Energiearmut verhindern - Ruhrstadt, Stadtwerke, Jobcenter und die Verbraucherzentrale ziehen an einem Strang

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Das neue Beratungsangebot in der Verbraucherzentrale stellten vor (v. l.): Leiterin Alexandra Kopetzki, Bürgermeisterin Sonja Leidemann, Andreas Schumski (Geschäftsführer Stadtwerke), Tiana Preuschoff (Fachberaterin Verbraucherzentrale), Markus Borgiel (Prokurist Stadtwerke) und Dr. Iris van Eik, (Bereichsleiterin Verbraucherberatung). (Foto: Barbara Zabka)

Zahlungsprobleme rund um die Energie-Rechnung dauerhaft zu regulieren und deren Ursachen zu bekämpfen - so heißt das ehrgeizige Ziel der Projektes "NRW bekämpft Energiearmut". Ab sofort sind die Ruhrstadt, Stadtwerke, Jobcenter und die Verbraucherzentrale direkte Kooperationspartner.

Anlaufstelle ist die Geschäftsstelle an der Berger Straße im Nebengebäude des Hauptbahnhofes. Dort gibt es ein kostenloses Beratungsangebot. "Auch bei uns gibt es viele Menschen, die ihre Energiekosten nicht bezahlen können, Mahnungen erhalten und akut von einer Liefersperre bedroht sind", betont Bürgermeisterin Sonja Leidemann. Betroffen sind nicht nur Menschen, die Transfersleistungen beziehen, sondern auch Werktätige am unteren Lohnniveau und zunehmend Senioren, die in die Altersarmut abgerutscht sind.

Die Hauptziele des Projektes sind, die Energiearmut nachhaltig zu verhindern und die Verbraucher vorbeugend aufzuklären. Für dieses gemeinsame Vorhaben stellten Bürgermeisterin Leidemann, Andreas Schumski, Geschäftsführer der Stadtwerke Witten und Dr. Iris van Eik, Bereichsleiterin der Verbraucherzentrale NRW, die Weichen.

"Im ersten Schritt des Projektes haben wir rund 86 Prozent der Fälle erfolgversprechend gelöst", bilanziert Iris van Eik. "Da hat die Zusammenarbeit mit den örtlichen Energieversorgern stets hervorragend geklappt. Und die Betroffenen haben auch aktiv mitgemacht. Allerdings haben wir keinen Geldsack in der Ecke stehen. Denn das ist nicht die Lösung des Problems Energiearmut." So versteht sich die Verbraucherzentrale künftig als wichtiger und unabhängiger Ansprechpartner. "Wir sprechen bei der Beratung eine verbrauchergerechte Sprache. Die Menschen können Ängste, Hemmungen oder gar Schamgefühle daheim lassen."

Oft liegen die Ursachen für die Energiearmut im gesamten Haushaltsbudget einer Familie. Aber auch in den besonderen Lebensumständen. Menschen mit wenig Geld leben oft in einfachen Wohnungen - ohne besondere Wärmedämmung, ohne ISO-Fenster. Oftmals sind auch die elektrischen Haushaltsgeräte veraltet und somit Energiefresser. "Da wollen wir gerne helfen, die Haushaltsfinanzen besser zu planen und die Finanzkompetenz nachhaltig zu stärken."

Auch Andreas Schumski verspricht eine Zusammenarbeit ohne Haken und Ösen. "Wir bieten Stundungen, Ratenzahlungen und auch Energieberatungen, um den Kunden zu helfen", betont er im Gespräch. Rund 50000 Haushalte betreuen die Stadtwerke, davon erhalten in jedem Jahr rund 3000 Familien eine Sperr-Androhung.
In rund 500 Wohnungen wird dann tatsächlich der Strom abgeschaltet. In den meisten Fällen kann die Sperrung allerdings bereits nach 24 Stunden wieder aufgehoben werden. "Aber es muss ja erst gar nicht so weit kommen. Es ist kein Makel, wenn man mal einen Engpass hat", so Schumski. Deshalb sei es so wichtig, bei Zahlungsproblemen frühzeitig Rat und Hilfe zu suchen. "Ein Leben ohne Stom ist eine riesige Katastrophe. Keine Heizung, kein warmes Wasser, kein Computer, kein Telefon. Man kann nicht kochen - noch nicht einmal Babynahrung erwärmen", so Sonja Leidemann. "Die Dimensionen malt sich leider niemand im Vorfeld aus."

Hier gibt es guten Rat


Das Verbraucherschutzministerium stellt für die kommenden zwei Jahre rund eineinhalb Millionen Euro für die Beratung der Hilfesuchenden zur Verfügung. In der Ruhrstadt ist die neue Fachberaterin Tiana Preuschoff die wichtige Ansprechpartnerin. Sie bietet kostenlose Budget- und Rechtsberatung bei Energiearmut. Terminvereinbarung unter Ruf 2828117.
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