Gordon immer noch eine beeindruckende Erscheinung. Das ehemalige Volti-Pferd feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag.

Als Springpferd wegen schwacher Nerven aussortiert


Dass ein Großpferd so alt wird, kommt generell schon nicht oft vor. Die meisten Warmblüter erreichen ein Alter von etwa 20 bis 25 Jahren. Aber Gordon kann auch noch auf eine Leistungsportkarriere zurückblicken. „Eigentlich hätte aus dem ein Springpferd werden sollen“, erinnert sich Gordons Besitzerin, Verena Klein. Der Wallach stammt aus der berühmten Gotthard-Linie, außerdem war als Vererber Remus I aus Radetzki mit im Spiel. Mit dieser Mischung in den Genen bringt Gordon eigentlich gute Anlagen als Springpferd mit. „Er kann das auch“, bestätigt Verena Klein und tätschelt Gordon, der inzwischen am Gatter angekommen ist, liebevoll die Schulter. Schon als 7-Jähriger habe er mehrere M-Springen gewonnen. Doch nervlich war der gutmütige Wallach dem stressigen Turniersport damals nicht gewachsen. „Das war unser Glück“, erinnert sich Karin Nogga, die ebenfalls zu Gordons Geburtstag gekommen ist. Sie leitet seit rund 40 Jahren das Voltigiertraining beim RV Tücking in Hagen.

Ein Garant für gute Leistungen


Der Verein kaufte den damals 8-Jährigen Gordon und bildete ihn als Voltigierpferd aus. „Es hat sehr lange gedauert, bis er damals Vertrauen zu den vielen Voltis gefasst hat“, erzählt Karin Nogga. In jeder Voltigiermannschaft sind 8 bis 10 Jungen und Mädchen, die sich ein Pferd teilen und gemeinsam darauf turnen. Gordon wurde über Jahre hinweg für mehrere Mannschaften vom Anfänger-Niveau bis zum Leistungsport eingesetzt. Mit ihm schafften die Tückinger Mädels mehrere Siege bei den Kreis- und Ruhrgebietsmeisterschaften, sogar bei den westfälischen Meisterschaften und bei Länder-Vergleichswettkämpfen ging Gordon mit seinen Teams an den Start. Die Turniermannschaft schaffte sogar den Aufstieg in die damalige Leistungsklasse „A“, der höchsten Liga im Voltigiersport.

Mit Ausgleichstraining zum Erfolg


Auch Verena Klein hat damals auf Gordon voltigiert, außerdem war sie für sein Ausgleichstraining beim Reiten verantwortlich. In diesem Konzept sieht Trainerin Nogga auch den Schlüssel zum Erfolg: Die Tückinger Voltigierpferde bekommen alle eine gute Dressurausbildung und möglichst viel Abwechslung zu dem belastenden Voltigiertraining. Mit Verena Klein im Sattel, durfte Gordon sich auch schon zu aktiven Zeiten mal bei einem Geländeritt entspannen. Als Gordon schließlich in den „Ruhestand“ verabschiedet wurde, nahm sie ihn zu sich. Jetzt darf der große Braune seine Tage auf der Weide verbringen, statt im Zirkel zu galoppieren, und das gefällt ihm offensichtlich richtig gut. Sein Nachfolger Ultimo ist inzwischen übrigens auch schon 18 Jahre alt und immer noch im Turniersport erfolgreich.


Übrigens:
Die Voltigierer vom Tücking haben noch Plätze frei! Das Probetraining ist immer samstags von 12 bis 13 Uhr. Bitte vorher anmelden.
Infos auf unserer Homepage. Besucht uns auch bei Facebook. Bis bald!

von Ida Haltaufderheide
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