Zwei Kisten Bier für den spektakulärsten Oldtimer auf Nachtigall

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Bäumchen vor der Windschutzscheibe - Ergebnis eines 25-jährigen Stillstands in der Natur. Dennoch sprang der Benz-Diesel ohne Murren an. Fotos: Walter Demtröder

Knapp 300 Teilnehmer, etwa 4.000 Besucher an zwei Tagen – das Oldtimerfestival auf Zeche Nachtigall lockte auch in diesem Jahr wieder viele Liebhaber „alter Schätzchen“ aufs Gelände des LWL-Industriemuseums an der Nachtigallstraße. Das spektakulärste Auto konnte dabei nicht mit glänzendem Chrom aufwarten.

Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Wittener Oldtimer-Stammtischs und des Stadtmarketings gab es viel zu entdecken. Seltene Einzelstücke, wie ein mehr als 80 Jahre alter Hot Rod (modifiziertes USA-Modell, meist aus den 1920er bis 1940er Jahren mit leistungsstarken V8-Motoren anstelle der originalen Maschine) waren genauso vertreten wie ein aufgemotzter Opel GT, Enten, Käfer, der legendäre Ford Mustang, von dem es gleich mehrere Exemplare zu bewundern gab, sowie viele andere Amischlitten und europäische Autos. Auch Freunde historischer Motorräder und Trecker hatten bei der Veranstaltung ihre Freude.
Für zusätzliche Kurzweil sorgte ein Rahmenprogramm mit Live-Musik, Oldtimer-Modellen, einer Kart-Vorstellung, einem Oldtimer-Teileverkauf sowie reichlich Essen und Trinken. Auch mitgebrachte Kinder hatten ihren Spaß, denn sie konnten sich auf einer Hüpfburg austoben oder einem Abenteuerspielplatz vergnügen.

Ausfahrten für Trecker und Autos

Für etwa ein Dutzend Treckerfahrer und rund 60 Oldtimer-Piloten standen zwei Orientierungsfahrten auf dem Programm, bei denen es, ähnlich einer Schnitzeljagd, an verschiedenen Stationen auf der Strecke Fragen zu beantworten galt. Während sich die Treckerfahrer am Samstag auf einen 30-Kilometer-Kurs begaben, durften die Oldtimer am Sonntag knapp 90 Kilometer bewältigen.

Rostlaube als absoluter "Hingucker"

Die Veranstaltung bot schöne Oldtimer, soweit das Auge reichte, aber der absolute „Hingucker“ und Publikumsmagnet war eine Rostlaube aus dem Jahr 1979, die schon lange keinen TÜV mehr hat und das begehrte Prüfsiegel auch nie wieder erhalten wird: ein Mercedes 300 D aus der 123er-Baureihe, aus dem Bäume wuchsen – was seinen Besitzer Siegfried Oberstschewen nicht davon abhalten konnte, damit eine Runde auf dem Zechengelände zu drehen.
„Ursprünglich haben wir für meinen Sohn einen DKW Munga gesucht“, erzählt er die abenteuerliche Geschichte des baumbewachsenen Fahrzeugs. „Ein älterer Herr aus Anröchte hatte den DKW angeboten. Im Garten und dort im Gebüsch entdeckten wir den Benz. Den hatte er irgendwann mal gefahren, wollte ihn dann verkaufen, aber niemand wollte ihm das Geld zahlen, was er sich vorgestellt hatte. Also blieb das Auto 25 Jahre lang dort stehen. Wir haben eine neue Batterie eingebaut, Diesel vorgepumpt und schon nach zwei Minuten ist das Ding angesprungen.“
Der ungekrönte König des Festivals hat übrigens deutlich weniger gekostet als die kleinste Restauration an anderen Fahrzeugen, wie Siegfried Oberstschewen sagt: „Wir haben dafür zwei Kisten Bier bezahlt.“
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