Jürgen von der Lippe: einzig, aber (fast) nie artig

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Der Fachmann für Humor, Jürgen von der Lippe, startete im Saalbau mal wieder einen Angriff auf die Lachmuskeln. Foto: amö
.

Der Altmeister der Unterhaltungskunst
gab sich die Ehre

Mit vielen humoristischen Glanzstücken und dem ihm eigenen brillanten Wortwitz begeisterte der Maestro der feinsinnigen wie deftigen Unterhaltung mit seinem Programm
"Wie soll ich sagen ...?" im Wittener Saalbau.

Von wegen, wie soll ich sagen? Wenn einer weiß, wie und was er sagen soll, dann ist er es, der ehemalige Deutschlehrer und Altmeister des geschliffenen Satzes. Wenn der Mann mit der Vorliebe für Hawaii-Hemden oder alternativ floralem Design sich die Ehre gibt, dann wird sowohl Unterhaltung vom Feinsten als auch Hardcore-Comedy geboten. Und das nicht nur in homöopathischen Dosen, sondern wenn schon, denn schon das volle Programm. Und thematische Vielfalt statt anspruchslose Einfalt. Okay, manches Witzchen war nicht mehr so ganz taufrisch, erfreute aber trotzdem die Saalbau-Besucher.

Von der Lippe, ein studierter Germanist, Linguist und Philosoph, der bürgerlich Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp heißt, kann es einfach. Und dass er seine akademische Laufbahn zu Recht abgebrochen hat, um die deutsche Humor-Szene mit neuen Formaten ein wenig aufzu-
mischen, hat er in den letzten vier Jahrzehnten als TV-Moderator, Liedermacher, Schauspieler und nicht zuletzt auf der Bühne eindrucksvoll bewiesen.

Der zweifache Grimme-Preisträger dozierte im Wittener Saalbau vor seinen begeisterten Fans über Männlein und Weiblein ("Ich mag keine Frauen, bei denen das Gesäß weniger wiegt als der Augapfel "), erzählte persönliche Geschichten ("Ich bin bei ,Blowing in the Wind' entjungfert worden"), kokettierte gekonnt mit dem Publikum, bat es zum Mitmachen und Mitsingen sowie sogar zu Sprach- und Musikspielen auf die Bühne, plauderte "non stop" und ohne Hektik. Langsam. Gewählt. Süffisant. Abgeklärt. Schlüpfte bei seinen Vorträgen in verschiedene Rollen, imitierte seine verehrten Sängerkollegen Maffay, Lindenberg, Grönemeyer, Carpendale und Kerkeling. Stellte fest: "Kölsch ist kein Getränk, sondern eine Zumutung." Selbst Scherze der seichteren Art („Wenn man sich in der Bikinizone rasiert und eine Woche wartet, hat man Wolfgang Thierse im ,Schlüppa'.“) zelebrierte der Fachmann für Humor auf seine ganz spezielle Art. So ist er halt, "Seine Eloquenz" Jürgen von der Lippe. Er ist einzig, aber (fast) nie artig. Kesse Lippe: von der Lippe. Und keine Frage, er, Jürgen "Donnerlippchen", hat sie immer noch, die unübertroffene kesse Lippe. Und das im Alter von immerhin schon 68 Jahren.



---------------------------------------------------- INFO --------------------------------------------------------------

Jürgen von der Lippe, Jahrgang 1948 und mit unzähligen Preisen überhäufter Fernsehmoderator, Entertainer, Schauspieler, Musiker und Komiker, wuchs in Aachen auf, wo er das Kaiser-Karls-Gymnasium besuchte und im Jahr 1966 das Abitur ablegte. Von 1967 bis 1970 absolvierte von der Lippe eine Offiziersausbildung bei der Fernmelde-
truppe der Bundeswehr und verließ die Streitkräfte im Rang eines Leutnants. Ab 1970 studierte er in Aachen und ab 1972 in Berlin Germanistik, Philosophie und Linguistik für das Lehramt, schloss das Studium jedoch wegen der in Berlin unzulässigen Fächerkombination nicht ab. Im Jahr 1976 gründete er zusammen mit Hans Werner Olm und anderen die Gebrüder Blattschuss, denen er bis 1979 angehörte.

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