Redewendungen oder Hornberg ist doch überall

Anzeige


Der Verfasser dieser Zeilen erinnert sich, dass er - weil
es schon zum zweiten Mal
in der Woche den ungeliebten Graupeneintopf gab - so richtig sauer war.

Meine Mutter schaute mich kurz an und sagte: "Dir ist wohl eine Laus über die Leber gelaufen." - "Unsinn", dachte ich, "wenn schon eine Laus hier rumläuft wäre, dann wäre sie mir doch wohl über die verdammten Graupen gelaufen."

Mein älterer Bruder, der sich gern für oberschlau hält, ärgerte mich des Öfteren mit der Floskel: "Du bist ja dumm wie Bohnenstroh." Dabei konnte er mir nicht einmal sagen, was Bohnenstroh ist, warum es dumm ist, und weshalb ich überhaupt so dumm wie Bohnenstroh sein sollte.

Als ich dann meinen Vater um Aufklärung bat, sagte der nur: "Frag nicht so viel, iss lieber deinen Teller auf, damit es morgen schönes Wetter gibt." - "Was für ein Schwachsinn", dachte ich, "dem Wetter ist es doch piepegal, ob ich meinen Teller aufesse oder nicht. Aber ich esse meinen Teller schon aus dem einfachen Grund nicht auf, weil ich einfach keinen Porzellan mag."

Mein Opa, auch so ein Sprücheklopfer, belehrte mich ständig mit der Phrase: "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert." Dabei war doch schon zu seiner Jugendzeit bekannt, dass es den Taler nicht mehr gab und dass es für einen Pfennig auch schon, als er noch legales Zahlungsmittel war, eh nix gab.

Nachbetrachtend kann man sagen, dass die ganze Tischunter-
haltung wie das oft zitierte "Hornberger Schießen" ausging. Und von der legendenumwobenen Schießerei hatte unsere ganze Familie sowieso nicht den geringsten Schimmer, ob und wann sie über-
haupt je stattgefunden hat.

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.