Gemüse im Pott: In der Stadtmitte ist ein öffentlicher Garten entstanden

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Viele legten Hand an bei der Bepflanzung in der Wiesenstraße wie Carla Weymann (v. l.), Franka Hönekopp, Lukas Stolz und Frederike Ronnefeldt.
 
Monika Kowallik ließ es sich nicht nehmen, bei der Bepflanzung der Beete in ihrem Viertel zu helfen.
Zucchini-, Kürbis- und Kräuterernte mitten in der Innenstadt? „Warum eigentlich nicht?“, dachten sich Studenten der Universität Witten/Herdecke und ließen der Idee Taten folgen.

Und nun stehen da mitten in der Wittener Innenstadt fünf öffentliche Beete, in denen gedeiht, was ansonsten nur im kleinen Gärtchen hinterm Haus oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen professionell zum Blühen gebracht wird.
Und so ist quasi über Nacht ein öffentlicher Garten in der Innenstadt entstanden. Vier der fünf Beete haben ihren Platz im Einmündungsbereich der Casino- und Wiesenstraße gefunden, ein fünftes Beet steht ein paar Meter weiter in der Wiesenstraße. Der erst letztes Jahr eingebrachte Begriff Wiesenviertel füllt sich mit Gemüse-Leben. Das Konzept, das hinter der Idee steht, trägt dabei natürlich einen knackigen - englischen - Namen: Urban Gardening, was man als Gärtnern in der Stadt bezeichnen könnte. Die Studenten der Uni, die das Konzept, das etwa in Großstädten wie Berlin und Köln bereits Blühten trägt, nach Witten getragen haben, haben sich jedoch für einen verspielteren, mit Lokalkolorit durchzogenen Namen für ihr Projekt entschieden: „Blumen-Pott Stadtgarten“.
„Studenten sehen selten das Tageslicht“, schmunzelt Fredericke Ronnefeld. Die 22-jährige Studentin des Studiengangs Philosophie, Kulturreflektion und kulturelle Praxis sitzt viel am Schreibtisch, verbringt viel Zeit in der Bibliothek. Aus diesem Gedanken heraus ersannen einige Studenten die Idee, zum Ausspannen einen Garten anzulegen. Platz bietet der Unicampus im Wullen dafür genug: „Aber der Campus ist eine kleine Welt für sich“, gibt Fredericke Rennefeldt zu bedenken. Und dieser Gedanke ist nicht sinnbildlich zu verstehen - in Bezug auf die Uni als geschlossenem Bildungstempel. Nein, der Gedanke bezieht sich auf die örtliche Lage im Wullen, jenseits der Innenstadt. „Also haben wir uns gesagt, wir bringen eine Idee der Uni in die Stadt.“
Rund zehn Gartenfreunde haben sich an der Uni zusammengefunden, vergangenen Samstag wurde der kleine öffentliche Garten nun seiner Bestimmung übergeben. Blühen soll er. Ein Teil der Erde wurde gekauft, ein Teil gespendet. Da kein Student ein ausgewiesener Gartenfachmann oder eine ausgewiesene Gartenfachfrau wäre und Idealismus alleine nicht ausreicht, holte man sich kreative Hilfe beim Stellwerk, Studio für Kulturdesign, an der Ruhrstraße. Und bei der Initiative Ökodorf Ruhrgebiet wurde angeklopft mit der Bitte um Unterstützung. Das Ökodorf Ruhrgebiet ist eine Initiative, die im weitestens Sinne versucht, Grün in die Stadt zu holen, die aber auch Initiativen, die sich mit alternativen Lebenskonzepten inmitten der Metropole Ruhr auseinandersetzen, eine Möglichkeit gibt sich zu vernetzen. „Wir haben unter anderem eine Gartengruppe, die sich einmal im Monat trifft“, erzählt Markus Knop. Er gehört der Initiative, die übrigens in Witten beheimatet ist, an und freut sich, dass die Studenten auf das Wissen der Gartengruppe zurückgegriffen hat, etwa bei der Zusammenstellung der Beete: Was passt zusammen und was nicht? Und schließlich wurden nicht nur Nutzpflanzen ausgesät, auch allerlei Buntes wie Akeleien wird in Zukunft das Wiesenviertel noch etwas bunter gestalten.
Wichtig war es den Studenten allerdings auch, das Projekt in die Nachbarschaft zu integrieren. „Wir haben den Anwohnern frühzeitig Bescheid gegeben und sie eingeladen mitzumachen“, erzählt Frederike Ronnefeld. Also kamen am Samstag auch Nachbarn des Weges, stellten einen Grill auf, brachten Salate vorbei oder legten Hand mit an, wie Monika Kowallik: „Als ich von der Idee gehört habe, fand ich sie einfach toll“, erzählt die Anwohnerin, die sich freut, dass die Studenten ihre Idee quasi vor ihrer Haustür verwirklichen.
Am Ende gibt Frederike Ronnefeldt als eine der Mitorganisatorinnen schließlich zu, dass sie den Ort inmitten der Wittener Innenstadt mit etwas Druck forciert hat. Warum? „Die Universität ist als Institution super in die Stadt integriert, aber die Studentinnen und Studenten sind ja in der Regel nicht unbedingt aus der Region - es sollte der Uni ein Anliegen sein, dass sie nicht nur von ihrer Uni sprechen, sondern auch von ihrer Stadt oder besser gesagt, ihren Städten.“ Am Campus der Universität Witten/Herdecke ist Frederike Ronnefeldt denn tatsächlich so etwas wie eine Exotin - stammt sie als Herdeckerin doch tatsächlich aus dem Uniland.
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Jörg Manthey aus Witten | 21.05.2013 | 20:37  
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