Auf ein Wort: Über Wutbürger

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Gerd Sauer ist Pfarrer im ­Ruhestand.
Beim Lesen oder Hören der Nachrichten stoßen wir häufig auf das Schlagwort „Wutbürger“  - ganz oft mit dem Beigeschmack: Das sind  - so wird dann unterstellt - meis­tens Menschen, die mit irgendeiner Neuerung, mit irgendeinem sogenannten Fortschritt nicht einverstanden sind, die lautstark und energisch dagegen protes­tieren und gewaltig „ auf den Putz hauen“.
Dabei geht es angeblich oft um sehr egoistische Inter­essen: Die Veränderung ist zwar unaufhaltsam - so wird behauptet -, aber doch bitte nicht so, dass ich selbst dadurch Nachteile in Kauf nehmen muss. Also: Fortschritt ja, aber bitte nicht auf meine eigenen Kosten.
Wir sollten den Protest unserer Mitbürger nicht durch solche Unterstellungen und Pauschalurteile diffamieren. Häufig zeigen nicht zuletzt die Verletzungen von Eigeninteressen, dass das Problem nicht wirklich gelöst ist und noch einmal gründlich durchdacht werden muss. Deshalb sind „Wutbürger“ durchaus nicht generell uneinsichtige Egoisten, sondern sie sind häufig Indikatoren für das Gesamtproblem, die nicht einfach beiseite geschoben werden sollten, wenn man Fehler rechtzeitig bedenken und ausräumen möchte. Und ob denn der Fortschritt als solcher auch heute noch das erstrebenswerte „Ziel an sich“ ist, mag man wirklich bezweifeln.
Ich finde jedenfalls hochaktuell, was wir in der „Bergpredigt“ lesen:
„Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden (Mt. 5,6).
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Elke Fritzen aus Duisburg | 08.03.2013 | 18:52  
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